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Massnahme
Nach Betrugsskandal: Chat-Verbot für Investmentbanker

JP Morgan, UBS und Credit Suisse: Die Finanzindustrie reagiert auf die Manipulationsskandale. (Bild: Keystone)

Vorsicht ist besser als Nachsicht: Nach den Manipulationsskandalen hat jetzt die US-Bank JP Morgan ihren Händlern die Nutzung von Chatrooms untersagt. In der Schweiz hat man bereits gehandelt.

Veröffentlicht am 17.12.2013

Mit JP Morgan Chase verbietet nach Angaben eines Insiders nun auch die grösste US-Bank ihren Händlern in Folge der Manipulationsskandale die Nutzung von Chatrooms. Die Angestellten dürfen die virtuellen Treffpunkte auch nicht mehr für soziale Zwecke nutzen, erklärte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Das Verbot betreffe Chatrooms mit mehr als zwei Teilnehmern und werde noch in dieser Woche in Kraft treten. Der bilaterale Austausch zwischen JP-Morgan-Händlern mit Kollegen anderer Banken werde ebenfalls überprüft, hiess es weiter. JP Morgan lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Mit dieser Massnahme steht die US-Bank nicht alleine: Andere Institute unternahmen zuletzt ähnliche Schritte. So verbot die Schweizer Grossbank UBS Händlern und Mitarbeitern im Investmentbanking die Nutzung von Interbanken- und sozialen Chatrooms – ebenso die Deutsche Bank, die global führende Investmentbank Citi und das britische Geldhaus Barclays. Andernorts steht die Massnahme auf dem Prüfstand: Die Credit Suisse nahm heute auf Nachfrage von handelszeitung.ch zu dem Thema nicht Stellung. 

Branchenaufseher durchforsten Chatrooms

Die Internet-Plattformen stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen von Aufsichtsbehörden, die weltweit dem Verdacht von Manipulationen wichtiger Indizes und Referenzkurse durch eine Vielzahl von Banken nachgehen. Die Branchenaufseher durchforsten Tausende dieser Kurz-Botschaften, um Hinweise zu erhalten, ob sich Händler unerlaubt über Kurse ausgetauscht haben. Auf diese Weise waren sie schon Ungereimtheiten bei der Ermittlung des Libor- und Euribor-Interbankenzinssatzes auf die Spur gekommen. Allein der Libor-Skandal hat die Branche bereits Milliarden von Dollar an Strafzahlungen gekostet.

Das Verbot der Chatrooms bei JP Morgan habe jedoch nicht direkt mit den Ermittlungen der Behörden wegen des Verdachts von Devisen-Manipulationen zu tun, erklärte der Insider. Vielmehr werde die Nutzung bereits seit Anfang des Jahres überprüft und nicht erst seit Beginn der Ermittlungen im Juni. «Hier ging es immer um mehr als um Devisen», sagte der Insider. Die informelle Atmosphäre der Chatrooms erhöhe ganz allgemein die Gefahr, dass sich Angestellte «unpassend» äussern.

(reuters/moh/chb)

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