Nach der EU-Kommission wollen auch die US-Wettbewerbshüter die milliardenschwere Übernahme der Energiesparte des französischen Konzerns Alstom durch den US-Rivalen General Electric (GE) genehmigen. Allerdings fordern die US-Kartellwächter ebenfalls Zugeständnisse, wie aus einer Mitteilung des Justizministeriums vom Dienstag hervorgeht.

Um den 13,8 Milliarden US-Dollar (12,4 Milliarden Euro) teuren Zukauf abzuschliessen, muss GE einen wichtigen Geschäftsbereich von Alstom verkaufen, damit die Marktmacht nicht zu gross wird. In den USA handelt es sich zunächst jedoch nur um einen Vorschlag der Kartellbehörde, dem das zuständige Gericht noch zustimmen muss.

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Glücklicher GE-Boss

«Die heutigen Entscheidungen der EU-Kommission und des US-Justizministeriums sind wichtige Meilensteine, um den Deal im vierten Quartal abzuschliessen», kommentierte GE-Chef Jeff Immelt. GE befindet sich in einem grossen Konzernumbau und will sich künftig nur noch auf das industrielle Kerngeschäft konzentrieren.

In Europa trennt sich GE von Kernelementen der Alstom-Gasturbinensparte. Die EU-Behörde hatte Bedenken, weil GE mit der Übernahme einen seiner wichtigsten internationalen Wettbewerber verliert. GE ist der weltweit grösste Hersteller von Hochleistungsgasturbinen, die in Gaskraftwerken eingesetzt werden. Alstom ist nach EU-Angaben der dritt- oder viertgrösste. Daneben gibt es als Konkurrenten noch Siemens und Mitsubishi Hitachi Power Systems (MHPS) sowie als kleineren Wettbewerber Ansaldo.

Alstom-Teile nach Italien

Käufer der Alstom-Gasturbinensparte ist nun das italienische Unternehmen Ansaldo. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte dazu: «Ansaldo wird in der Lage sein, die Rolle von Alstom im Markt zu übernehmen.»

Die Auflagen bei Hochleistungs-Gasturbinen würden dafür sorgen, «dass Unternehmen und Verbraucher in Europa weiterhin von dieser innovativen Technologie und dem Know-how profitieren können.» Diese Technologie sei unentbehrlich, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Sorge um Standort Schweiz

Bei den anderen Geschäftsbereichen wie Stromerzeugung aus Wärmekraft, Energieübertragung und erneuerbare Energien hatte die EU-Kommission keine Einwände, weil sich die Tätigkeiten der beiden Unternehmen dabei ergänzten, aber nicht überschnitten.

Für den Schweizer Alstom-Standort sind das keine guten Nachrichten: Gewerkschaften fürchten, dass das Business teilweise nach Genua verlagert werden wird, wie die «Handelszeitung» Mitte August publik gemacht hat. Dem Vernehmen nach sei mit einem Stellenabbau von bis zu 10 Prozent zu rechnen. Das sind 600 Jobs.

(awp/ise)