«Für uns ist die lokale Präsenz sehr wichtig» sagte André Kudelski, CEO und Verwaltungsratschef des gleichnamigen Unternehmens a. 11. November an einer Presseveranstaltung zur Eröffnung des neuen Forschungszentrums in Peking, «wir möchten hier nicht nur einfach unsere Technologie in bestehende Produkte einführen, sondern ganz neue Lösungen unterstützen.»

Kudelski ist in China bereits mit einem Zentrum für die Integration von Settop-Boxen in Shanghai präsent. «Die Sache ist sehr erfolgreich» sagte Kudelski in Peking weiter, «und unabhängig von diesem Zentrum in Peking hier soll sich auch das in Shanghai weiter entwickeln.» Für Kudelski sind drei Gründe ausschlaggebend, jetzt ein zweites Forschungszentrum in China zu eröffnen: So Spielt die Kundennähe in diesem Geschäft eine wichtige Rolle. Einer der Top-10-Kunden von Kudelski kommt aus China. Zudem versucht man auf partnerschaftlicher Basis mit den Kunden zusammen zu arbeiten, wie André Kudelski an der Presseveranstaltung eine chinesische Journalistenfrage beantwortete. «In der Hinsicht sehen wie viele Parallelen bei den Werten zwischen den langfristig angelegten Vorhaben in China und unseren langfristige Plänen.» Die Wirtschaftskrise sei für ihn kein Grund, solche Pläne aufzugeben. «Wir haben unsere Präsenz in China ab 1998 aufgebaut, und bereits damals hatte es in China und in Asien eine Krise gegeben.»



Ergänzung zum bestehenden Zentrum



Der asiatisch-pazifische Raum ist indes auch für Kudelski der am schnellsten wachsende Markt mit einem gerade in China riesigen Talent-Pool. Firmen wie Alcatel-Lucent oder Motorola haben ebenfalls Entwicklungszentren und man stellt bei Kudelski in China bevorzugt lokale Ingenieure ein, die bereits erste Erfahrungen in westlichen Firmen, mit westlichen Firmenkulturen und der englischen Sprache gesammelt haben. «China dürfte in zehn bis zwanzig Jahren der global grösste Markt sein» ist Kudelski überzeugt.

Konkret sollen in Peking Systeme für den chinesischen Markt entwickelt werden und die Nagravision-Lösungen den lokalen Erfordernissen angepasst werden. «Wir haben aber auch etliche Aktivitäten im Bereich Middleware und Mobile-TV, wo hier die Forschung für unsere Gruppe gemacht wird» ergänzte Kudelski weiter, «hinzu kommt die Entwicklung von Tools und Integration und Tests von Lösungen.» Es sollen rund 100 Ingenieure beschäftigt werden, zu durchschnittlichen Kosten von 50000 Fr. pro Jahr, Arbeitgeberbeiträge eingeschlossen. «Auf dem Markt sind jetzt wieder sehr gute Leute zu finden, und nur die möchten wir einstellen» sagte Kudelski weiter.



Open-TV: Positive Signale



Im Digital-Fernsehen werde es keine exklusiven Verteilwege mehr geben, sagte Kudelski. Deshalb werde es zunehmend wichtiger, alle Wege (terrestrische Übertragung, Kabel, Satelliten, IPTV) und Geräte (konventionelle Fernseher bis zu mobilen kleinen Endgeräte) zu unterstützen.  Ebenfalls schwierig ist es, in China Technologie vor Kopien zu schützen. «Aber da gibt es wichtige Veränderungen» sagt Blaise Godet, Schweizer Botschafter in China, «denn inzwischen kommen 90% der Patentklagen von chinesischen Firmen selber, die ihre Produkte und Labels kopiert sehen – und die werden zu immer wichtigeren Verbündeten der westlichen Firmen.»

«Wir sehen nicht nur eine Konvergenz von Fernsehen und Internet, wir sehen auch ein wandelndes Wettbewerbsumfeld» sagte Kudelski weiter. «Die Konkurrenten von gestern sind nicht mehr die Konkurrenten von morgen, denn mit einigen wie beispielsweise Cisco haben wir teilweise Partnerschaften, teilweise treten wir als Konkurrenten auf» sagte Kudelski weiter.

Ein wichtiger Partner, bei dem Kudelski bisher nur eine Kontrollmehrheit hält, hat seine Büros im 22. Stockwerk des gleichen Towers, in dem die Büros von Kudelski untergebracht sind. Das US-Unternehmen Open-TV, für das Kudelski jetzt die Angebotsfrist für die Übernahme noch einmal bis zum 12. November verlängert hat, arbeitet bereits jetzt stark mit Kudelski zusammen. Open-TV ist ein Middleware-Spezialist und stellt die Software her, die bei Computern zwischen dem Betriebssystem und den Anwendungen «sitzt». André Kudelski mochte den möglichen Erfolg dieses erneuerten und verlängerten Angebots nicht kommentieren: «Man weiss wirklich bis zur letzten Minute nicht, ob die restlichen Aktionäre das annehmen werden» sagte er, «aber ein guter Indikator ist immer der Aufschlag des Aktienkurses – wenn dieser ein Stück höher oder wesentlich niedriger als der Angebotspreis ist, glaubt der Markt nicht an eine Übernahme». Aktuell liegen die Notierungen der Open-TV-Aktie nahe dem Preis, den Kudelski zu zahlen bereit ist.


 

Anzeige