Beim weltweit grössten Rückversicherer Munich Re könnte der Gewinn demnächst kleiner ausfallen. «Bei den Vertragsverhandlungen mit unseren Kunden 2014 sind die Preise gesunken. Die Einbussen daraus wirken sich 2015 aus», sagte Finanzchef Jörg Schneider. «Es wird schon deshalb schwer werden, das Gewinnniveau zu halten», ergänzte Schneider.

Die Industrie blickt sorgenvoll in die Zukunft. Zwei Entwicklungen bereiteten den Rückversicherern Kopfschmerzen. Einerseits litten sie unter den niedrigen Zinsen. Früher konnten sinkende Erträge im Kerngeschäft über hohe Kapitalrenditen aufgefangen werden. Heute gibt es diese Möglichkeit angesichts von niedrigen Renditen auf Obligationen mit guter Bonität nicht mehr.

Konkurrenz durch marktfremde Anbieter

Ausserdem buhlen mittlerweile auch branchenfremde Anbieter um Marktanteile. Hedgefonds, Pensionskassen und andere professionelle Anleger haben sich insbesondere im Nachgang zu Hurrikan Katrina etablieren können. Weil der Sturm historisch grosse Schäden angerichtet hatte, konnten die Rückversicherer hohe Preise durchsetzen. Angelockt von guten Renditemöglichkeiten drängten die neuen Anbieter in den Markt.

Anzeige

Die Konkurrenz durch Pensions- und Hedgefonds macht dem Rückversicherer Munich Re zu schaffen. «Wir leben in schwierigen Zeiten für Rückversicherer», sagte Schneider. Doch dem Konkurrenzdruck will man in München nicht nachgeben. «Wir gehen nicht jedes Risiko ein und wir verzichten bewusst auf Geschäft.»

Besser Zugang zu Infrastrukturinvestitionen gefordert

Zugleich sprach sich der Finanzvorstand dafür aus, dass der Versicherungsbranche ein besserer Zugang zu Infrastrukturinvestitionen ermöglicht wird. Nötig seien «faire und verlässliche Rahmenbedingungen», sagte Schneider.

2013 hatte der Münchener Konzern Bruttoprämien in Höhe von 51,1 Milliarden Euro und ein Konzernergebnis von 3,34 Milliarden erzielt. Der weltgrösste Rückversicherer hat das vergangene Jahr trotz Preiskampf und Zinstief überraschend mit mehr Gewinn abgeschlossen.

 (awp/ise)