Die Schweiz ist Weltmeister im Recycling. Auf keinem anderen Flecken Erde wird der Abfall so minutiös sortiert wie zwischen Basel und Chiasso, Chur und Genf. Mehr als ein Dutzend Kategorien der Wiederverwertung kennt das Trennsystem.

Der Gruss von der Tabellenspitze verpflichtet aber auch: Beispielsweise zu einer seriösen Nachwuchsarbeit. Und so wird an Schweizer Schulen seit 20 Jahren nicht nur der gängige Pflichtstoff vermittelt, sondern eben auch «Wertstoff». Will heissen: Die Kinder und Jugendlichen werden im Umgang mit Abfall und Recycling unterrichtet.

70 000 Kinder machen mit

Hinter der Aktion steht die Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch), eine Nonprofit-Organisation, die sich für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen einsetzt. Finanziell getragen wird der Abfallunterricht von Städten, Gemeinden und Abfallzweckverbänden. Das Ziel ist klar: «Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, wie man durch einen bewussten Konsum Abfall vermeiden und die natürlichen Rohstoffe schonen kann», sagt Nadine Ramer Almer, die Leiterin des Umweltunterrichts. Pusch erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 2,9 Mio Fr., die Hälfte davon stammt aus dem Umweltunterricht.

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Das Angebot stösst auf reges Interesse. Bisher machen elf Kantone mit. Jährlich besuchen die speziell ausgebildeten Lehrkräfte von Pusch 3000 Kindergärten und Schulklassen, das sind nicht weniger als 70000 Kinder. Je nach Altersstufe - Kindergarten, 2., 5., 8. Klasse - wird den Heranwachsenden in zwei bis drei Lektionen ein breites Basiswissen zur Abfallentsorgung, zum Recycling sowie zur Bedeutung von Rohstoffen und zu deren Herkunft vermittelt. Dabei wird auch auf den Energieaufwand eingegangen, der mit der Produktion von Konsumgütern und deren Transport entsteht.

Habe früher vor allem der richtige Umfang mit Abfall im Mittelpunkt des Unterrichtes gestanden, so sei man in den letzten Jahren mehr und mehr dazu übergegangen, den Kids aufzuzeigen, wie solcher mit bewusstem Konsum und einem überlegten Kaufentscheid vermieden werden kann, führt Nadine Ramer Almer aus.

«Vor allem der Fakt, dass man viele Artikel des Alltages auch teilen oder gemeinsam nutzen kann, leuchtet den meisten Schülern ein. Ebenso, dass qualitativ hochwertige Ware länger hält als billige, ergo weniger schnell im Abfall landet.» Schwieriger werde es, so Ramer, wenn die Abfallpädagogen darauf hinwiesen, dass viele Produkte bei einer Beschädigung eigentlich auch repariert werden könnten. «Die Feststellung seitens der Schüler, dass eine Reparatur häufig teurer zu stehen kommt als eine Neubeschaffung oder viele Geschäfte eine solche gar nicht mehr ausführen, ist leider nur allzu richtig.»

Kinder in der Rolle der Erzieher

Nicht unterschätzt werden darf in Umweltfragen der Einfluss der Kinder auf die Eltern. Dies stellt auch Nadine Ramer Almer fest: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der eine oder andere nach dem Abfallunterricht seine Eltern stüpft, den Abfall korrekt zu entsorgen.»

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An der Wand des Büros von Nadine Ramer Almer hängt ein grosses Plakat, auf dem die Kids ihre im Abfallunterricht gemachten Erfahrungen festgehalten haben. Von Zweitklässlerhand hingeschrieben steht da unter anderem: «Ich habe gelernt das mann Apfälle nicht in den Boden wirft, und wo die Apfälle hingehören, und wie sie die Apfelle ferbrennen.» Bleibt zu hoffen, dass der Abfäll, äh, Apfel, nicht allzu weit vom Baum fällt.