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Nach UBS und CS kommt die Liechtensteinische Landesbank dran

Von wegen Bollwerk: Das Liechtensteinische Bankkundengeheimnis verkommt zur Farce. (Bild: Bloomberg)

Die US-Steuerbehörden verlangen von der Liechtensteinischen Landesbank unzählige Kontodaten, die bis ins Jahr 2004 zurückreichen. Die Bank muss ohne Wenn und Aber einlenken.

Veröffentlicht am 13.06.2012

Nach der Offensive gegen US-Steuerbetrüger in der Schweiz lanciert die USA die nächste Attacke. Die Liechtensteinische Landesbank LLB informierte ihre amerikanischen Kunden, dass die US-Steuerbehörden die Herausgabe ihrer Kontodaten verlangt haben. Betroffen sind Kundenkonti ab 2004 mit mehr als 500'000 Dollar Einlagen.

Die LLB muss der Anfrage stattgeben. Denn Liechtenstein ist gegenüber den USA im Steuerstreit ähnlich eingeknickt, wie die Schweiz. Milan Patel, Partner der Zürcher Kanzlei Anaford, gab gegenüber «Bloomberg» an, dass die neue Anfrage der USA sogar noch umfassender aussehe, als der Schweizer Deal mit den Amerikanern.

Ein Jahr lang kann zugelangt werden

Klar ist, dass Liechtenstein ein «gesetzliches Fenster» aufgemacht hat, das «vorübergehend» solche Kontomeldungen in die USA ermöglicht. Das Zeitfenster gilt für ein Jahr und betrifft sämtliche Kontobewegungen seit dem Jahr 2001.

Fürs Jahr 2011 wies die LLB verwaltetes Vermögen von 48,1 Milliarden Schweizer Franken aus.

Und die LLB ist nicht die einzige Betroffene in Liechtenstein. Der Deal zwischen Vaduz und Washington geht auch Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Finanzberater etwas an - auch von ihnen können die USA Kundendaten verlangen.

LGT: nur «steuerehrliche Kunden»

Gegenüber der österreichischen Tageszeitung «Presse» verlautete die Bank des Fürsten, LGT, man sei vom «Zeitfenster» und den US-Anfragen nicht betroffen, man habe «nur steuerehrliche» US-Kunden. Das mag sein, allerdings wurde auch bei der LGT in der Vergangenheit kräftig nachgeholfen.

2008 publizierte das «Permanent Subcommitee on Investigations» unter Führung von US-Sentor Carl Levin einen Steuerreport, der die LGT aufs Korn nahm. Dabei wurden auch Verbindungen zu einem Schweizer Treuhänder behandelt, der in Offshore-Paradiesen zur Steuerflucht Scheinfirmen zur Verfügung stellte und gegen den in der Schweiz noch heute wegen Geldwäscherei und Drogenhandels ermittelt wird.

Liechtensteiner durch Interpol gesucht

Die Probleme Liechtensteins stammen aus der Zeit der Daten-CD-Affäre, die der Liechtensteiner Heinrich Kieber lostrat: Er kopierte während Monaten aus dem Keller der LGT-Treuhand sensible Daten und verkaufte sie dann an den Meistbietenden. Von Liechtenstein wird er noch heute über Interpol international gesucht.

(chb/tno)

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