Die eingeschränkte Revision, vor drei Jahren in Kraft gesetzt, ist weniger umfangreich und geht weniger in die Tiefe als die ordentliche Prüfung. Gegenstand ist die Jahresrechnung ohne das Interne Kontrollsystem (IKS). Die Revision beschränkt sich auf Befragungen, Analysen und angemessene Detailprüfungen. Verglichen mit dem Ausland entspricht sie eher einer Durchsicht (Review), die mit Elementen einer Revision angereichert ist. Die Hinweispflicht für Gesetzesverstösse beschränkt sich zudem lediglich auf Fälle, welche die Jahresrechnung direkt betreffen, wie etwa Kapitalverlust und Überschuldung.

Bedingt durch den kleineren Prüfungsumfang ergibt sich jedoch zwangsläufig eine weniger hohe Sicherheit. Deshalb gibt der Prüfer zuhanden der Generalversammlung neu nur mehr eine negative Zusicherung ab, das heisst, er vermerkt lediglich, dass er auf nichts Ungesetzliches oder Statutenwidriges gestossen sei.

Die Schweiz betrat mit dieser Lösung vor drei Jahren Neuland. Konkrete Erfahrungen darüber liegen erst wenige vor. Es zeigt sich aber bereits jetzt, dass die Aktionäre den Revisionsbericht in der Regel ohne weiteres akzeptieren. Dies mag daran liegen, dass bei KMU die gesamte Prüfung von einem ständigen Dialog begleitet wird. Kapitalgeber stehen in der Regel der Geschäftsleitung nahe und arbeiten oft in der Firma mit. Sie sind daher über die Entwicklung in diesem Fall gut informiert. Auch die Banken heissen das neue Modell gut.

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Entlastungsziel nicht erreicht

Doch das Ziel einer administrativen Entlastung der KMU wurde bisher nicht erreicht. Das STI Schweizerische Treuhand-Institut FH hat im letzten Jahr die Praxiserfahrungen von rund 430 Prüfern erhoben. Es hat sich gezeigt, dass eine grosse Mehrheit für die Prüfung von KMU den gleich grossen Aufwand betrieben hat wie vor der Einführung der eingeschränkten Revision. Dies kann einerseits damit erklärt werden, dass die Branche vor ihrer Einführung mit der Risiko-orientierten Prüfung bereits wesentliche Erleichterungen vorweggenommen hat. Anderseits erhält der Prüfer bei den Kleinunternehmen selten einen fertig verbuchten und vom Verwaltungsrat genehmigten Abschluss. Der Kunde erwartet von ihm, dass er den Abschluss generell auf die Einhaltung der Buchführungsvorschriften sowie auf legale Möglichkeiten zur Steueroptimierung untersucht. Entsprechend ist der Prüfer nicht in der Lage, anhand seiner Risikobeurteilung und seiner Wesentlichkeitskriterien seinen Ermessensspielraum auszunutzen. Zur Absicherung der Kundenbedürfnisse einerseits und der unveränderten Haftungsregelung anderseits wird eher zu viel als zu wenig geprüft.

Nicht zutreffend ist die Meinung, dass eine eingeschränkte Revision von weniger qualifizierten Prüfern durchgeführt werden könnte. Dies zeigt auch, dass gemessen an den gesetzlichen Anforderungen die meisten der Ende 2009 bei der Revisionsaufsichtsbehörde zertifizierten Prüferinnen und Prüfer überqualifiziert wären. Angesichts der grossen Erfahrung, die es für das prüferische Ermessen (Professional Judgement) braucht, wird die Politik entscheiden müssen, ob die fachlichen Voraussetzungen an die Prüfer für die eingeschränkte Revision nicht erhöht werden sollten. Dies insbesondere im Hinblick auf die vorgesehene Erhöhung der Schwellenwerte. Solange die Haftungsfrage bei der eingeschränkten Revision nicht adäquat geregelt ist, wird der Prüfer sein Risiko durch vermehrte Prüfungshandlungen zu reduzieren versuchen. Es braucht eine Haftungsbeschränkung oder die Formulierung klarer Haftungsklauseln, die die Verantwortlichkeit der Prüfer an die verringerte Aussagekraft der eingeschränkten Revision anpassen.

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Höhere Schwellenwerte

Mit der absehbaren Umstellung der Prüfungsstandards auf ISA und damit deren Dynamisierung werden die Anforderungen an die Prüfung auch für Schweizer Unternehmen laufend grösser. Es ist daher angezeigt, mehr Unternehmen die Möglichkeit für eine eingeschränkte Revision zu geben. Im Bundesparlament zeichnet sich eine Erhöhung der Schwellenwerte auf 20 Millionen Franken Bilanzsumme, 40 Millionen Franken Umsatz und 250 Vollzeitstellen ab. Das ist begrüssenswert. Zu hoffen ist, dass die neuen Schwellenwerte spätestens mit der Umstellung der Prüfungsstandards auf ISA eingeführt werden, um eine kostspielige Übergangszeit für die Unternehmen zu vermeiden.