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Munich Re will zurück zum alten Gewinnniveau

Der Rückversicherer Munich Re sucht ein Ausweg aus tiefen Renditen. (Bild: Keystone)

Der weltgrösste Rückversicherer Munich Re will nach den Katastrophen von 2011 in diesem Jahr zurück auf sein altes Gewinnniveau. Das Konzernergebnis soll sich mehr als verdreifachen und im kommenden J

Veröffentlicht am 13.03.2012

Höhere Preise und eine geschicktere Geldanlage: Der weltgrösste Rückversicherer Munich Re nimmt nach den Katastrophen von 2011 in diesem Jahr sein altes Gewinnniveau in Angriff. Das Konzernergebnis soll sich auf 2,5 Milliarden Euro mehr als verdreifachen und im kommenden Jahr weiter steigen.

Mit Investitionen in Maut-Autobahnen und Solaranlagen will der Vorstand das Zinstief an den Finanzmärkten abfedern. Fragezeichen bleiben dennoch: «Wir sind im fünften Jahr der Finanzkrise, und ein Ende ist noch nicht abzusehen», sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard am Dienstag bei der Bilanzvorlage in München. Ausserdem ist eine erneute Ballung von Katastrophen nicht ausgeschlossen. Die Munich-Re-Aktie legte zuletzt um knapp 3 Prozent zu und gehörte damit zu den stärksten Werten im Dax.

Teure Katastrophen

Im vergangenen Jahr verdiente die Munich Re infolge der Finanzkrise, der Erdbeben in Japan und Neuseeland sowie der Überschwemmungen in Thailand unter dem Strich lediglich 702 Millionen Euro. Alleine Naturkatastrophen kosteten das Unternehmen vor Steuern rund 4,5 Milliarden Euro. Zudem zogen Abschreibungen auf Aktien und Griechenland-Anleihen das Ergebnis nach unten. Trotzdem können die Aktionäre mit einer stabilen Dividende von 6,25 Euro je Aktie rechnen.

Zumindest die Belastungen durch die Griechenland-Krise sollen sich nicht wiederholen: Der beschlossene Schuldenschnitt ziehe 2012 bei der Munich Re «allenfalls noch relativ geringe Aufwendungen» nach sich, liess der Vorstand wissen. Von Bomhard äusserte sich zudem positiv zu dem Rettungsversuch für das hochverschuldete Land: «Ich glaube, dass Griechenland nach diesem Schritt eine Chance hat.» Die Ansteckungsgefahr für andere angeschlagene Euro-Staaten wie Portugal sei durch die Massnahmen nicht gebannt, aber doch deutlich verringert worden.

Lukrativere Anlageformen

Die mit der Rettung einhergehenden Niedrigzinsen an den Finanzmärkten machen es für die Versicherer allerdings zunehmend schwer, die versprochenen Renditen für ihre Lebensversicherungskunden zu erwirtschaften. Munich-Re-Finanzchef Jörg Schneider weicht deshalb verstärkt auf Unternehmensanleihen, Pfandbriefe und verbriefte Konsumenten- und Autokredite (Asset Backed Securities - ABS) aus, um höhere Renditen zu erwirtschaften. Für die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen gab es zuletzt nur noch Minizinsen.

Ausserdem hat die Munich Re die Bereiche Infrastruktur und Erneuerbare Energien als Investitionsziele ausgemacht. Mittelfristig will sie rund 1,5 Milliarden Euro in Transport, Versorger, Entsorger und Kommunikation stecken. In Erneuerbare Energien hat die Munich Re bereits eine halbe Milliarde Euro investiert, weitere zwei Milliarden stehen bereit. Schneider forderte allerdings, dass die Versicherer solche Investitionen nicht wie bisher vorgesehen mit genauso viel Eigenkapital unterlegen müssen wie Anlagen in Aktien. Dies sei der Stabilität nicht angemessen.

Dabei dürften der Konzern von den lukrativeren Anlagen in diesem Jahr noch nicht allzu stark profitieren. Der Vorstand erwartet, dass die gesamten Kapitalanlagen von zuletzt 207 Milliarden Euro, davon der Löwenanteil festverzinsliche Papiere, 2012 lediglich eine Rendite von 3,5 Prozent abwerfen. Dies wäre nur wenig mehr als die 3,4 Prozent aus dem vergangenen Jahr.

Mehr verdienen in der Rückversicherung

Bei Versicherung gegen Naturkastrophen zeigte sich der Vorstand nun optimistisch. Nach den teuren Erdbeben, Stürmen und Fluten von 2011 sollen höhere Preise dafür sorgen, dass künftig mehr Geld bei den Münchnern hängen bleibt. In Japan erwartet Rückversicherungsvorstand Torsten Jeworrek Preiserhöhungen von 50 Prozent. Insgesamt hat die Munich Re für die Folgen von Naturkatastrophen in diesem Jahr insgesamt 1,3 Milliarden Euro eingeplant. Dies ist weniger als ein Drittel der Summe, die sie 2011 dafür ausgeben musste.

Bei der Erstversicherungstochter Ergo ist die Munich Re vergleichsweise bescheiden geworden. Die ehrgeizigen Gewinnpläne von vor einigen Jahren hat sie längst gekappt. Im laufenden Jahr soll der Überschuss von 349 auf rund 400 Millionen Euro steigen. 2011 konnte die Ergo ihren Gewinn trotz zahlreicher Sondereffekte fast stabil halten. Die Negativschlagzeilen durch eine Lustreise von Ergo-Vertretern nach Budapest schlugen sich im Ergebnis zumindest nicht erkennbar nieder. «Natürlich ist ein erheblicher Imageschaden entstanden», sagte Ergo-Chef Torsten Oletzky. Dieser lasse sich nur nicht vernünftig beziffern.

(chb/laf/awp)

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