Die insolvente deutsche Nachrichtenagentur DAPD redimensioniert ihren Sport- und Videodienst deutlich und strukturiert ihre regionale Berichterstattung. 98 der 299 Mitarbeitenden wird deshalb gekündigt, hiess es.

Die Personalvertretung und der alleinige Geschäftsführer und Insolvenzverwalter Wolf von der Fecht erstellten den Angaben zufolge einen Sozialplan. «Wir haben alles daran gesetzt, den Personalabbau so gering wie möglich zu halten und konnten zwei Drittel aller Stellen erhalten», erklärte von der Fecht. Mit der Restrukturierung solle eine Basis für die langfristige Stabilisierung der Nachrichtenagentur geschaffen werden. In einer Mitteilung wurde auch die Auslandsberichterstattung als «integraler Bestandteil» der DAPD-Nachrichtengruppe bezeichnet.

Dieser Teil der Berichterstattung beruht allerdings im Wesentlichen auf der Zusammenarbeit mit der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP), die unlängst die Kooperation aufgekündigt und eine neue Vereinbarung mit dem DAPD-Konkurrenten Deutsche Presse-Agentur (dpa) geschlossen hat.

Gegen die Kündigung durch AP geht von der Fecht gerichtlich vor. «Wir halten an unserer Rechtsauffassung fest, dass die Kündigung von AP unwirksam ist», sagte ein Sprecher der Beratungsfirma. Ein Gericht in New York hatte am Dienstag eine einstweilige Verfügung erlassen, die der DAPD bis zu einer endgültigen Entscheidung der Justiz Zugriff auf das AP-Material gewährt.

AP hat bis zum 18. Dezember Zeit, sich schriftlich zu dem Beschluss des Gerichtes zu äussern. Die US-Agentur hatte am Dienstag erklärt, dass der Gerichtsbeschluss auf einer freiwilligen Vereinbarung beruhe, die DAPD im Gegenzug zu Zahlungen von Lizenzgebühren verpflichte. Als Grund für die Kündigung hatte AP Mitte November den Insolvenzantrag der DAPD Anfang Oktober sowie ausstehende Zahlungen genannt.

Die Schweizerische Depeschenagentur (sda) hält seit Februar 2010 die Rechte an den deutschen DAPD-Textdiensten für die Verbreitung in der Schweiz.

Derweil erfasst der Stellenabbau auch die Schweizer Medienbranche, allerdings noch nicht so stark wie in Deutschland: So habe der Stellenabbau bei der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» reduziert werden können, schrieb der Journalistenverband Impressum in einem Communiqué. Wie viele von den ursprünglich 18 genannten Stellen nun abgebaut werden, wollte der Verband der Nachrichtenagentur sda jedoch nicht sagen.

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Laut Impressum habe die Zahl jedoch «wesentlich verringert werden können». Dies «dank der grossen Solidarität unter den Mitgliedern der Redaktion». Dazu gehörten unter anderem auch Pensenreduktionen. Für jene, die entlassen werden, sei ein akzeptabler Sozialplan ausgearbeitet worden, schrieb Impressum weiter. Der Verband nahm als Vertreter der Arbeitnehmer an den Verhandlungen mit der Direktion von «Le Temps» teil.

«Die Unterstützung für die gekündigten Personen kann angesichts der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens als korrekt bezeichnet werden», heisst es im Communiqué. Impressum zeigte sich aber «besorgt über die möglichen Auswirkungen des Abbaus auf die redaktionelle Qualität». «Le Temps» hatte Mitte November angekündigt, wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten Personal zu entlassen. Die Sparrunde werde sich auf das journalistische Angebot auswirken, sagte damals Direktorin Valérie Boagno.

(muv/chb/sda)