Lohnerhöhungen für europäische Kader überrascht Sie das?

Alexander Preen: Der Trend verläuft entsprechend den Erwartungen und der gesamtwirtschaftlichen Situation. Die meisten Unternehmen haben ihre Restrukturierungen abgeschlossen und sich erfolgreich strategisch neu positioniert.

Gilt dies für alle europäischen Länder oder gibt es Ausreisser?

Preen: In einzelnen Punkten gibt es Abweichungen. Frankreich beispielsweise hinkt etwas hinterher, aber das ist meines Erachtens nur eine Frage der Zeit der Trend läuft auch dort in dieselbe Richtung.

Wird einfach nur mehr verdient oder auch anders?

Preen: Die Gesamtzusammenstellung hat sich nachhaltig verändert. Die Anteile der Grundsaläre sind zurückgegangen. Heute wird viel mehr Wert auf einen intelligenten Mix der kurzfristigen-, mittelfristigen und langfristigen Anreize, also den Gesamtvergütungsansatz gelegt, der an die strategische Steuerung des Unternehmens gekoppelt ist.

Anzeige

Eine Renaissance der langfristigen Anreize also?

Preen: Genau. Auch eine stärkere Bindung an eine klar definierbare Performance. Heute wird meist nicht mehr nach Vanilla Plans vergütet das sind relativ einfache, weiche Pläne, die nur die absolute Steigerung des Aktienkurses im Auge haben sondern nach mehreren verschiedenen Kennziffern, beispielsweise der Performance des Aktienindexes, der qualitativen Performance des Einzelnen.

Die wenigsten Top-Manager bleiben aber lange auf ihrem Posten.

Preen: Tatsächlich beträgt deren Fluktuationsrate heute ungefähr 3,8 Jahre. Ich behaupte, dass man in einem so kurzen Zeitraum nur schwerlich nachhaltige Leistung beurteilen kann. Heute weiss man, dass ein Top-Management einen Zeitraum von fünf Jahren benötigt, um die Eigenleistung ordentlich bewerten zu können. Ich denke, dass eine längere Verweildauer von fünf bis zehn Jahren auch für das Top-Management bald wieder an der Tagesordnung sein wird.