Unterm Strich verlor Facebook 157 Millionen Dollar, wie das Unternehmen mitteilte. Auch der enge Spiele-Partner Zynga hatte am Vortag einen Verlust vermeldet und damit böse Vorahnungen geweckt. Im Vorjahreszeitraum hatte Facebook noch 240 Millionen Dollar verdient.

«Es gibt viele Herausforderungen, aber wir gehen sie an», erklärte Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Sein Auftritt war keineswegs sicher, hatte er sich doch nach dem gefloppten Börsengang im Mai rar gemacht.

Doch seine Zuversichtsbekundungen halfen nichts: Die ohnehin gebeutelte Aktie brach nachbörslich um mehr als 11 Prozent auf rund 24 Dollar ein. Das ist ein neues Allzeittief.

Neuaktionäre hatten beim Börsengang 38 Dollar je Anteilsschein gezahlt. «Wir sind enttäuscht darüber, wie sich der Aktienkurs entwickelt hat», räumte Finanzchef David Ebersman ein. «Aber wir sind das gleiche Unternehmen wie zuvor.» Anders als von manchen Investoren erhofft, gab Facebook keinen Ausblick für das laufende Quartal.

Mitarbeiter profitieren von Börsengang

Vor allem Rücklagen für Aktienoptionen der Mitarbeiter und dafür fällige Steuern rissen ein dickes Loch in die Bilanz. Diese waren durch den Börsengang fällig geworden. Zudem machte sich bemerkbar, dass Facebook stark in Produkte, Technik und Marketing investiert, um neue Nutzer und neue Werbekunden zu gewinnen. Die Investitionen verdreifachten sich.

Immerhin hielt der Zustrom bei den Mitgliedern an: Ende Juni hatte Facebook 955 Millionen monatliche Nutzer nach 901 Millionen Ende März. Vor einem Jahr waren es erst 739 Millionen. Manche Analysten störten sich allerdings daran, dass die Zahl der täglichen und damit besonders wertvollen Nutzer zuletzt im geringeren Masse auf 552 Millionen zulegte.

Die wichtigen Werbeeinnahmen stiegen um 28 Prozent auf 992 Millionen Dollar. Insgesamt kam Facebook auf einen Umsatz von 1,18 Milliarden Dollar und damit 32 Prozent mehr als vor einem Jahr. «Wir sind gut aufgestellt beim Buhlen um Werbegelder», sagte die fürs Tagesgeschäft zuständige Managerin Sheryl Sandberg. Sie zitierte Studien, dass sich Werbung auf Facebook besonders gut einpräge.

Zuckerberg sieht Smartphones als Chance

Im Vorfeld des Börsengangs waren Zweifel daran laut geworden, dass Facebook seine riesige Fangemeinde in Einnahmen ummünzen kann. Vor allem die steigende Beliebtheit von Smartphones hatte sich als Problem herausgestellt - auf den kleinen Bildschirmen lässt sich kaum Werbung unterbringen.

«Die mobile Nutzung ist eine grosse Chance für Facebook», sagte indes Zuckerberg. «Die Leute nutzen Facebook stärker, wenn sie ein Smartphone haben.» Mittlerweile nutzen 543 Millionen Nutzer die Facebook-Apps auf ihren Handys.

Die Kasse von Facebook ist mit 10,2 Mrd. Dollar prall gefüllt - alleine 6,8 Milliarden Dollar davon stammen aus dem Börsengang. Die Zahl der Mitarbeiter stieg binnen eines Jahres von knapp 2700 auf annähernd 4000.

(tno/awp)

 
 
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