Vorbei sind die Zeiten, als sich die ganze Familie abends im Wohnzimmer versammelte, um gemeinsam Nachrichten zu hören. Die spärliche gemeinsam zu Hause verbrachte Zeit wird heute sehr aktiv genutzt und verteilt sich auf die verschiedensten Räume. Aus diesem Grunde gehört zu einer gepflegten Inneneinrichtung auch ein audiovisuelles Konzept für das ganze Haus. Mit raffinierten Multiroom-Systemen lassen sich Bild und Ton elegant im ganzen Wohnbereich verteilen.

Es klingt schon ein bisschen nach Sciencefiction: Während wir nach einem anstrengenden Tag auf dem Heimweg sind, füllt sich die Badewanne bereits mit Wasser in der gewünschten Menge und Temperatur, und wir avisieren per Handy die Waschmaschine, ihren Dienst zu tun. Derweil wir in der Wanne liegen, überprüft der intelligente Kühlschrank automatisch seinen Inhalt und ordert via Internet unsere Lieblingslebensmittel. Und wenn wir dann entspannt beim TV-Dinner sitzen und das Telefon klingelt, müssen wir nicht einmal aufstehen, sondern können mit einer einzigen Fernbedienung oder per Sprachbefehl die Lautstärke des Fernsehers drosseln und den Anruf entgegennehmen.

Technisch steht dieser totalen Vernetzung des trauten Heims eigentlich nicht mehr viel im Wege. Im hightech-mässig ausgerüsteten «Futurelife»-Haus im zugerischen Hünenberg testet sich eine Familie seit bald zwei Jahren durch den Science-Fiction-Alltag. Doch während wir mit Spannung und einem gewissen Voyeurismus das Leben in diesem Prototyp-Haus verfolgen, möchten die wenigsten von uns selbst eine solche futuristische Anlage in der guten Stube haben. In verschiedenen Herstellerstudien befragte Konsumenten fanden die Rundum-Vernetzung jedenfalls mehrheitlich uninteressant und bestenfalls überflüssig. Zu ungemütlich, zu roboterartig und vielleicht auch ein bisschen unheimlich erscheint uns dieses Hightech-Umfeld.

Qualität in allen Räumen

Dennoch ist die Idee der Vernetzung nicht nur sinnvoll, sondern kann sogar erfolgreich vermarktet werden ­ sofern die Anwendungen dem Kunden einen erkennbaren Nutzen bringen. Interessante Möglichkeiten ergeben sich zum Beispiel im Bereich der Heimelektronik, denn hier mangelt es vielerorts an sinnvollen Konzepten. Man stelle sich ein typisches Schweizer Einfamilienhaus vor: Wer etwas auf sich hält, wird wohl im Wohnzimmer ein gutes Stück stehen haben: Einen edlen Designerfernseher mit rassiger 82 cm Diagonale im Breitbildformat, mit allem Drum und Dran, natürlich inklusive Video und DVD-Player. Dazu eine imposante HiFi-Anlage, selbstverständlich mit Dolby Surround, passender Rundumbeschallung und eleganten Lautsprechern. Im Schlafzimmer wirds dann schon etwas bescheidener: Ein zweckmässiger Zweitfernseher dient als Einschlafhilfe und nicht selten auch als Ablagefläche. Dazu ein kleiner Radiowecker, der jeden Tag mit einem Rauschen beginnen lässt. Noch schlimmer sieht es in Küche und Bad aus, wo meist Sammelpunkt-Prämien und Werbegeschenke zur Beschallung herhalten müssen. So sammelt sich in den eigenen vier Wänden mit der Zeit eine Menge «Elektronikschrott» an.

Doch es geht auch anders: Das beweist zum Beispiel der dänische Hi-Fi- und TV-Hersteller Bang & Olufsen: Ganz ohne Mediengetöse hat die Designschmiede schon in den frühen 80er Jahren die Heimvernetzung etabliert; damit demonstrieren die Dänen einmal mehr, dass sich gutes Design nicht nur durch ein schönes Äusseres, sondern auch durch eine gewisse Cleverness von der breiten Masse abhebt. So zeichnen sich sämtliche Systeme des Unternehmens nicht nur durch eine edel-schlichte Erscheinung, sondern auch durch eine schlüssige Bedienung aus, die bei allen Produkten sehr ähnlich ist; damit ist die Basis geschaffen, unterschiedliche Geräte mit einer einzigen, übersichtlichen Fernbedienung zu handhaben (was auch heute vielerorts noch keine Selbstverständlichkeit ist) und auch raumübergreifend zu bedienen. Dieses mittlerweile von den Dänen patentierte System erlaubt es dem Benutzer, seine Geräte im ganzen Haus audiovisuell zu vernetzen, das heisst, in jedem gewünschten Raum Ton und Bild in derselben hohen Qualität zu geniessen. Er kann zum Beispiel den im Wohnzimmer eingelegten DVD-Film im Schlafzimmer zu Ende sehen, und sich am Morgen von der Lieblings-CD wecken lassen ­ auch wenn der CD-Player keineswegs im Schlafzimmer steht. Oder beim Kochen den Fernsehton aus den Küchenlautsprechern hören.

Das Prinzip von «BeoLink» ist so raffiniert wie unkompliziert: Die «Zentralraum-Anlage» mit TV, Video und HiFi-Anlage dient als Steuerzentrale und kann von allen (per Kabel) vernetzten Nebenräumen aus angesteuert werden. Das heisst: ein diskretes Lautsprechermodul genügt, um auch in der Küche, im Hobbyraum oder im Bad «mitzuhören». Da diese Geräte alle dieselbe (Code)-Sprache sprechen, lässt sich ebenso der Fernsehton aus den HiFi-Boxen locken wie die CD-Musik aus den TV-Lautsprechern. Und zwar ganz einfach per Fernbedienung. Mit ihr kann der Benutzer jedes Gerät einschalten, umschalten, lauter oder leiser machen. Inzwischen werden auch «artfremde» Anwendungen mit einbezogen, was zum Beispiel auch erlaubt, mit der Fernbedienung das Licht zu dimmen. Sogar der PC kann ins Link-Netz einbezogen werden, so lassen sich zum Beispiel auch MP3-Sounddateien über den Rechner (ebenfalls mit ein und derselben Fernbedienung!) in allen vernetzten Räumen anhören. Für MP3-Fans bieten die Dänen sogar eine kostenlose Organizer-Software für die persönliche Musiksammlung.

Effektives Interior Design

Das erwähnte System sieht sich keineswegs als Extrafeature für Technologiefreaks, sondern als eigentliches «Interior Design» und sollte, so wäre es den Dänen lieb, bereits bei einem Neubau oder einer Renovierung konzipiert werden. Doch keine Angst: Für Musikgenuss im ganzen Haus kann man sein Heim auch «peu à peu» vernetzen: Denn es gehört zur Philosophie des Unternehmens, zeitlose Systeme zu schaffen, die auch noch nach Jahren oder Jahrzehnten nichts an Attraktivität eingebüsst haben. So sind auch viele ältere Komponenten schon «BeoLink»-fähig oder können auf Wunsch entsprechend nachgerüstet werden. Denn «zeitlos» bedeutet für die Dänen nicht, nicht mit der Zeit zu gehen. Und hat schon gar nichts mit steriler Sciencefiction zu tun.

Anzeige