Als Zeichen für die anhaltende Spannung zwischen der Musikindustrie und Apple Inc. überlegt die zu der in Paris ansässigen Vivendi SA gehörende Universal Music Group, dem in Cupertino, Kalifornien, ansässigen Unternehmen mitzuteilen, dass sie den langfristigen Vertrag, Downloads von digitaler Musik über den zunehmend mächtigen iTunes Store zu verkaufen, nicht verlängert, so eine mit den Vorgängen vertraute Person.

So ein Schritt hätte zwar nicht zur Folge, dass Universal ihren riesigen Musikkatalog in der nächsten Zukunft von iTunes zurückzieht. Universal, nach Marktanteil das weltgrösste Musikunternehmen, hofft aber auf den Abschluss eines kurz laufenden Kaufvertrags.

Mehr Verhandlungsspielraum

Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass sich sofort weitreichende Auswirkungen zeigen, könnte Universal aufgrund so einer Veränderung mehr Flexibilität bei Verhandlungen mit Konkurrenten von iTunes gewinnen. Zum Beispiel könnte das Unternehmen leichter die Gangart wechseln und exklusive Rechte an Teilen seines Katalogs anderen digitalen Download-Anbietern offerieren. Eine Apple-Sprecherin sagte, dass das Unternehmen «Gerüchte und Spekulationen» grundsätzlich nicht kommentiere.
Universals Schritt kommt zum Zeitpunkt eines signifikanten Wandels in der Art, wie Musik verkauft wird. Traditionelle Händler bleiben auf der Strecke, und die grossen Musiklabel verzeichnen immer weiter fallende Verkaufszahlen. Währenddessen hat Apple immer mehr Einfluss beim Verkauf von Musik gewonnen und ist hinter Wal-Mart Stores Inc. und Best Buy Co. die Nummer drei beim Verkauf von Musik an den Endkunden. Apples Marktmacht hat die Executives von Plattenlabels zunehmend beunruhigt, da es
das Unternehmen generell abgelehnt hat, den Wünschen der Labels nach Flexibilität zum Beispiel bei der Preisbildung nachzukommen.
Apple und die vier grossen Plattenfirmen liegen praktisch seit der Markteinführung des iTunes Store im Jahr 2003 bei zwei entscheidenden Punkten im Clinch: Die Preisbildung und das Fehlen einer sogenannten Interoperabilität zwischen Downloads, die von iTunes-Konkurrenten verkauft werden, und Apples beliebten iPod. Apple bestand von Anfang an darauf, alle Downloads für 99 Cent pro Musikstück zu verkaufen. Plattenfirmen wollten einige für mehr verkaufen, andere für weniger. In einem Versuch, diese auswegslose Situation zu umgehen, erzielte EMI Group PLC, die Nummer drei der weltweiten Musikunternehmen, kürzlich eine Übereinkunft mit Apple und anderen Verkäufern digitaler Musik, Downloads für 1. 30 Dollar zu verkaufen. Bisher ist keiner der Mitwettbewerber von EMI diesem Beispiel gefolgt.
Ein anderes Beispiel für die Spannungen zwischen Apple und der Musikindustrie ist, dass Apple derzeit kein drahtloses Herunterladen auf sein neues iPhone oder andere Mobilgeräte anbietet. Zurzeit kann das iPhone nur Musik speichern, die über eine physikalische Verbindung geladen wird. Als Jobs kürzlich in einem Interview zu so einem Service befragt wurde, sagte er: «Da gibt es eine Menge Dinge, die man sich für die Zukunft vorstellen kann.»
Musikunternehmen sehen generell im Mobile-Markt die nächste Grenze und sie würden es ungern sehen, wenn Apple diesen Markt genauso dominieren würde wie den der digitalen Downloads.