Im Kampf gegen Internet-Piraterie setzt die Deutsche Fussballliga (DFL) neu auf Schweizer Know-how von Nagra. Die Kudelski-Tochter soll als Partner illegale Streams von Spielen der ersten und zweiten Bundesliga in der Saison 2017/18 aufspüren. Das gab das Westschweizer Unternehmen am Mittwochabend bekannt.

Die jüngste Zusammenarbeit zeigt, dass illegale Streams im Sportbereich zu einem immer grösseren Problem werden. Ende Juli hatte bereits die englische Premier League bekannt gegeben, in Zukunft noch schärfer gegen Piraterie vorzugehen. Ins Visier nimmt sie besonders Multimedia-Player, sogenannte Kodi-Boxen, über die viele Nutzer illegal Fussballspiele schauen. Eine Verfügung des High Courts erlaubt es der Liga, unerlaubte Streams rasch zu blockieren.

Millionen für Exklusivität

Für die Fussballligen geht es dabei um viel Geld. Der DFL und ihren Klubs etwa spült der Verkauf der Medienrechte ab dieser Saison erstmals über 1 Milliarde Euro in die Kassen. Insgesamt erwarten die Fussballliga und die ihr angeschlossenen Klubs für die nächsten vier Jahre 4,64 Milliarden Euro. Bezahlt wird das Geld von den Medienpartnern. Beim Fernsehen sind das für Live-Spiele Sky, Eurosport und ZDF und für die zeitversetzte Verwertung zusätzlich ARD, Sport1 und erstmals seit 1992 wieder RTL.

Als Gegenleistung für die Millionen erwarten die Medienpartner das Recht, exklusive Inhalte anbieten zu können. Das brauchen sie, um ihrerseits Werbekunden und Abonnenten zu generieren. Online-Piraterie bedroht nun dieses Zusammenspiel. Denn längst sind es keine Einzelfälle mehr. Gemäss einer Studie aus Grossbritannien haben dort bereits über die Hälfte der Millenials solche illegalen Dienste genutzt. Gleichzeitig, so die Resultate der Umfrage, nutzt die junge Generation Bezahldienste vergleichsweise seltener.

Schadenersatz und Bewährungsstrafe

Der genaue Schaden der illegalen Plattformen für die einzelnen Fernsehsender lässt sich schwer beziffern. Wohl wäre nicht jeder illegale Nutzer ein Abo-Kunde, so ein Vertreter vom Pay-TV-Sender Sky im Interview mit «Vice Sports». Auch der Sender geht gegen illegale Streams vor. Ihre Piratenjäger googeln an Spieltagen nach Streams und verfolgen Sky-Signale zurück, erklärte Sky-Sprecher Stefan Bortenschlager die Taktik. Bei ihrer Arbeit gehe es einerseits um Gerechtigkeit, andererseits aber auch um den Schutz des Geschäftsmodells, so zwei Piratenjäger im «Vice Sports»-Interview.

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Im Mai dieses Jahres zeigte das Landgericht Hamburg, was Betreibern illegaler Streaming-Plattformen bei einer Verurteilung droht. Stream4u.tv und seine Dienstleister müssen 18'000 Euro Schadenersatz an Sky leisten. In einem Fall von Ende 2016 erhielt ein 28-jähriger Anbieter zudem eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung.

Handeln ist ein Muss

Möglicherweise nehmen solche Meldungen bald zu. Denn Bezahlsender hätten gar keine Wahl, früher oder später müssten sie gegen Piraterie vorgehen, schreibt Nagra in einem Blogeintrag vom August. Dazu brauche es auch eine weltweite Kollaboration unter Einbezug von staatlichen Akteuren.

Die Strategie des Unternehmens gegen Online-Piraterie umfasst vier Punkte: Information, Überwachung, rechtliches und administratives Handeln (Reaktion) und forensische Kennzeichnung (digitaler Fingerabdruck für alle Videostreams). Dieser Plan soll nun in der deutschen Fussballliga umgesetzt werden.

Weniger Geld in der Schweiz

Erkannt hat man das Problem auch in der Schweiz. «Protecting Content ist einer der Pfeiler der Digitalstrategie der Swiss Football League. In diesen Bereich fallen die Entwicklung von Massnahmen gegen jegliche Form der nicht autorisierten Datensammlung, Datenverwertung und des illegalen Streamings. Die SFL ist derzeit daran die aktuelle Situation zu überprüfen», so das Statement der Liga-Geschäftsstelle.

Für den Schweizer Fussball ist das Problem der Piraterie möglicherweise etwas weniger dringlich. Die Einnahmen der Bewegtbild-Rechte sind mit etwa 33 Millionen Franken doch vergleichsweise klein.