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Energie
Nach Super-GAU: Axpo setzt weiter auf Geothermie

Zürcher Triemli im Jahr 2009: Mit einem Bohrmeissel wird eine Erkundungsbohrung durchgeführt. (Bild: Keystone)

Das Erdbeben in St. Gallen reiht sich in die Liste der Schweizer Fehlschläge ein. Der Energiekonzern bleibt zuversichtlich – und rechnet demnächst mit der Baubewilligung für ein deutsches Kraftwerk.

Von Jeffrey Vögeli und Volker Strohm
am 22.07.2013

Geothermie ist in der Schweiz schon seit Jahren ein Thema – die grössten Schlagzeilen machte die Technologie bisher aber nur mit Fehlschlägen.

Aktuell: Der Fall St. Gallen, das bisher vielversprechendste Projekt einer Industrie, von der sich Heinz Karrer, Chef des Energiekonzern Axpo, im Dezember 2010 einen langfristigen Ertrag von 17 Terawattstunden in der Schweiz erhoffte und den Aufbau eines Geothermie-Kompetenzzentrums ankündigte.

Das Projekt St. Gallen liegt nun bekannterweise vorerst auf Eis, nachdem am frühen Samstag ein Erdbeben die Bevölkerung der Ostschweiz erschreckte.

Ein Prozent des heutigen Stromverbrauchs

«Die junge Technologie der Geothermie befindet sich noch im Stadium der Forschung, Entwicklung und Erprobung», sagt Axpo-Sprecher Erwin Schärer gegenüber handelszeitung.ch. «Es ist noch zu früh, ihre Aussichten definitiv zu beurteilen.»

Tönt so die Abkehr von den erwähnten 17 Terawattstunden? «Noch sind wir in der Schweiz nicht so weit, das vorhandene Potenzial zu nutzen», gibt Schärer zu. Bis 2030 geht er von zirka 0,6 Terawattstunden aus, die aus inländischen Geothermie-Anlagen stammen sollen – das entspricht rund einem Prozent des heutigen jährlichen Schweizer Stromverbrauchs.

Negativschlagzeilen seit 2006

Axpo selbst ist an einem Projekt im deutschen Taufkirchen bei München beteiligt: Die Bohrungen wurden im Mai 2012 erfolgreich abgeschlossen – «die zu erwartende Wassermenge liegt bei 120 Litern pro Sekunde mit einer Temperatur von zirka 130 Grad», so Schärer. Die Baubewilligung werde in den kommenden Wochen erwartet, im September soll der Bau beginnen und das Kraftwerk im Juli 2014 in Betrieb genommen werden.

Der Energiekonzern lässt sich folglich durch Negativschlagzeilen in der Schweiz nicht entmutigen: Im Dezember 2006 entstand durch eine Bohrung in Basel ein Erdbeben der Stärke 3,4 auf der Richter-Skala. Obwohl der Druck im Bohrloch danach reduziert worden war, erschütterten im Januar und Februar 2007 weitere Beben die Region. Als Reaktion auf die Erdstösse wurden die Bohrungen schliesslich eingestellt.

Teure Bohrung, wenig Ertrag

Erdbebenfrei, aber dennoch enttäuschend verlief ein Projekt in Zürich: Beim Triemli-Spital stiess 2009 eine Bohrung in 2400 Metern Tiefe auf eine 85 Grad heisse Gesteinsschicht, durch welche aber kein Wasser fliesst. Das reicht, um etwa 200 Wohnungen halb zu heizen – keine gute Ausbeute für eine 20 Millionen Franken teure Bohrung.

Sollte sich das Geothermie-Kraftwerk in St. Gallen als zu gefährlich herausstellen, wäre das für die Trägerschaft ein teurer Spass. Das Volk stimmte 2010 einem Rahmenkredit von 159 Millionen Franken zu. 

«Die Geothermie könnte Kohle-, Öl- und Kernkraftwerke ersetzen», sagt Schärer – spricht aber im Konjunktiv.

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