Cloud Computing ist trendy: Viele IT-Unternehmen haben entsprechende Produkte und Dienstleistungen, die die Computerleistung den Firmenkunden zukünftig als Service, wie der Strom aus der Steckdose, zur Verfügung stellen soll. Der US-Konzern HP beispielsweise kündigte Ende November 2010 an, im nächsten Jahr ein Cloud Service Center in Zürich zu betreiben.

Auch wenn die Automatisierung in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht hat - ohne die Spezialisten kommen die Rechenzentren der Zukunft nicht aus. Die grossen IT-Dienstleister gehen dabei zunehmend dazu über, das Personal ab den (Hoch-)Schulen zu rekrutieren und weiter zu qualifizieren.

Bei HP beispielsweise stehen in der Schweiz 135 Stellen offen, die die Folgen der letzten Sparrunde hinsichtlich der Entlassungen deutlich dämpfen. Beim IT-Serviceunternehmen T-Systems sind in der Schweiz über 20 Stellen offen. Im gesamten deutschsprachigen Raum sucht Accenture 1400 neue Mitarbeitende - davon 60 Prozent Absolventen und 40 Prozent erfahrene Arbeitskräfte.

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Interne und externe Schulen

Längst nicht alle Kandidaten haben das ideale Profil, und je früher Spezialisten ab (Hoch-)Schulen intern und extern weitergebildet werden, desto einfacher ist es für die IT-Service-Konzerne. IBM unterhält in der Schweiz beispielsweise eine Graduate Sales School, bei der per sofort 15 Absolventen gesucht werden. «Gerade Ladies sind sehr willkommen», erklärt Susan Orozco, Sprecherin von IBM Schweiz.

Praktika können oft schon nach einer Mittelschule als Element für die Zulassung oder die Vorbereitung zum Studium an einer Fachhochschule/Hochschule/Universität eingeschoben werden. IBM stellt fortlaufend Kandidaten für ihre Programme ein. Diese dauern ein Jahr.

Zwischen drei und sechs Monate lang sind die Praktika für die Absolventen von Fachhochschulen oder Universitäten, und zwischen sechs und zwölf Monate nehmen die Praktika für Studenten mit einem Bachelor in Anspruch. Diese Praktika sind gemäss Orozco jeweils Vollzeitpensen. Werkstudenten, die neben ihrem Studium arbeiten, können auch individuelle Teilzeitpraktika absolvieren, die bis zu sechs Semester beziehungsweise bis zum akademischen Abschluss dauern.

«Unsere Praktikanten arbeiten zu unterschiedlichen Beschäftigungsgraden mindestens drei und höchstens 18 Monate bei Swisscom. Zielgruppe sind Studierende verschiedenster Fachrichtungen», sagt Roland Schubert, Sprecher bei Swisscom IT-Services, einem der grossen Anbieter von IT-Dienstleistungen. Hier können Praktiker auch Abschluss- und Diplomarbeiten schreiben. «Im Ausnahmefall unterstützt Swisscom Dissertationen, deren Themen von grossem Interesse für Swisscom sind», ergänzt Schubert.

Accenture unterhält ein eigenes Studentenaustauschprogramm mit der ETH Zürich, bei dem die Studenten ein dreimonatiges Praktikum in Bangalore absolvieren. «Bei technischen oder anwendungsorientierten Stellen bieten wir auch ein zweimonatiges Jump-Start- Programm mit Fokus auf die Bereiche Java, Informationsmanagement, Infrastruktur oder SAP, die sowohl in Frankfurt als auch in Manila durchgeführt werden», sagt Michel Ott, verantwortlich für das Recruitment in der Schweiz, «zusätzlich verfügt Accenture über eine Learning University in St. Charles in den USA. Hier wird Methodik gelernt, es werden Führungskurse durchgeführt und Erfahrungen ausgetauscht - auch der soziale Teil spielt eine wichtige Rolle.»

Fast wie bei richtigen Stellen

Eine Vorbereitung auf das echte Berufsleben sind teilweise auch die Assessments (Bewertung, Einschätzung). «Wie alle Kandidaten müssen auch Praktikanten ein oder mehrere Interviews mit dem Manager, der die Praktikanten oder Werkstudenten einstellen möchte, durchführen», sagt Orozco von IBM, «danach werden sie von Beginn ihrer Anstellung an von einem Coach oder Götti aus einer Business Unit fachlich und praktisch betreut.»

Ott von Accenture meint dazu: «Wir setzen auf persönliche und fachliche Gespräche mit den Bewerbern. Neben Absolventen der traditionellen Fachrichtungen Wirtschaft und Informatik sind auch Ingenieure, Naturwissenschaftler, Juristen oder Geisteswissenschaftler willkommen. Wir legen Wert auf analytisches Denken und Umsetzungsstärke. Und die Kandidaten sollen in die Accenture-Kultur passen.» Diese Kulturen sind in den letzten Jahren sehr international geworden - und Programmierer aus Bangalore messen sich mit Spezialisten aus Basel.

«Wir haben vorwiegend Praktikanten und Werkstudenten aus dem Inland», sagt Orozco, «Grund dafür ist die Notwendigkeit, fliessend Deutsch und/oder Französisch zu sprechen.» Ott führt aus: «Die Schweizer Absolventen sind sehr gut ausgebildet und gefragt. Die Nachfrage übertrifft bei Weitem das Angebot.» Es werden daher viele, ebenfalls sehr gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Ausland rekrutiert. Der Schweizer Absolvent bewegt sich ihm zufolge auf einem globalen Markt und steht auch in Konkurrenz zu indischen Spezialisten, die beispielsweise über Programmierkenntnisse verfügen, die in der Schweiz nicht mehr auf dem Ausbildungsprogramm stehen, jedoch in der Applikationslandschaft von den Unternehmen häufig eingesetzt werden.

Denn längst nicht alle Cloud-Computing-Vorhaben könnten mit lokalem Personal umgesetzt werden. Der Branchenverband ICT Switzerland machte erst im vergangenen Oktober in einem Positionspapier deutlich, dass die Verwendung von Computern an Gymnasien längst noch nicht überall durchgesetzt ist. Obwohl in den meisten Kantonen Informatik als Ergänzungsfach eingeführt ist, besteht in einigen noch ein «gewisser Nachholbedarf», wie es im Dokument heisst.