Bei der Commerzbank geht der Ausverkauf weiter: Das Geldhaus veräußert seine Depotbank an die französische BNP Paribas, wie beide Seiten am Donnerstag mitteilten. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. In Finanzkreisen war zuletzt von bis zu 200 Millionen Euro die Rede.

Die 80 Mitarbeiter der Sparte, die Wertpapiertransaktionen für Dritte abwickelt, können zur BNP hinüberwechseln. «Für die Commerzbank ist der Verkauf eine Folge der kontinuierlichen Überprüfung der strategischen Ausrichtung der Bank», erklärte Vorstand Frank Annuscheit. «Depotbankleistungen für Fondsgesellschaften gehören nicht mehr zum Kerngeschäft der Bank.»

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Bislang starkes Standbein

Bereits im Juni war aus Kreisen verlautet, dass Commerzbank und BNP Paribas kurz vor einer Einigung stehen. Eine Depotbank verwahrt vor allem Sondervermögen wie Investmentfonds. Für die Commerzbank war das Geschäft bislang ein starkes Standbein, doch fährt das zweitgrößte deutsche Geldhaus einen radikalen Sanierungs- und Schrumpfkurs, um wieder nachhaltig Gewinne zu schreiben.

Dazu zählt auch der Abbau von rund 5200 Stellen und der Rückzug aus einigen Geschäftsbereichen. Der Fokus liegt künftig auf Privatkunden und dem Mittelstand.

Stärkung im deutschen Markt

BNP Paribas wiederum verstärkt sich mit der Übernahme auf dem wichtigen deutschen Markt und kann im Depotgeschäft nun den Abstand zur Konkurrenz deutlich vergrössern: Bisher lagen die Franzosen nach Daten des Branchenverbandes BVI mit einem verwalteten Fondsvermögen von fast 190 Milliarden Euro nur knapp vor der US-Depotbank State Street (177 Milliarden Euro).

Jetzt kommt von der Commerzbank ein verwaltetes Vermögen von 93 Milliarden Euro hinzu. Einer der wichtigsten Kunden ist die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors, die sich schon dazu bereiterklärt hat, die Zusammenarbeit mit BNP Paribas fortzusetzen.

Die Aufsichtsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Vom Verkauf nicht betroffen ist das Depotgeschäft, das die Commerzbank für die eigenen Kunden unterhält.

(vst/reuters)