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Multimedia aus der Steckdose

Virtual Private Networks: Die Multimedia-Steckdose rückt dank der rasanten Ausweitung des Internet Protocol in Griffnähe. Die sich realisierende Vision ist für multinationale Unternehmen gedacht.

Von Peter J. Moebius
am 26.11.2002

Die mediale Revolution für multinationale Organisationen heisst nicht Internet, sondern Internet Protocol (IP). Die Übertragung von geschäftskritischen Daten, Sprache, Internet, Video über Virtuelle Private Netzwerke (VPN) mittels Internet Protocol vollzieht sich leise und in grosser Geschwindigkeit. Die Yankee Group erwartet in diesem Bereich bis ins Jahr 2006 ein weltweites Investitionsvolumen von 4,5 Mrd Dollar, und die Meta Group geht allein für Deutschland von einem Umsatz von knapp 3 Mrd Fr. bis im Jahr 2005 aus. Vorangetrieben wird diese Entwicklung durch den rasanten Ausbau der Bandbreiten, die Ausweitung des Internet Protocol (IP) sowie durch die Globalisierung zeitkritischer Geschäftsprozesse. Die Zahl der Netzwerkanbieter wächst beständig und mit ihr die Konfusion darüber, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Lösungen bieten.

Zenith überschritten

Traditionelle Wide-Area- Netzwerke (WAN) wie ATM oder Frame Relay zeichnen sich durch eine hohe Verfügbarkeit, Sicherheit und hohe Performance aus. Da diese typischerweise aus einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung bestehen, fehlt die Flexibilität bei sehr hohen Unterhaltskosten. Das Vernetzen oder das Zusammenlegen von einigen wenigen Standorten erstreckt sich nicht selten über Jahre und ist mit erheblichen Kosten verbunden. Eine offene (Any-to-Any-) Kommunikation zwischen allen Benützern, wie sie das World Wide Web bietet, ist bei einem WAN technisch nicht möglich. Dazu fehlen drei wesentliche Dinge: Bandbreite, Sicherheit der Datenübermittlung sowie Dienstgüte (Quality of Service). Andere WAN-Technologien wie Frame Relay oder ATM bringen hier keine Verbesserung, da auch sie physisch aus einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung bestehen.

Ein ideales Netz muss eine uneingeschränkte Verbindung von jedem Gerät zu jedem anderen erlauben, und zwar für alle multimedialen Dienste. Das Konzept «Multimedia aus der Steckdose» nutzt dazu das Internet, um Daten, Sprache, Internet und Video über nur einen Anschluss zu verbinden. Die geforderte Sicherheit und Dienstgüte ist nur über ein geschlossenes Virtuelles Privates Netzwerk (VPN) möglich. Virtuelle Private Netzwerke wurden speziell für die sichere und kostengünstige Verbindung mit dem Internet entwickelt. Durch Vernetzung ihrer Standorte übers Internet können sich Unternehmen die monatlichen Kosten für Standleitungen sparen. Von grossem Vorteil ist ihre Flexibilität: Bei einem einfachen Wechsel des Serverstandortes oder bei Unternehmensfusionen, die bisher erhebliche Ressourcen erforderten, müssen bei Virtuellen Privaten Netzwerken nur noch die Zugangsgeschwindigkeit verändert oder Konfigurations- und Adressänderungen vorgenommen werden. Die Aufwandreduktion für Netzwerkverantwortliche bedeutet nicht nur verminderte Kosten, sondern auch deutlich erhöhte Flexibilität.

Die Vorteile haben ihren Preis

Die Vorteile der Verbindung von Daten, Sprache, Internet und Video über einen einzigen Anschluss haben ihren Preis ­ den Preis der Standardisierung. Standardisierung bedeutet Reduktion der Komplexität, also weniger Vielfalt bei den Protokollen, Betriebssystemen und Konfigurationen. Auf die Praxis bezogen bedeutet dies, dass man sich auf ein im Netzwerk vorkommendes Protokoll beschränkt. Den Durchbruch der Vision «Multimedia aus der Steckdose» brachte das Internet-Protokoll (IP). Wegen der fehlenden Bandbreite genügte dieses lange Zeit erst im Inhouse-Bereich den professionellen Anforderungen. Mit der Ausweitung von Bandbreite sowie der Sicherheit des Internet Protocol (IP) wurde die Grundlage für den Aufbau von geschlossenen virtuellen Unternehmensnetzen (VPN) geschaffen.

Während die Realisierung von IP VPNs in den USA vorrangig über das öffentliche Internet erfolgt, haben sich in Europa MPLS-basierte (Multiprotocol Label Switching) IP VPNs durchgesetzt. Das Kürzel «MPLS» steht für ein standardisiertes Übertragungsprotokoll, das innerhalb von verschiedenen Benutzern verwendeten Netzwerkes eine schnelle und sichere Weiterleitung von IP-Paketen im Backbone ermöglicht.

In einem privaten Netzwerk entfällt der Einsatz eines meist komplizierten Routing-Backbone. Die Weiterleitung der Daten erfolgt in MPLS-Netzen nicht anhand der IP-Adresse, sondern über Labels, die ein Eingangsrouter zu Datenpaketen schnürt. Diese sind nur auf der Verbindung zum nächsten Router gültig.

Der Provider kann in solchen Netzen selbst definieren, mit welcher Priorität und auf welchen Wegen die Datenpakete durch das Netz übertragen werden. Dies bietet eine wesentlich höhere Flexibilität in der Übertragung und im Unterhalt entsprechender Netze. In einem privaten Netzwerk lassen sich Konfigurationsänderungen einfach und ohne physikalische Anpassungen realisieren. Bei der Zusammenlegung von Netzinfrastrukturen, etwa bedingt durch Neustrukturierungen oder Unternehmensfusionen, beschränkt sich der Aufwand auf einfache Konfigurations- und Adressänderungen.

Hohe Einsparungen

Der Anschluss oder die Schliessung von Netzwerk-Lokationen verursacht dynamisch wachsenden Unternehmen meist Kopfzerbrechen. Wird zum Beispiel ein öffentliches Netz wie das Internet als Backbone für ein IP VPN genutzt, müssen die Daten verschlüsselt werden. Schon die kleinste Veränderung kann eine Neuadressierung aller anderen Netzwerklokationen nach sich ziehen. Ein solches Problem existiert bei MPLS-basierten IP VPN nicht. Mit dem Konzept Multimedia aus der Steckdose lassen sich neue Clientkonzepte einfach realisieren. Multinationale Unternehmen nutzen daher immer mehr die Möglichkeit, Server zu zentralisieren, da bei neuen Verkehrsströmen lediglich Bandbreitenanpassungen an den betroffenen Standorten erforderlich sind. Neue Konzepte mit schlanken Clients lassen sich innert kürzester Zeit an jenen Arbeitsplätzen umsetzen, an denen die nötigen Applikationen bereitstehen. Aufgrund des wachsenden Verkehrs erhöhen sich zwar die Kosten für das Netzwerk; diese werden aber durch die Einsparungen, die durch die Zentralisierung der Server möglich werden, mehr als wettgemacht.

Die Kontrolle von Kosten und Leistung findet bei IP VPNs über ein Service Level Agreement (SLA) statt, das die Leistungen standardisiert und messbar macht. Mehr Transparenz bei Bandbreiten, Leistung, Verfügbarkeit, maximaler Downtime oder Supportzeit gibt dem Unternehmen zusätzliche Sicherheit.

Multimedia aus der Steckdose ist mit IP VPN keine Vision mehr, sondern Realität. Zahlreiche Unternehmen haben bereits auf das IP-Netzwerk eines Service-Providers gewechselt, und die starke Nachfrage hält weiter an (vgl. Kasten). Flexibilität, Verkürzung von Entwicklungszeiten, hohe Verfügbarkeit, Sicherheitsgarantien und deutlich tiefere Kosten sind die meist genannten Gründe für einen Wechsel. Für Carrier kommt die enorm wichtige Fähigkeit hinzu, Servicequalitäten selbst zu definieren und unterschiedliche Güteklassen für Sprach-, Daten- oder Videoklassen anbieten zu können. MPLS-basierte IP VPNs verbinden das Beste der bisherigen und der neuen Technologien: Flexibilität und Geschwindigkeit von IP mit höchster Sicherheit zu transparenten Preisen.

Peter J. Moebius ist Managing Director von Equant Communications Service AG in Zürich und Genf.

IP VPN

Bald Standard

Der Europamarkt für IP VPNs (Virtuelle Private Netzwerke über Internet Protocol) hat gemäss einer Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan gute Zukunftsperspektiven. Von 200 befragten Grossunternehmen aller Branchen aus ganz Westeuropa arbeiten bereits über 50% mit IP VPNs, ein grosser Teil der übrigen beabsichtigt ihre Einführung in den nächsten Jahren.

Virtuelle Private Netzwerke (VPNs) sind eine Alternative zu unternehmenseigenen Computernetzwerken. VPNs nutzen öffentlich zugängliche Netze, allerdings werden mittels Sicherheitsmechanismen wie Identifikation und Authentifikation der Teilnehmer praktisch private Netze für den Datenverkehr von Unternehmen gebildet. Im speziellen Fall des IP VPNs sind die Teilnehmer über so genannte IP-Tunnel miteinander verbunden, sprich die Daten werden über das Internet im IP-Format übermittelt. Dank der Abwicklung des Datenverkehrs über öffentliche Carrier sind IP VPNs sehr flexibel und leistungsfähig.

Mehr als zwei Drittel der schon mit IP VPNs arbeitenden Unternehmen geben an, darüber unternehmenskritische Daten laufen zu lassen. Von den bisherigen Nutzern sind rund 90% mit ihrer Lösung zufrieden. (eb)

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