Der Markt für nachhaltige Finanzanlagen steht vor einer wachstumsintensiven Phase. Das innovative Segment spiegelt den Übergang vom Informationszeitalter zum konzeptionellen Zeitalter, das nicht nur von Zahlen, Bits und Bytes, sondern auch von systemisch-ganzheitlichen, wertebasierten Ansätzen geprägt wird. Als Synonym für das neue gesellschaftliche Phänomen etabliert sich die Abkürzung LOHAS «Lifestyle of Health and Sustainability».

Der Bewusstseinswandel, der mit dem 20. Jahrestag von Brundtlands Definition der nachhalti-
gen Entwicklung zusammentrifft, zeichnet sich durch das Aneignen eines individuellen Wertesets aus, dies in Abkehr vom bisherigen Wertediktat. Anstelle des binären Entweder-oder tritt zunehmend ein Sowohl-als-auch. Deren Vertreter verstehen sich gleichzeitig als Individuen und Teil einer Gemeinschaft und handeln entsprechend.

Lebenswerte Zukunft

LOHAS hat viel mit der Einsicht zu tun, dass die Qualität des menschlichen Lebens einen intakten Planeten bedingt und dass Natur, Tiere und die Menschen mitsamt ihren wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten voneinander abhängen (Netzwerkgesellschaft). Soll die Zukunft auch für kommende Generationen lebenswert sein, braucht es neben den technischen Instrumenten auch die Fähigkeit, sinnvoll damit umgehen zu können.

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Nachhaltigkeitsökonomie

Bei den Wirtschaftswissenschaften stösst man auf ein ähnlich integratives Konzept, auf das der Nachhaltigkeitsökonomie. Es befasst sich mit der Sicherung der Handlungs- und Reaktionsfähigkeit von sozialen, ökonomischen und ökologischen Systemen und orientiert sich an den normativen Prinzipien Langfristigkeit, Integration von Ökonomie, Ökologie und Sozialem, Partizipation und Globalität.
Diese Ansätze gilt es nun, in innovative Finanzprodukte und Dienstleistungen umzusetzen. In der Schweiz verdoppelte sich der Markt für nachhaltige Anlagen gemäss Angaben von OnValues innert Jahresfrist auf 25 Mrd Fr. und wuchs damit stärker als der allgemeine Fondsmarkt. In Europa waren 2006 über 336 Mrd Euro in nachhaltige Anlagen investiert. So klein diese Summe im Verhältnis zum Gesamtmarkt auch erscheinen mag, belegen die rasanten Wachstumsraten der letzten Jahre doch einen klaren Trend, auf dem alten wie dem neuen Kontinent.
Weitere Treiber sind Gross-Initiativen, wie die UN Principles for Responsible Investment, die über den Hebel des Kapitalmarkts wirkungsvolle Impulse für ein verantwortliches Wirtschaften setzen wollen. Seit April 2006 haben mehr als 180 institutionelle Investoren, Investmentgesellschaften und Rating-Agenturen, die ein Anlagekapital von mehr als 10 Billionen Dollar repräsentieren, die Grundsätze unterzeichnet. Auch wenn nachhaltige Investments nur einen kleinen Teil davon ausmachen, kennzeichnet diese Verpflichtung doch ein Umdenken: Ökologische, soziale und Fragen der guten Unternehmensführung (Environmental, Social and Corporate Governance Issues, ESG) halten Einzug in die Finanzwelt.
Andere wichtige Initiativen, wie das Carbon-Disclosure-Projekt (CDP), zielen darauf ab, den Informationsstand über CO2-Emissionen und Klimastrategien zu verbessern. Mit 225 institutionellen Investoren, die mehr als 31 Billionen Dollar Vermögen verwalten, stellt es die weltweit grösste Initiative dar, die die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf Unternehmen beobachtet.

Wichtige «Intangibles»

Die traditionelle Finanzanalyse berücksichtigte bislang kaum Geschäftsrisiken und -chancen, die sich aus ökologischem, sozialem und ethischem Verhalten ergeben und dadurch den Unternehmenserfolg sowie letztlich den Aktienkurs beeinflussen können. Die so genannten «Intangibles» können aber bis zu 80% des Unternehmenswertes ausmachen. Führende institutionelle Investoren haben sich darum in der «Enhanced Analytics Initiative» (EAI) zusammengeschlossen, um Umwelt- und Sozialfaktoren stärker im Aktienresearch einzubeziehen.

Wertekongruenz

Die Wertekongruenz, die der Anleger anstrebt, beschränkt sich nicht nur auf seine Aktienanlagen. Eine der grössten Pensionskassen der Welt, die kalifornische CalPERS analysiert beispielsweise das gesamte Immobilien-Portfolio nach ESG-Kriterien. So gesehen dürften die ESG-Kriterien bald in allen Anlageklassen Einzug halten. Ökologisch und sozial verantwortliche Investments rücken immer stärker in das Blickfeld der privaten Vermögensanlage. Nachhaltigkeit etabliert sich. Als Anbieter wird es darum wichtig sein, selber Experte zu sein und einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil zu pflegen. Sensible, achtsame, gut ausgebildete und informierte Kunden werden ethisch anspruchsvoller und selbstständig im Denken. Eine Kongruenz zwischen ihren Werten und jenen des Anbieters wird entscheidend. Dem Kunden sind neben der Performance auch Inhalte, Transparenz und Glaubwürdigkeit wichtig sowie die Möglichkeit, seinen Werten entsprechend investieren und mit der Ressource Geld einen Beitrag zu einer nachhaltigen Lebensqualität zu leisten können.

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Antoinette Hunziker-Ebneter, CEO Forma Futura Invest AG, Zürich.