Seit Juni rollen die ersten Fernbusse zwischen Schweizer Städten. Die Auslastung ist vielerorts bescheiden. Fast jeder journalistische Selbstversuch endete mit der Erkenntnis, dass das Angebot kaum genutzt wird.

Eurobus-Projektleiter Roger Müri denkt aber in keinster Weise an ein Aufgeben des Pionierprojekts. Ganz im Gegenteil. Er schraubt am Netz, an der Flotte und am Verpflegungsangebot. Die Strecke von Zürich nach Chur etwa will er aufgeben. Ein entsprechender Antrag zur Anpassung der Konzession ist beim BAV deponiert, wie Müri bestätigt. «Es handelt sich um eine von mehreren Anpassungen am Streckennetz, die noch dieses Jahr umgesetzt werden sollen», sagt der 34-Jährige.

Tickets via SBB-App

Andernorts möchte Müri die Reisezeiten verkürzen und attraktivere Abfahrtszeiten anbieten. Haltestellen, die wenig frequentiert sind, werden gestrichen. Nachtangebote zwischen den Städten sollen angeboten werden. «Zudem wollen wir Luzern und Zürich direkt anfahren und auch zwischen Bern und Zürich attraktivere Verbindungen schaffen.»

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Spätestens ab Anfang Dezember werden neue Doppelstockbusse eingesetzt. Sie sind zum ersten Mal mit Rollstuhltoiletten ausgestattet. An Bord soll es Snacks aus dem Automaten geben, Tickets via SBB-App. «Nur die Platzreservierung, zu der wir verpflichtet sind, werden wir weiterhin über unser eigenes System machen müssen», so Müri.

«Fernbusse sind kein Flop»

Ist die Neuausrichtung ein Eingeständnis, dass Busse in der Schweiz nicht funktionieren? Müri gibt zu: gewisse Strecken sind «tatsächlich schwach ausgelastet». Dazu gehören: Die Teilstrecken Chur – Zürich und Montreux – Sion. «Die Fernbusse sind aber kein Flop», so der Jungmanager. «Andere Verbindungen funktionieren sehr gut.»

Eurobus habe von Anfang an gewusst, dass es in diesem neuen Markt sehr schwierig ist, vorherzusagen, was funktioniere und was nicht. «Im Gesamten entsprechen die Fahrgastzahlen unseren Erwartungen und wir erkennen auch ein erfreuliches Wachstum.» Grundsätzlich könne man sagen, dass die Verbindungen zwischen den Zentren und zwischen Ortschaften mit gut gelegenen Haltestellen am besten funktionieren. Beispielsweise zwischen Genf und Lausanne.

A bus driver drives a travel coach of the company "Domo Reisen" through a tunnel en route between Spain and St. Gallen, photographed on November 1, 2017 in Bern, Switzerland. (KEYSTONE/Gaetan Bally)Ein Busfahrer faehrt einen Reisebus der Firma «Domo Reisen» durch einen Tunnel auf der Strecke zwischen Spanien und St. Gallen, aufgenommen am 1. November 2017 in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Eurobus: 36 Haltestellen hat das aktuelle Schweizer Netz, sie verteilen sich auf drei Linien.

Quelle: © KEYSTONE / GAETAN BALLY