Bei Interims-Management denkt man sofort: Eine Firma, die einen Manager auf Zeit braucht, steckt in einer Krise. Zu Recht?

Hans-Peter Lüthi: Das ist eine falsche Wahrnehmung. Sie kommt daher, dass Interims-Manager meistens nur dann im Rampenlicht sind, wenn eine Firma am Abgrund steht oder Arbeitsplätze abgebaut werden müssen – denken Sie an Swissmetal in Reconvilier. Von den vielen Interims-Mandaten, die mehr Wachstum und neue Arbeitsplätze gebracht haben, wird selten gesprochen. Tatsache ist: Die Einsätze von aggressiven Machern und knallharten Sanierern sind die Ausnahme.
Bei der Mehrzahl der Mandate geht es um unspektakuläre Aufbauarbeit.

Warum können insbesondere KMU von Managern auf Zeit
profitieren?

Lüthi: Bei mittelständischen Unternehmen sind die personellen Ressourcen meist zu knapp, um neue Märkte aufzubauen oder ins Ausland zu expandieren. Interims-Manager können diese Projekte zeitgerecht umsetzen, und das Unternehmen profitiert zusätzlich von deren Erfahrung und Wissen.

Greifen KMU auf dieses Know-how denn auch zurück?

Lüthi: Nicht in dem Masse, wie wir uns das wünschen. Viele Firmen schieben wichtige Projekte lieber auf, anstatt einen Manager auf Zeit zu engagieren – obwohl sie sich einen Aufschub gar nicht leisten können. In der Schweiz ist man zudem immer noch der Meinung, dass wichtige Positionen mit fest angestellten Mitarbeitern besetzt werden müssen. Allmählich aber findet ein Umdenken statt, zumal in Branchen wie dem IT-Bereich oder dem Ingenieur- und Finanzwesen Fachleute fehlen. Und im zukunftsweisenden Hightech-Sektor arbeiten viele hochspezialisierte Freelancer.

Warum sind die Vorbehalte so gross? Machen Interims-Manager keinen guten Job?

Lüthi: Sie leisten hervorragende Arbeit. Es ist paradox: Interims-Management existiert auch in der Schweiz als eigenständige Branche schon seit mehr als 25 Jahren, ihr Bekanntheitsgrad ist jedoch gering. Das liegt sicher daran, dass Interims-Manager Einzelkämpfer sind und es bislang keinen Branchenverband gab, der als Plattform und Sprachrohr diente.

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Sie sagen, Interims-Management wird in den nächsten Jahren noch wichtiger werden. Warum?

Lüthi: Der Druck auf die Unternehmen wird weiter zunehmen. Sie werden gezwungen sein, noch schneller neue Dienstleistungen, Produkte und Technologien auf den Markt zu bringen, sich vielleicht sogar neu zu positionieren. Dazu braucht es spezifisches Können und Wissen. Neben fest angestellten Führungskräften werden deshalb für bestimme Aufgaben mehr Interims-Manager gebraucht. Ich gehe davon aus, dass diese Einsätze auf Zeit zum festen Bestandteil in der Personalplanung werden.