Bis September dieses Jahres haben sich Computerfirmen weltweit relativ gut gehalten. Moderne Datenbanken und Software bringen den Anwendern Einsparungen im operativen Betrieb und Effizienzsteigerungen. Beides sind gute Argumente der IT-Anbieter vor dem Hintergrund einer aufziehenden Rezession.

Seither hat sich die Lage bei einigen Firmen verdüstert. Intel beispielsweise reduzierte seine Umsatzerwartung für das 4. Quartal um 1 Mrd auf 9 Mrd Dollar aufgrund massiv fallender Nachfrage. Gleich um 20% wird die Produktion gesenkt. Computerhersteller Dell verzeichnete eine schwache Nachfrage. Der Gewinn konnte nur deshalb gesteigert werden, weil die Kostensparmassnahmen gegriffen haben.

«Die Situation lässt sich vergleichen mit Autofahrern, die auf der Autobahn aufgrund von Warnmeldungen mit einem grossen Stau rechnen, der aber noch entfernt liegt: Es herrscht Bremsbereitschaft, und man sieht gelegentlich Bremslichter», sagt Paul Glutz, Geschäftsführer von CSC in der Schweiz. Bei CSC, einem der grössten Computerdienstleister der Welt, sieht man zwar leichte Projektverzögerungen. «Von Sparrunden und Projektabbrüchen spüren wir aber bisher nichts», sagt Glutz weiter. Zurich Financial Services ist einer der grossen CSC-Kunden in der Schweiz. 2007 erzielten die 700 CSC-Angestellten einen Umsatz von 135 Mio Fr.

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Dell ist vorsichtig

Vorsichtiger klingt es bei Dell. «Es ist ohne Zweifel so, dass wir die derzeitige wirtschaftliche Situation und Finanzkrise in Form sinkender Nachfrage durchaus spüren», sagt Jean-Jacques Suter, der das Dell-Geschäft in der Schweiz leitet. «Es ist ein offenes Geheimnis, dass gewisse grosse Schweizer Finanzinstitute uns ihre Client-IT anvertraut haben und dass wir ihre Bemühungen, Kosten zu reduzieren, natürlich auch spüren.» Dell hat seinerzeit die UBS mit PC belie-fert und spürt jetzt die Einsparungen der Grossbank. «Als traditioneller Direktanbieter haben wir das Ohr näher am Markt als unsere Mitbewerber und daher eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie sich die weltweite Nachfrage entwickeln wird», sagt Suter weiter, «so sind wir überzeugt, dass auch das kommende Quartal für alle Anbieter, und nicht nur für Dell, eine echte Herausforderung wird.» Dell hat 2007 mit 300 Mitarbeitern 462 Mio Fr. erwirtschaftet.

«Einflüsse der amerikanischen Krise spüren wir mittelbar über den Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft», sagt auch René Probst, Country Manager von Adobe in der Schweiz. Bei Symantec, dem grössten Hersteller von IT-Sicherheitsprodukten wie Antiviren-Programmen, hat man bereits angekündigt, durch Personalabbau 4,5% der Kosten einzusparen.

«Die verschärfte wirtschaftliche Lage spüren auch unsere Kunden, so stagnieren vielerorts die Informatikbudgets in den Unternehmen oder sie werden sogar gesenkt», sagt Marco Dei Cas, Chef von Symantec in der Schweiz.

SAP, die mit 565 Angestellten im letzten Jahr 670 Mio Fr. umgesetzt hatte, bemerkt ebenfalls die Auswirkungen der Finanzkrise. «SAP spürt, wie andere auch, die Zurückhaltung der Unternehmen, zum jetzigen Zeitpunkt grössere Investitionen zu tätigen», sagt SAP-Sprecherin Claudia Rollero, «einige Vertragsabschlüsse wurden verschoben.» Deshalb wurden auch bei SAP Schweiz Sparmassnahmen getroffen. SAP Schweiz rechnet heute damit, im 4. Quartal ihre budgetierten Ziele zu erreichen.

Bei HP läuft Geschäft noch

Noch solide läuft es bei HP. «Unser Ausblick für 2009 ist zum heutigen Zeitpunkt positiv», sagt Hauke Stars, Chefin von HP in der Schweiz, «der IT-Gesamtmarkt wird gemäss Marktforscherin MSM Research in der Schweiz leicht wachsen, und als Branchenführer wollen wir auch dieses Jahr stärker wachsen als der Gesamtmarkt.» HP ist mit über 2000 Mitarbeitern und einem kumulierten Umsatz von rund 2,5 Mrd Fr. gemäss der Branchenstatistik der Zeitschrift «Computerworld» der mit Abstand grösste reine IT-Arbeitgeber in der Schweiz. «Die Nachfrage der Endverbraucher hat sich in der Schweiz bis zum heutigen Zeitpunkt relativ stabil gezeigt», sagt Stars weiter, «es ist anzunehmen, dass sich die wirtschaftliche Abschwächung vermehrt negativ auf die Konsumentenstimmung niederschlägt.»

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Ebenfalls einen soliden Abschluss konnte IBM vorlegen. In der Schweiz setzte der Konzern im letzten Jahr mit 3500 Angestellten 1,5 Mrd Fr. um. «Ein grosser Teil unseres Geschäfts basiert auf mehrjährigen Dienstleistungsverträgen», sagt IBM-Sprecherin Susan Orozco, «damit sind wir weniger anfällig für kurzfristige Schwankungen im transaktionsorientierten Tagesgeschäft.»

«Wir fördern insbesondere Collaboration-Lösungen wie WebEx und Cisco TelePresence, um Reisekosten zu senken», sagt Eric Waltert, General Manager von Cisco in der Schweiz, «trotz Finanzkrise legten wir in der Schweiz auch im vergangenen Quartal insgesamt zu.» Die rund 200 Angestellten spielten 2007 650 Mio Fr. Umsatz in der Schweiz ein.

Und auch Microsoft, mit 450 Angestellten und einem Umsatz von rund 900 Mio. Fr. gemäss der «Computerworld»-Schätzung der grösste Softwareanbieter in der Schweiz, gibt sich zuversichtlich. «Momentan spüren wir noch keine Verlangsamung und sind sehr zuversichtlich, was die weitere Entwicklung betrifft», sagt Microsoft-Schweiz-Chef Peter Waser.

 

 


Jetzt wird gebremst: Gewinnwarnung, längere Ferien und Expansionsstopp

Selten publizierten so viele Unternehmen aus verschiedenen Branchen am selben Tag «Brems-Meldungen»: Am vergangenen Montag gab eine Reihe von Firmen Anpassungen an die konjunkturelle Abkühlung bekannt ? ein untrügliches Zeichen für die nahende Rezession. So schliesst der grösste private Glarner Arbeitgeber, die Netstal Maschinen AG in Näfels, Anfang Januar die Tore für eine Woche. Die rund 600 Angestellten der Spritzgussmaschinenbauerin werden in die Zwangsferien geschickt. Noch sei Kurzarbeit kein Thema, doch man beobachte die wirtschaftliche Entwicklung genau, heisst es.

Die Spezialsägenherstellerin Meyer Burger meldet, dass die geplante Mehrheitsbeteiligung an der französischen Emix nicht vollzogen wird. Angesichts des gegenwärtig schwierigen konjunkturellen Umfeldes würden die beiden Unternehmen den Zeitpunkt für die geplante Transaktion als «nicht ideal» erachten.

Ebenfalls am Montag rückte der Industriezulieferer Georg Fischer (GF) mit einer Gewinnwarnung heraus. GF schraubt wegen der weltweiten Konjunkturtrübung seine Prognose herunter. Für 2008 rechnet er mit einer auf 3 bis 4% reduzierten Ebit-Marge. Der Umsatz dürfte auf Vorjahresstand bleiben. In den ersten sechs Monaten verzeichnete GF noch ein Umsatzwachstum von 6% und eine Ebit-Marge von 6,6%. GF ging laut CEO Yves Serra bis vor wenigen Wochen davon aus, dieses Resultat in der 2. Jahreshälfte wiederholen zu können.

Der Medienkonzern Ringier stellt in Prag die Gratis-Tageszeitung «24 Hodin» («24 Stunden») ein. Letztmals erscheint das Blatt am 19. Dezember. Die Einstellung erfolge aus ökonomischen Gründen. Ringier müsse wie andere Unternehmen Vorsichtsmassnahmen ergreifen, um der Wirtschaftskrise die Stirne bieten zu können. Die Folgen der Finanzkrise schlagen auf den an der Schweizer Börse kotierten österreichischen Chiphersteller Austriamicrosystems durch: 60 Mitarbeiter werden entlassen.

Doch es gibt auch positive Nachrichten: Am Dienstag liess der Elektro- und Automationskonzern ABB ausserplanmässig verlauten, dass ein positives Jahr 2009 bevorstehe. Der Konzern sei bis 2010 ausgelastet. (cha)