Die Ratingagentur Moody's stuft den Ausblick für das Schweizer Bankensystem weiterhin als «stabil» ein. Die Einschätzung wird von den Rating-Experten mit der soliden finanziellen Verfassung der Banken hierzulande begründet. Allerdings wird auch auf die Gefahr einer Überhitzung des Immobilienmarktes und auf den anhaltenden Druck auf die Profitabilität der Banken verwiesen. Für Privatbanken und Vermögensverwalter werden grössere Herausforderungen gesehen.

Im Einzelnen werden im neuesten Bericht «Banking System Outlook: Switzerland» unter anderem das geringe Volumen an Problemkrediten, die starken Eigenkapitalkennzahlen, die begrenzte Abhängigkeit von Kapitalmarktfinanzierung und die beträchtliche Verlustabsorptionskapazität dank der Erträge und Risikovorsorge erwähnt.

Die Einschätzung eines anhaltend stabilen operativen Umfelds für die Schweizer Banken stützt sich nach Meinung der Ratingagentur neben den soliden finanziellen Fundamentaldaten der Institute auch auf die Kreditwürdigkeit der Schweizer Eidgenossenschaft («Aaa», Ausblick «stabil») sowie auf die geringe Arbeitslosigkeit.

Der Ausblick der Ratingagentur für systemische Unterstützung in den nächsten 12 bis 18 Monaten ist trotz der Konzentration der Behörden auf eine Aufstockung der Eigenkapitalpolster und die Entwicklung eines Lastenausgleichssystems stabil. Die Experten sind der Auffassung, dass für angeschlagene Banken im Bedarfsfall Unterstützung geleistet würde angesichts der Bedeutung des Bankensektors für die Volkswirtschaft und der langen Tradition des Landes als vertrauenswürdiges globales Privatbankenzentrum.

Anzeichen einer Überhitzung am Immobilienmarkt

Allerdings gibt es laut Moody's vermehrte Anzeichen eines übermässig starken Anstiegs der Immobilienpreise auf dem hiesigen Markt. Dies sei auf eine Kombination aus angebots- und nachfrageseitigen Faktoren zurückzuführen. In einem ungünstigen Szenario könnte dies zu einer deutlichen Schwächung der Aktivaqualität und Eigenkapitalkennzahlen der Banken hierzulande führen, heisst es.

Dabei wird im Speziellen auf die als erheblich eingestuften Konzentrationsrisiken der Regional- und Kantonalbanken bei Wohnimmobiliendarlehen hingewiesen. Ein unerwartet starker Rückgang am Immobilienmarkt könnte daher zu deutlich höheren Kreditausfallkosten führen. Dies könnte die Rentabilität und potenziell auch die Kapitalausstattung der Banken beeinträchtigen, was wiederum negative Folgen für die eigenständigen («stand-alone») Kreditprofile der Institute hätte, heisst es.

Rentabilität unter Druck

Die Ratingagentur geht weiter davon aus, dass die niedrigen Zinsen und die damit verbundene Einengung der Nettozinsmargen anhaltenden Druck auf die Rentabilität ausüben. Dadurch werde der begrenzte Spielraum für Effizienzsteigerungen weiter eingeengt und könnte die Bereitschaft steigen, im Streben nach höheren Renditen zusätzliche Risiken einzugehen.

Allerdings wird positiv vermerkt, dass sich viele Banken an strenge Kreditvergabekriterien, etwa bei den Beleihungsquoten (LTV), hielten. Hinzu komme, dass das Bankensystem bei einer Reihe von Faktoren besser abschneide als Anfang der 1990er Jahre, was massgeblich zur Entscheidung der Ratingagentur beigetragen habe, den stabilen Ausblick beizubehalten, heisst es.

Das Basisszenario der Ratingagentur stütze alles in allem die Einschätzung, dass die Schweizer Banken in der Lage sein dürften, die zu erwartende Verschlechterung der Aktivaqualität ohne wesentliche Beeinträchtigungen für die Erträge oder das Eigenkapital zu verkraften, so der Bericht weiter.

Herausforderungen für Privatbanken und Vermögensverwalter

Moody's weist ferner darauf hin, dass Schweizer Privatbanken und Vermögensverwalter vor erheblichen Herausforderungen stehen werden. Dabei werden die Unsicherheiten infolge der gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Neuregelungen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung, zum Bankgeheimnis sowie zu Geldstrafen und möglichen Prozesskosten genannt. Dies erschwere das operative Umfeld für diese Gruppe von Banken zusätzlich.

(rcv/aho/awp)

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