Die neusten Anklagen der US-Justiz gegen Mitarbeiter der Credit Suisse scheinen auch andere Schweizer Finanzinstitute nervös zu machen. Wie die Zeitungen «Der Sonntag» und «Sonntagszeitung» berichteten, untersagen die Banken Sarasin und Julius Bär ihren Mitarbeitern deshalb nun Reise in die Vereinigten Staaten.

«Seit zwei Wochen gilt eine Genehmigungspflicht für alle Privat- und Geschäftsreise nach den USA», zitiert die Zeitung Sarasin-Sprecher Benedikt Gratzl. Nur Bankchef Joachim Strähle und Finanzchef Thomas Müller dürften in Ausnahmefälle eine Bewilligung erteilen.

«Damit sollen die Bank und ihre Mitarbeiter vor Ermittlungen und Verhaftungen geschützt werden», so Gratzl. Es gebe keine Ermittlungen gegen die Bank oder Mitarbeiter, Grund seien die jüngsten Enticklungen in den USA, besonders im Fall Credit Suisse.

Die Bank Julius Bär wollte sich nicht äussern. «Der Sonntag» schreibt jedoch unter Berufung auf eine gut unterrichtete Quelle, dass seit kurzem ein absolutes Verbot von Privatreisen in die USA gelte. Die «Sonntagszeitung» berichtet von einem Julius-Bär-Mitarbeiter des mittleren Kaders, der seine US-Reise auf Drängen des Arbeitgebers kurzfristig absagen musste.

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«Das ist Wirtschaftskrieg»

Am Freitag war bekannt geworden, dass die US-Justiz bei ihrer Jagd auf Steuersünder weitere Bankmanager aus der Schweiz angeklagt hat. Drei der Beschuldigten, die bei einem internationalen Institut mit Sitz in Zürich höhere Posten innehatten, sowie einem weiteren Geldmanager wird vorgeworfen, US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Die Credit Suisse bestätigte auf Anfrage, dass unter den Angeklagten auch Mitarbeiter des Konzerns seien.

So manchem Schweizer Politiker gefällt das aktuelle Gebaren der US-Steuerfahnder gar nicht. «Das ist Wirtschaftskrieg, Imperialismus pur», zitiert die «NZZ am Sonntag» den FDP-Wirtschaftpolitiker Ruedi Noser. «Wenn die USA so auftreten, muss die Schweiz die Verhandlungen mit den USA für eine politische Lösung abbrechen.»

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CVP, Pirmin Bischof, meint zwar, dass die Banken für ihr Verhalten in der Vergangenheit geradestehen müssen. Doch sieht er das US-Engagement der Institute auch kritisch. «Die Banken riskieren in den USA ihre Ruf und viel Geld», so Bischof in der «NZZ am Sonntag». «Vorab die grossen Banken sollen prüfen, ob sich das US-Geschäft für sie langfristig überhaupt lohnt.»

(tno)