Über Jahre nutzten Ausländer die Schweizer Gesetze zum Schutz ihres Vermögens. Das Bankgeheimnis sorgte dafür, dass fremde Staaten nicht an Vermögenswerte kamen, die hierzulande parkiert waren. Tempi passati. In einem anderen Bereich aber, schützen Schweizer Gesetze Ausländer weiter vor dem Zugriff des eigenen Staates.

Nur versteckt man kein Geld mehr in der Schweiz, sondern Daten. Die Enthüllungen von Edward Snowden über die gross angelegte Internet-Spionage des US-Geheimdienstes NSA geben den Anbietern solcher Dienstleistungen Auftrieb.

Aufpreis für Schweizer Sicherheit

David Baron ist einer, der vom vergleichsweise guten Datenschutz hierzulande profitiert. Mit seinem Unternehmen Privacy Abroad bietet er amerikanischen Kunden einen verschlüsselten Email-Service, ein virtuelles Netzwerk (VPN) und einen Datenspeicher-Dienst an. Schon im September soll ausserdem ein Verschlüsselungsangebot für Mobiltelefone dazukommen, schreibt «Forbes». Mit einem Netzwerk von 300 Teilzeitverkäufern in den USA vertreibt der Amerikaner Baron die Services.

Barons Angebot ist vergleichsweise teuer. Für die verschlüsselten Emails bezahlen die Nutzer 92 Dollar pro Jahr. Der Amerikaner erhofft sich eine höhere Zahlungsbereitschaft von Kunden, die ihre Daten in der Schweiz ausserhalb der Reichweite der US-Geheimdienste wähnen. Alle Angebote von Privacy Abroad werden von der Schweiz aus betrieben. Zur Verfügung gestellt werden sie nicht von Privacy Abroad selbst, sondern im Fall des Email-Service von iWay. Ein lokales Unternehmen namens Globe X stellt den Datenspeicher.

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Snowdens Email-Dienst abgestellt

Die Suche nach sicheren Anbietern und die höhere Zahlungsbereitschaft sind verständlich: In jüngster Vergangenheit stoppten zwei US-amerikanischen Anbieter verschlüsselter Email-Dienste ihr Angebot. Lavabit, ein Gratisdienst für verschlüsselte Emails, wurde auch von Edward Snowden genutzt, wie die «Washington Times» schreibt. Diesen Monat stellte der Dienst plötzlich seinen Service ein - Ladar Levinson, Eigentümer von Lavabit, schrieb auf der Website, er dürfe die Gründe für die Einstellung nicht nennen.

Kurz nach Lavabit drehte auch Silent Circle den Nutzern seines Email-Dienstes den Saft ab - ohne Vorwarnung. Das wäre eine Einladung an die Behörden gewesen, sofort rechtliche Schritte einzuleiten, zitiert die «Washington Times» Unternehmenschef Mike Janke. Damit wären die Kundendaten auf den Servern von Silent Circle nicht mehr sicher gewesen - Verschlüsselung hin oder her.

Keine absolute Sicherheit

Auch Silent Circle verliess sich auf die Sicherheit in der Schweiz: Die Server des Unternehmens waren neben Kanada auch hierzulande stationiert. Die Ansicht von Mike Janke sollte den Kunden von Schweizer Anbietern wie Privacy Abroad jedoch zu denken geben: Die Geheimdienste seien so mächtig und miteinander vernetzt, sagt der Chef von Silent Circle, dass auch ein Standort ausserhalb der USA keinen Schutz biete.

(jev/se)