Wer noch nie eine Silbermedaille gewonnen hat, kann nicht ermessen, wie viel Bitterkeit sie auslöst.» Diese Erkenntnis stammt vom österreichischen Slalom-Ski-As Matthias Leitner. Sein Landsmann Ernst Hinterseer hatte ihm 1960 olympisches Gold in Squaw Valley vor der Nase weggeschnappt. Solche Gedanken werden manche Sportler auch 2010 wieder umtreiben, wenn die Olympischen Winterspiele in Vancouver über die Bühne gehen. Bis dahin müssen sich die Athleten freilich erst noch für ihre Teilnahme qualifizieren.

Derartige Sorgen plagen Omega nicht. Die Schweizer Uhren-Traditionsmarke ist schon jetzt definitiv für Kanada gelistet. Das Gleiche gilt für die Olympischen Sommerspiele 2012 in London.

Der Grund: Omega kämpft zwar nicht um die Medaillenplätze, sondern kümmert sich um die Messung jener Sekundenbruchteile, welche die Aktiven am Ende eines Rennens zu trennen pflegen. Das hat die traditionsreiche Uhrenmanufaktur im Sommer 2008 auch in Peking getan. Und zwar bei den Olympischen Spielen selbst und auch bei den anschliessenden Paralympics. Damit wachten die Bieler bereits zum 23. Mal über die kostbare Zeit. Insgesamt 420 t Technik hatten sie zu den insgesamt 37 Austragungsorten in und um Peking verfrachtet. Neben der eigentlichen Zeitnahmegerätschaft gehörten zudem 70 öffentliche und 322 sportartspezifische Anzeigetafeln, 175 km Kabel und Glasfaserleitungen sowie 65 TV-Generatoren zum Mega-Equipment. Die nötigen Zeitnahme- und Anzeigesysteme hatten gut 70 einschlägig erfahrene Experten der Swatch- Group-Tochter Swiss Timing entwickelt. Rund 500 Mitarbeiter brauchte es zum Handling vor Ort.

Der Schluss, dass sich die Swatch Group und Omega dieses olympische Zeitengagement weit mehr als 30 Mio Fr. kosten lassen, ist also nicht von der Hand zu weisen. Konkrete Angaben möchte aber niemand machen.

Weil für Omega nach Olympia auf jeden Fall auch vor Olympia ist, stellt sich die Frage nach der Effizienz des aufgewendeten Kapitals. Die beantwortet Omega-Chef Steve Urquhart absolut positiv. «Unser oberstes Ziel bestand darin, als offizieller Zeitnehmer das Olympische Komitee, die örtlichen Organisatoren und die partizipierenden Athleten mit optimaler Zeitnahme, bestmöglicher Darstellung und Verbreitung der Daten zufrieden zu stellen. Das ist gelungen, wie uns von vielen Seiten bestätigt wurde. Darüber hinaus wollten wir die chinesischen Gastgeber dabei unterstützen, die besten Olympischen Spiele aller Zeiten für Sportler aus 205 Nationen abzuhalten. Dagegen, dass auch dieses Ziel erreicht wurde, werden sich ebenfalls kaum Argumente finden.»

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Handfeste Interessen

Klar, Omega und Mutter Swatch Group schultern den gewaltigen Aufwand nicht allein aus purer Nächstenliebe und Sympathie für den olympischen Gedanken. Am Ende zählt der wirtschaftliche Erfolg des Unterfangens. Der lässt sich auf unterschiedliche Weise messen. Zum einen zählt die öffentliche Präsenz der Marke vor Ort, auf den Fernsehschirmen rund um den Globus und in den sonstigen internationalen Medien. Hier zeigte sich Urquhart ebenfalls sehr zufrieden. «Die Olympischen Spiele sind der grösste und am meisten beachtete Sportevent der Erde. Die Zuschauerzahl ist gewaltig. Omega war bei allen Sportarten dabei. Alle 302 Medaillenverleihungen waren irgendwie mit Omega verknüpft. Somit steht ausser Zweifel, dass die Wahrnehmung unserer Marke und unsere Visibilität ungemein von den Spielen profitierten.» Nach Aussagen von Urquhart erfreute sich Omega in China und in den USA einer besonders positiven Wahrnehmung.

Auf einem ganz anderen Blatt Papier steht ein relativ unmittelbarer Return on Invest durch den Verkauf olympiaspezifischer Uhren. Hier wartete Omega mit einer ganzen Palette ereignisbezogener Zeitmesser auf, die teils bereits im Vorfeld, teils auch während der Grossveranstaltung in Peking angeboten wurden. «Unsere Olympia-Kollektion wurde alles in allem sehr gut angenommen», betont Urquhart. «Besonders die jeweils 88 Seamaster XXIX für jeden der 17 Wettkampftage erfreuten sich eines riesigen Erfolgs. Nicht zu vergessen unsere einzigartige Nummer-8-Kollektion. Sie umfasste jeweils die Nummer 8 aller unserer 32 olympiabezogenen Uhren und dazu drei olympische Schleppzeiger-Taschenchronographen aus dem Jahr 1932, ebenfalls mit der Nummer 8. Diese Uhrensammlung wurde in Kooperation mit Sotheby’s für 1,2 Mio Dollar zugunsten einer Stiftung zur Förderung der Ausbildung chinesischer Athleten versteigert. Das eingenommene Geld wird nun dazu verwendet, in der Erdbebenregion um Sezuan einen Allwettersportplatz für junge Menschen zu errichten.»

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Nicht allein die Sommerspiele

Für Omega waren freilich nicht nur die Olympischen Spiele dieses Jahres von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. «Für uns war 2008 bisher insgesamt ein geschäftiges und erfreuliches Jahr. Neben den Spielen setzten wir unser Sponsoring des European Golf-Masters in Crans-Montana fort. Und Ende November steht in China der Golf-Weltcup in Mission Hills an, wo wir ebenfalls stark engagiert sind.»

Damit ist Urquhart allerdings noch nicht am Ende. «Der neue James-Bond-Film kam Anfang November heraus. Wir verwenden grosse Anstrengungen auf die beiden Uhren, die sehr eng mit diesem Streifen verknüpft sind.» Selbstverständlich war Urquhart bei der Londoner Weltpremiere von «Ein Quantum Trost» mit von der Partie. Bei dieser Gelegenheit konnte er sich auch von den beachtlichen Bauaktivitäten mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele 2012 überzeugen. Bis dahin wird allerdings noch einiges Wasser die Themse hinabfliessen. Schon jetzt arbeiten Swiss Timing und Omega sehr eng mit den internationalen Verbänden der olympischen Sportarten zusammen. Urquhart: «Wir müssen unsere Zeitnahme-gerätschaft den sich verändernden Reglementen anpassen. Denn wir wollen in London selbstverständlich mit optimiertem Equipment aufwarten.»

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