Der SBB-Unfall im Waadtland, bei dem Anfang Woche ein Lokführer starb, wirft Fragen nach der Bahnsicherheit auf. Die Zugsicherung beim überfahrenen Haltesignal stammt aus dem Jahr 1958. Nun sollen die Signale schneller modernisiert werden, wie SBB-Chef Andreas Meyer in der «Schweiz am Sonntag» ankündigt.

«Ich habe die Division Infrastruktur beauftragt, die Priorisierung der einzelnen Investitionstranchen und eine Beschleunigung zu überprüfen», sagt Meyer im Interview. Gemäss bisherigem Plan soll es bis 2018 dauern, bis 1700 Signale mit dem Zugbeeinflussungssystem (ZUB) ausgerüstet werden.

«Für die Diskussion nach dem Unfall sollen alle Alternativen auf den Tisch, auch ob wir parallel zu ZUB die Führerstands-Signalisierung ETCS Level 2 früher als vorgesehen vollständig einführen. Im Moment ist geplant, dass ETCS Level 2 bis im Jahr 2035 überall in Betrieb ist.»

Sicherheit nicht vernachlässigt

Den Vorwurf, die SBB hätten die Sicherheit vernachlässigt, weist Meyer zurück: «Bei der Zugsicherung haben wir ein historisch gewachsenes System, von dem man seit vielen Jahrzehnten weiss, dass es Lücken hat. Von einem Missstand zu reden, ist überhaupt nicht angebracht.» Er habe sich «persönlich und gegen Widerstand» dafür eingesetzt, dass das ZUB-System ausgebaut werde.

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Damit kritisiert Meyer indirekt das Bundesamt für Verkehr (BAV). Er sagt, der Konzernleitung sei «ein Vorschlag für eine Leistungsvereinbarung ohne zusätzliche Investitionen in die Sicherheit» vorgelegt worden. Die SBB hätten dann «in langwierigen Diskussionen» durchgesetzt, dass Geld gesprochen werde.

Auch BAV für schnellere Aufrüstung

Auch BAV-Direktor Peter Füglistaler spricht sich dafür aus, dass die Ausrüstung des Bahnnetzes mit zusätzlichen Zugsicherungen rascher als bisher geplant vorangetrieben werden soll. «Wir prüfen, ob wir den technologischen Wandel zeitlich etwas zurückstellen und dafür mehr Mittel in die Sicherheit investieren können», sagt Füglistaler in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag».

«So könnte man noch mehr Abschnitte mit einer Geschwindigkeitsüberwachung ausrüsten und dabei auch schneller vorwärtsmachen. Das kann eine sinnvolle Massnahme sein, mit der wir in kurzer Frist mehr Sicherheit gewinnen könnten.»

Keine baldige Einführung von ETCS Level 2

Eine kurzfristige Einführung von ETCS Level 2 bezeichnet er jedoch als Illusion. «Heute funktioniert dieses System auf offener Strecke gut, auch in der Schweiz. Für Knotenpunkte mit vielen Weichen wie zum Beispiel die grossen Bahnhöfe ist diese Technologie jedoch noch nicht erprobt», sagt Füglistaller.

«ETCS Level 2 ist das System der Zukunft. Es wäre aber falsch, die Lösung für heutige Probleme in einem System zu suchen, das noch nicht für alle Einsatzgebiete reif ist.»

(vst/sda)