Die Aufarbeitung des Libor-Skandals um manipulierte Zinssätze geht weiter. Als viertes Unternehmen steht einem Insider zufolge der Wertpapier- und Derivatemakler Icap kurz vor einer Einigung mit den zuständigen Behörden in den USA und Grossbritannien. Ein Vergleich könnte noch im September verkündet werden, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Strafe werde vermutlich niedriger ausfallen als die rund 450 Millionen US-Dollar bei der britischen Bank Barclays.

Diese hatte im vergangenen Sommer als erstes Institut weltweit ein Fehlverhalten eingeräumt und einen Vergleich ausgehandelt. Inzwischen legten auch die Royal Bank of Scotland (RBS) sowie die Schweizer Grossbank UBS die Auseinandersetzung bei. Die UBS zahlte 1,5 Milliarden Dollar, die RBS 612 Millionen.

Ein Mitarbeiter suspendiert

In das Betrugskartell sollen zahlreiche Grossbanken verstrickt sein. Weltweit laufen Ermittlungen gegen mehr als ein Dutzend Institute, darunter ist auch die Deutsche Bank. Mitarbeiter sollen über Jahre versucht haben, mit falschen Angaben die wichtigen Zinssätze im Interbankenhandel wie den Libor in ihrem Sinne zu manipulieren.

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Icap soll als weltgrösster Zwischenhändler in die Geschäfte verwickelt gewesen sein. Diese Unternehmen dienen als Vermittler zwischen Banken. Viele Geschäfte laufen über diese Makler ab. Icap selbst hat nach früheren Angaben wegen des Libor-Skandals einen Mitarbeiter suspendiert und drei weitere beurlaubt.

Weitere Vergleiche im Herbst erwartet

Der täglich in London festgestellte Liborsatz gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Er wird aus den wenig kontrollierten Eingaben von einigen Banken gebildet. Kleine Veränderungen können grosse Finanzschwankungen auslösen. Denn der Libor wird als Referenz-Zinssatz für eine grosse Zahl von Finanztransaktionen herangezogen, von Hypotheken für Häuslebauer bis hin zu komplexen Derivategeschäften.

In diesem Herbst wird laut «Wall Street Journal» mit einer Reihe weiterer Vergleiche gerechnet. Auch der Deutschen Bank drohen Strafen. Von der deutschen Bankenaufsichtsbehörde Bafin erhielt das Institut nach Angaben aus Finanzkreisen zuletzt eine Rüge wegen zu lascher interner Kontrollen. Ein bewusstes Fehlverhalten im Top-Management erkannte die Behörde nicht. Nach Abschluss der nationalen Untersuchung ist der Weg für einen internationalen Vergleich frei. Das Institut hatte bereits mehrere Händler wegen Beteiligung an den Manipulationsversuchen gefeuert.

(awp/jev/vst)