Medienmogul Rupert Murdoch verabschiedet sich von seinem Übernahmegebot für die britische Senderkette British Sky Broadcasting (BSkyB). Die Offerte für die 61 Prozent der Aktien, die der Murdoch-Konzern News Corp. noch nicht besitzt, werde zurückgezogen, teilte News Corp. mit.

Damit reagierte Murdoch auf eine Forderung der britischen Politik. Alle Parteien im Parlament hatten heute auf Antrag der Labour-Opposition Murdoch aufgefordert, diesen Schritt zu tun. Premierminister David Cameron verlangte von Murdoch, zunächst einmal die Probleme in seinem Unternehmen zu lösen, bevor er eine neue Investition tätigt. Für Murdoch platzt damit ein Milliardendeal.

Den 39-Prozent-Anteil an BSkyB, der News Corp. bereits gehört, will der australisch-amerikanische Medienmogul jedoch behalten. Die Downing Street begrüsste den Schritt Murdochs umgehend.

«Schändliche» Praktiken

Cameron verlangte heute im Parlament ausserdem juristische Konsequenzen für die Verantwortlichen des Abhörskandals. Diejenigen, die für die «schändlichen» Praktiken verantwortlich seien, sollten strafrechtlich verfolgt werden, sagte Cameron. Er rief zudem Murdochs Unternehmen zu einer vollständigen Aufarbeitung der Anschuldigungen auf.

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Cameron legte Details zu einem richterlichen Untersuchungsausschuss dar. Dieser soll sich parallel zu den Polizeiermittlungen mit der Affäre um abgehörte Telefone von Promis und Privatleuten befassen. Er soll Journalisten, Politiker, Polizisten und andere Beteiligte vorladen können, um unter Eid auszusagen.

Untersucht werden sollen auch die Bestechungszahlungen an die Polizei. Der Premier verteidigte sich erneut dagegen, dass er den früheren Chefredakteur des Murdoch-Blattes «News of the World», Andy Coulson, zu seinem Berater gemacht hatte.

Er habe dies nur getan, weil Coulson ihm versichert habe, in keinerlei kriminelle Aktivitäten verwickelt gewesen zu sein. Wenn sich herausstelle, dass er gelogen habe, müsse er bestraft werden.

(tno/laf/awp/sda)