Vornehme Zurückhaltung in der Design-Sprache, rundes Ziffernblatt, Stunden- und Minutenzeiger, schwarzes Lederarmband: Die Moto 360 ist sehr unauffällig und mit 10,2 Millimetern Dicke kein Klotz am Handgelenk. Die Uhr trägt sich leicht – kein Wunder, sie wiegt nur 49 Gramm. Wie die angekündigte Smartwatch LG G Watch R hat sie ein fast kreisrundes Display.

Im Inneren der Moto 360 tickt der Prozessor Omap 3 von Texas Instruments – viele Experten hatten den stärkeren Snapdragon 400 erwartet. Klassenüblich sind die Grösse des Arbeitsspeichers (512 Megabyte) und des Speichers für Apps (4 Gigabyte). Die Uhr läuft mit Googles Smartwatch- Betriebssystem Android Wear. Das bietet ohne Zusatz-Apps nur wenige Funktionen. Ganz auf sich gestellt, misst die Uhr nur den Puls und zählt Schritte – das wars. Kontakt zum Handy nimmt sie über das Stromspar-Bluetooth 4 LE auf: Nur so kann der Nutzer Apps überspielen. Zum Testzeitpunkt waren zwar nur 33 im Angebot, darunter aber immerhin die Lauf-App Runtastic: Die verwandelt die Moto 360 in eine Sportuhr.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Das Zifferblatt lässt sich selbst gestalten

Wer ein Motorola-Smartphone hat, kann übrigens die Moto 360 noch weitaus mehr anpassen, als es mit Android Wear allein geht. Mit der App Motorola Connect lässt sich beispielsweise das Zifferblatt bis ins kleinste Detail gestalten, etwa die Zeigerfarbe. Doch auch ganz ohne Apps lässt sich die smarte Uhr als eine Art verlängerter Guckkasten fürs Smartphone nutzen. Dabei klappt die Steuerung weitgehend per Sprachbefehl. Ein «Okay, Google, navigiere mich zum Stadtpark!» startet zunächst die Google-Navigation auf dem Handy – die Abbiegehinweise erscheinen anschließend auf dem Uhrendisplay.

Wenn es gerade nichts zu tun hat, ist das mit 290x320 Pixeln fein auflösende LC-Display übrigens dunkel und zeigt nichts an. Zur Anzeige der Uhrzeit tippt der Nutzer darauf oder dreht die Uhr am Handgelenk kurz zu sich. Anders als bei der Konkurrenz regelt der eingebaute Sensor wirksam die Helligkeit des 3,98-Zentimeter-Displays: So ist es auch bei grellem Sonnenlicht noch gut ablesbar – und bei schummriger Bar-Beleuchtung killt die Uhr nicht die Stimmung. Super: Das Deckglas ist aus Gorilla Glass 3 – das ist deutlich kratzfester als der Vorgänger.

Einen Lader im Büro und einen daheim – das ist nicht möglich

Wie bei Smartwatches üblich, war der Akku nach rund einem Tag platt. Praktisch: Beim Zubettgehen kommt die Uhr einfach in die Ladeschale. Die Anzeige wechselt dann automatisch ins Querformat und die Moto lädt sich drahtlos auf – leider mit eigenem Ladestandard, also nicht dem Industriestandard QI, auf den sich einige Hersteller geeinigt hatten. Schade: Die Ladeschalen wird es hierzulande nicht einzeln geben. Einen Lader im Büro und einen daheim – das ist nicht möglich. Das ist alles andere als smart.

Abgesehen von der integrierten Pulsmessung leistet die Motorola Moto 360 kaum mehr als andere Smartwatches – aber sie sieht entschieden besser aus! Ausser an schmalen Handgelenken. Da dürfte sie gern noch kompakter sein.

Die Moto 360 soll ab zirka Oktober für rund 300 Franken in den Handel kommen, bislang in siber und schwarz mit Lederarmband.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Computerbild, wie die Handelszeitung ein Produkt von Axel Springer.