Die Floskel «fluent english required» ist in den letzten Jahren in vielen Stelleninseraten zum Standard geworden. Etliche Schweizer Unternehmen gestalten bestimmte Inserate in den Medien oder im Internet, mit denen sie auch international auf die Suche gehen, ausschliesslich in Englisch. Immer häufiger wird verhandlungssicheres Englisch für Führungskräfte verlangt.

Um seine Sprachkenntnisse zu optimieren und mit einem anerkannten Diplom abzuschliessen, bieten Sprachreisen-Anbieter eine Palette von Möglichkeiten im Ausland - auch für Absolventen kann sich ein solcher Aufenthalt nach dem Studienabschluss und vor dem Berufseinstieg lohnen. Aber auch während der Karriere kann es eine Sprachreise bringen, zum Teil vom Arbeitgeber finanziert.

Zehnmal intensiver lernen

Warum sind Kurse im Ausland so effizient? Während man mit einem Freizeitangebot selten auf mehr als zwei bis drei Lektionen pro Woche kommt, ist es bei einem Sprachaufenthalt in der Regel das Zehnfache oder mehr. Dort hat der Teilnehmer schon in wenigen Wochen dasselbe Pensum an Lektionen absolviert, für die er im heimischen Klassenzimmer ein ganzes Jahr brauchen würde. Noch nicht mitgerechnet sind all die Konversationen, Gespräche beim Sport in der Freizeit, bei kulturellen Begegnungen, im Hotel oder mit der Gastfamilie.

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Spanisch ist im Vormarsch

Immer beliebter werden kombinierte Sprachaufenthalte, wo man Lernen mit Tauchen, Golfspielen oder Entdeckungsreisen verbinden kann. So hat sich auch die Karriere von Claudio Ceserano entwickelt, der heute als Managing Director von Globo-Study Sprachreisen in Zürich der beste Beweis dafür ist, was man mit Fremdsprachen erreichen kann. Vor Jahren entschloss er sich zu einem drei-monatigen Examenskurs in Sydney Manly Beach, um danach während drei Monaten Down Under auf eigene Faust zu entdecken. «Fern der Heimat erworbene Sprachen steigern die Toleranz, Flexibilität sowie Durchsetzungskraft. Man kann Beziehungsnetze knüpfen, ein Plus für die Arbeit im globalen Dorf», sagt Ceserano.

Englisch hält nach wie vor den Spitzenplatz bei der Nachfrage, betont er. Im Vormarsch sei jedoch Spanisch, das sich in den nächsten Jahren zur zweiten Weltsprache mausern könnte. Französisch ist weiter wichtig, schliesslich möchten Geschäftsleute in Genf und Paris sich in ihrer Muttersprache unterhalten. Ein weiterer Trend: Die Nachfrage nach Russisch sowie Mandarin (Chinesisch) steigt.

Der Chef von Globo-Study Sprachreisen klärt die Interessenten nicht nur über Inhalte und Form der Kurse auf, er gibt weitere wichtige Hinweise: Bei privaten Unterkünften in Russland in Familien muss der Gast mit einem sehr tiefen Lebensstandard rechnen. In China dürfen westliche Studenten teils gar nicht in Gastfamilien untergebracht werden.

An Duri Bardola, Direktor von Dr. Steinfels Sprachreisen, wenden sich in erster Linie Unternehmen, die international tätig sind. Ob derzeit ein Einbruch im Sprachreisen-Segment festzustellen ist? Er führt aus: «Unsere langjährige Erfahrung hat gezeigt, dass in Zeiten des Wirtschaftsbooms die Unternehmen eher bereit sind, Sprachreisen teilweise oder ganz zu finanzieren. Bei Wirtschaftsflauten, wie wir sie gerade jetzt erleben, stellen wir eine Zurückhaltung der Firmen bei der Mitfinanzierung fest.» Dies sei in Zeiten der Rezession, wo Unternehmen sehr viele Stellenbewerbungen von Leuten mit sehr guten Sprachkenntnissen erhalten, auch logisch.

Auch während der Karriere

Nicht nur bei Grossbanken ist nach wie vor Englisch die wichtigste Geschäftssprache, gefolgt von Deutsch, Französisch und Italienisch innerhalb der Schweiz. «In den jeweiligen Märkten wie China, Japan, Russland kommunizieren wir dazu in den Landessprachen», erfährt man von Priska Werder, Head External Education Switzerland der Credit Suisse. Das Finanzinstitut unterstützt die Anfragen finanziell ganz oder teilweise, doch sei das betriebliche Bedürfnis entscheidend und liege im Ermessenspielraum der Vorgesetzten. Das Budget für Sprachkurse liegt bei der Linie, bei externen Weiterbildungsprogrammen oder Auslandsaufenthalten entscheiden die direkten Vorgesetzten, ergänzt Priska Werder.

Die stärkste Nachfrage stellt Bardola von Dr. Steinfels Sprachreisen ebenso bei Englisch, Chinesisch und Russisch fest, jedoch verstärkt auch bei Japanisch.