Der Rückruf von Fertignudeln in Indien und die Kaufzurückhaltung der chinesischen Konsumenten haben den weltgrößten Lebensmittelkonzern Nestle im ersten Halbjahr gebremst. Das währungsbereinigte organische Wachstum ging auf 4,5 Prozent zurück nach 4,7 Prozent in der Vorjahresperiode, wie der Hersteller von Nespresso-Kaffee, Kitkat-Schokoriegeln und Maggi-Suppen mitteilte.

Damit schnitt das Schweizer Unternehmen immer noch besser ab als von Analysten erwartet. Der Nettogewinn schrumpfte knapp drei Prozent auf 4,5 Milliarden Franken. Für dieses Jahr erwartet Nestle weiter ein organisches Wachstum von rund fünf Prozent und eine bessere Rendite. Am Kapitalmarkt kam das gut an: Im vorbörslichen Handel legte die Nestle-Aktie zwei Prozent zu.

Nudel-Affäre in Indien belastet

Grund für das langsamere Wachstum war unter anderem die Rücknahme der beliebten Maggi-Fertignudeln in Indien, nachdem Lebensmittel-Kontrolleure in einigen Paketen bedenklich hohe Blei-Konzentrationen gefunden hatten. Das habe zu Geschäftsrückgängen geführt, die sich im zweiten Halbjahr fortsetzen würden, erklärte Nestle.

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Die Nudeln, die an jeder Strassenecke zu haben waren, machen zwar nur einen Bruchteil des Konzernumsatzes aus - dem Konzern droht wegen des grössten Lebensmittelskandals in Indien seit fast einem Jahrzehnt aber ein Imageschaden. In einem Interview mit der «Handelszeitung» (Donnerstagausgabe) betonte Nestle-Verwaltungsratschef Peter Brabeck, die Nudeln seien sicher und enthielten nichts Schädliches.

Nestlé verpasst Chancen in China

In China schaffte es der Lebensmittelkonzern zuletzt nicht, sich rasch genug an die veränderten Konsumgewohnheiten der dortigen Bevölkerung anzupassen, die mehr Wert auf Frische legt und zunehmend auch über das Internet einkauft. Kaffee, Süssigkeiten und Fertigmahlzeiten sind dort nicht mehr so stark gefragt wie früher.

Nestle steuere jedoch gegen und erwarte eine graduelle Verbesserung im Jahresverlauf, erklärte der Konzern. Zudem laufe das Geschäft in Nordamerika und Brasilien weiter verhalten. Doch auch hier zeichneten sich Verbesserungen ab. China ist nach den USA der wichtigste Markt für Nestle - gefolgt von Frankreich und Brasilien. 

(reuters/chb)