Ihre Galerie für zeitgenössische Kunst besteht seit Mitte der 90er Jahre. Wo setzen Sie Ihre Schwerpunkte?

Patrik Fröhlich: Meine Galerie besteht eigentlich schon seit 1985, auf dem Platz Zürich jedoch seit 1996. Die zeitgenössischen Künstler und Künstlerinnen, die ich vertrete, sind thematisch sehr vielfältig. Einen Schwerpunkt stellen zudem die afrikanischen Skulpturen dar, die bei mir auch immer zu finden sind.

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Welches ist für Sie die wichtigste Entwicklung in der Kunst der letzten Jahre?

Fröhlich: Im Bereich der Fotografie haben die Möglichkeit der Digitalisierung sowie die unzählbare Multiplizierung und Verbreitung der Abbildungen via Internet veränderte Bedingungen geschaffen. Die Dichte der Bilder im Alltag hat zugenommen, und die Möglichkeit des Wegklickens hat ihre Lebensdauer drastisch verkürzt. Kunstschaffende reagieren auf die neuen technischen Möglichkeiten. Ich denke da beispielsweise an Nan Hoover, die ich seit Jahren vertrete und die mir in ihrem Umgang mit den digitalen Möglichkeiten besonders erwähnenswert erscheint. Ähnlich radikal, wie das schon früher etwa Kurt Schwitters praktiziert hat, lässt sie aus einem Massenprodukt durch kreative Manipulation ein Kunstwerk entstehen.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung des Kunstmarkts?

Fröhlich: Aussenseiter werden stärker Beachtung finden. Der Kunstmarkt wird die Art brut entdecken, jene Kunst, die sich nicht primär an der aktuell diskutierten Kunstentwicklung orientiert, sondern aus ihren ureigenen Ausdrucksmitteln heraus Bildwelten schöpft. Die derzeitige Aufwertung von Arbeiten von Soutter, Wölfli und Steffen sind erste Anzeichen, die in diese Richtung weisen. Auch die traditionelle Kunst aus Afrika und Ozeanien wird am Markt eine Aufwertung erfahren. Dieser Kunstbereich ist trotz steigender Tendenzen im Vergleich etwa zur Klassischen Moderne noch stark unterbewertet.

Was zeigen Sie in Ihrer aktuellen Ausstellung?

Fröhlich: Bis zum 15. Februar sind noch Werke des 1982 verstorbenen Schweizer Art-brut-Künstlers Walter Arnold Steffen mit vorwiegend religiösem Charakter zu sehen, und am 22. Februar wird die Ausstellung «Masken der Elfenbeinküste» eröffnet (Dienerstrasse 21, bis 4. April 2003).


Galerie Baviera

Zürich - Fotografien von Balthasar Burkhard, Urs Lüthi, Manon, Dieter Meier und Annelies Strba zeigt derzeit Silvio Baviera in seiner Galerie an der Zwinglistrasse. Es sei ihm darum gegangen, Fotokünstler der ersten Stunde zu zeigen, so der Galerist, wenngleich auch nicht alle mit frühen Werken vertreten seien. Diese damaligen Fotografien weisen denn auch einen anderen, vielleicht existenzielleren Charakter auf als die heutige Fotokunst.

Die frühesten Arbeiten stammen von Urs Lüthi (geboren 1947 in Luzern), der in thematischen Serien arbeitet und mit seinen Fotosequenzen bekannt wurde. Es handelt sich um schwarzweisse Fotoarbeiten aus den 70er Jahren: Das Diptychon «Selfportrait, 1976» ( 36000 Fr.) bei dem zufälligerweise noch Moritz Leuenberger im Hintergrund zu erkennen ist und das Triptychon «ohne Titel, 1978» (30000 Fr.). «Berg» (1994, 168 x 130 cm, 28000 Fr.) und «Welle» (1995, 73 x 147 cm, 12000 Fr.) heissen ganz pragmatisch zwei eindrückliche schwarzweisse Belichtungen auf Fotopapier, die von Balthasar Burkhard (geboren1944) stammen.

Der vielseitige Dieter Meier (geboren 1945) hat sich schon der Fotokunst gewidmet, bevor er als Musiker der Gruppe «Yello» international berühmt wurde. Fotografien von Dieter Meier hängen u. a. im Museum of Modern Art in New York. Bei Silvio Baviera zeigt er neuere Werke: «in the picture/Skulpturen auf Papier, 1999», insgesamt vier Werke in Mischtechnik auf Papier (30 x 45 cm, je 3400 Fr.).

Von Manon (1946) ist nur ein Werk präsent, jedoch ein wandfüllendes: Das ästhetisch ansprechend zusammengefügte monumentale «Elektrokardiogramm 304/303» besteht insgesamt aus 27 schwarzweissen Fotografien (je 50,7 x 40,4 cm) und kostet 54000 Fr.

Von Annelies Strba (geboren 1947 in Zug) stammen zwei grossformatige Fotografien, «Zittau, 1992» und «Linda mit Omar, 1994», 100 x 150 cm für je 12000 Fr. Annelies Strba befasst sich schon lange mit Fotokunst, sie ist jedoch erst spät bekannt geworden vor allem mit ihrer viel beachteten Ausstellung in der Kunsthalle Zürich im Jahr 1990 (Zwinglistr. 10, bis 15. Februar 2003).

Galerie Mark Müller

Zürich Der international bekannte Künstler Urs Frei, der schon in Ausstellungen wie der Biennale von Venedig 1997 auffiel, zeigt zum ersten Mal seine neuen Werke in der Galerie Mark Müller. Der 1958 in Zürich geborene Künstler präsentiert in zwei Räumen farbenfrohe Arbeiten auf Papier, Holz und Leinwand.

Farbabdrucke und Übermalungen bestimmen die Blätter an der Wand. Die Arbeiten harmonieren als Gruppe im Raum und behalten doch ihre Eigenständigkeit. Urs Frei verwischt die Grenzen zwischen den Gattungen: Die Bilder fügen sich einerseits zu einem malerischen Raumbild zusammen, doch umgekehrt haben die Arbeiten auf Papier mit ihrem oft leicht erhobenen Farbauftrag in Lack- und Acrylfarbe auch etwas Skulpturales. Die schmalen, vertikalen Bilder fallen durch ihre dreidimensionalen Bildträger auf, bei denen Leinwand um Holz gewickelt ist, was ihren objekthaften Charakter unterstreicht. Der Künstler will seine Bilder nicht auf Rechtecke fixiert wissen.

Die Verwendung von Lackfarbe entspricht Freis Vorliebe für schnelles Arbeiten und seinem Hang zu billigen Materialien. Ein grosszügiger Duktus ist charakteristisch für sein Werk, Bedächtigkeit und Liebe zum Detail sind ihm fremd. Seine Bilder sind nicht meditativ, sondern suchen die extravertierte Ansprache des Betrachters. Die Preise in der Ausstellung reichen von 1150 bis zu 12500 Fr.

Die amerikanische Malerin Marcia Hafif, eine wichtige Vertreterin der radikalen Malerei, präsentiert im dritten Raum ihre poetischen Farbstudien zu ihrer Malerei der 80er Jahre. Mark Müller vertritt die Künstlerin seit 1990; ihre monochromen Bilder wurden bereits in mehreren Einzelausstellungen in Zürich gezeigt. Marcia Hafifs kleinformatige Aquarelle kosten inklusive Rahmen 2750 Dollar (Gessnerallee 36, bis 22. Februar 2003).

Galerie Bob van Orsouw

Zürich Der in Berlin lebende Albrecht Schnider (geboren 1958) wurde in den 80er Jahren als eigensinniger Verfechter figurativer Malerei bekannt. Wer seine zu Ikonen stilisierten Porträts, die überlebensgrossen Figurenbilder oder die Landschaften verstehen wollte, wurde zum Nachdenken über das Spannungsverhältnis angehalten, das die Geschichte der Malerei seit ihrer Abkehr vom Gegenständlichen kennzeichnet. Zu Beginn seines Schaffens erwies Schnider der Tradition mit kunsthistorischen Zitaten seine Reverenz. Gleichzeitig war er um eine unabhängige Bildsprache bestrebt, welche die Einordnung seiner Malerei in die Gegenwart erlaubt.

Schniders Bilder lassen sich heute grob als ungegenständlich charakterisieren. Der Künstler abstrahiert Ornamente zu Linien, Streifen, Balken oder Röhren, die sich überlagern oder gegenseitig abgrenzen. Dass die in Acryllack gemalten Bilder mit ihren hochglänzenden Oberflächen den Eindruck des industriell Gefertigten evozieren, entspricht Schniders Anspruch an nahezu technische Perfektion. Die in den neuesten Bildern meist dünn aufgetragenen Farben weisen auch keine Schattierungen oder Abstufungen mehr auf, sondern erinnern in ihrer Anonymität eher an Druckerfarben. Ebenso orientiert sich Schnider bei der Grösse seiner Leinwände an normierten DIN-Formaten.

Im neuesten Werkzyklus treten verstärkt in weisser Lackfarbe ausgesparte Streifen und Linien auf, die mehr an Schablonen oder typisierte Formen denken lassen als an subjektive Bilderfindung. Resultat dieser Abstraktion sind Bilder, die sowohl den Eindruck des Organischen als auch des Standardisierten erwecken. Die Streifen und Linien, welche die Leinwände gewebeartig überziehen, lassen keinen Anfang und kein Ende erkennen. In ihrem Wiederholungscharakter erinnern sie an die Urfunktion des Ornaments, Darstellung im eigentlichen Sinn zu vermeiden.

Die ausgestellten Werke kosten 8100 Fr. für das Format 70 x 50 cm, 13500 Fr. für die Grösse 140 x 100 cm und 21500 Fr. für das Format 237 x 168 cm (Limmatstrasse 270, bis 15. März 2003).

Galerie Lilian Andrée

Riehen Was haben Sonogramme, Mammogramme, MRIs und Röntgenaufnahmen mit Kunst zu tun? Meist kommen wir damit in Berührung, wenn der Arzt «einen Blick ins Innere» werfen muss. Für Steve Miller werden diese Techniken zu Werkzeugen seiner Kunst, und diese erhält in der heutigen Zeit der Technologie-Euphorie eine besondere Bedeutung. «To take a look inside» ist Antrieb für immer neue Umsetzungen traditioneller Kunsttechniken mit medizintechnologischen Anwendungen, «Inner Beauty» lautet doppelsinnig der Titel seiner Ausstellung in der Galerie Lilian Andrée.

Bereits 1992 begann Steve Miller, der heute zu den international anerkannten Technologie-Künstlern zählt, eine neue Art der Portätierung. Seine Bilder sind nicht Abbildungen des Äusseren, sondern Untersuchungen des Inneren des menschlichen Körpers. Seine «genetischen Porträts» sind einerseits Ausdruck dieses Spiels von Technologie und Kunst, aber auch permanente Auseinandersetzung mit dem Genom des Menschen. Dem Künstler geht es nicht primär darum, zu beschreiben und darzustellen, sondern darum, zu identifizieren. Er will zeigen, wie die neue Sprache der heutigen Technologien die alten Kategorien der Kunst, vor allem der Porträtkunst, herausfordert.

Millers Faszination für neue Technologien verbindet er mit seiner Leidenschaft für das Malen. So verwendet er gerne Mischtechniken; häufig sind es mit Hilfe von Seidengaze ausgeführte Siebdrucke, kombiniert mit malerischen Techniken.

Millers Werke finden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen, so z.B. im französischen Parlament. Die Preise in der Ausstellung reichen von 4300 Fr. für seine Arbeiten auf Papier bis zu 12000 Fr. für grossformatige Ölbilder. Die meisten Arbeiten sind im mittleren Segment von 5400 bis 7900 Fr. angesiedelt (Wettsteinpassage, Schmiedgasse 10, Riehen, bis 9. März 2003).

Galerie Hauser & Wirth

Zürich In seiner ersten Einzelausstellung in der Schweiz zeigt der 1969 geborene David Claerbout neue Arbeiten in der Galerie Hauser & Wirth. Durch seine Teilnahme an der 2. berlin biennale und eine umfassende Einzelausstellung im Kunstverein Hannover, die Einblick gaben in eine der spannendsten Positionen auf dem Gebiet der Videokunst, ist der belgische Künstler einem breiteren internationalen Publikum bekannt geworden.

Betritt man den ersten Raum der Ausstellung, empfängt den Besucher Finsternis. Mit der Zeit wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben werden die Bilder an der Wand erkennbar, die sich aus der opaken Umgebung herauslösen. Es sind fünf «Nightscape Lightboxes», Diapositive, eingefasst in Leuchtkästen, die Bilder von Landschaften zeigen, aufgenommen bei Nacht, im Grenzbereich zwischen Zivilisation und Natur. Die Installation in einem dunklen Raum imitiert die Nacht und die Stille, die man mit ihr assoziiert.

Der Parcours führt weiter in einen Raum mit der Videoinstallation «The Rocking Chair», in dessen Mitte sich eine Projektionsfläche befindet. Man blickt auf eine Frau, die auf der Veranda ihres Hauses in einem Schaukelstuhl sitzt und sich, fast wie in Zeitlupe, kaum wahrnehmbar vor und zurück bewegt. Starke Licht- und Schattenkontraste bestimmen die strenge, geometrische Bildstruktur. Der statische Charakter und die künstliche Verlangsamung der Bilder sowie die Grösse der Projektionsfläche, durch welche die Gestalt der Frau an Monumentalität gewinnt, tragen zu einem inszenierten und theatralischen Eindruck bei.

Die letzte Arbeit der Ausstellung, «Ohne Titel (Mist over a Landscape III)» wirkt wie eine Umkehrung der «Nightscape Lightboxes». Wurde dort sozusagen die Nacht imitiert, ist es hier das Sonnenlicht.

Die suggestive Kraft der Bildkompositionen und starke Präsenz der Bilder in Claerbouts Werken hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck beim Betrachter und fordern ihn geradezu zu einem Dialog auf. Preislich reichen seine Arbeiten von 14000 bis 30000 Euro (Limmatstrasse 270, bis 8. März 2003).