«Nano» kommt aus dem Griechischen und bedeutet Zwerg. Mit der Nanotechnologie werden denn auch Strukturen erzeugt, die nur wenige Nanometer, das heisst ein Millionstel Millimeter, klein sind. Die Nanotechnologie macht aber nicht nur einen weiteren Schritt in Richtung Miniaturisierung, sondern öffnet auch die Türen zu den Bauplänen der Natur. Durch deren Nachahmung entstehen neuartige Werkstoffe.


Materialien schon etabliert

Der grösste Umsatz mit Nanotechnologie wird im Bereich Materialien gemacht. Chemiekonzerne stellen in grossen Mengen Nanopulver her, das etwa für Antihaftbeschichtungen verwendet wird. Da diese Materialien aber nur wenig zum gesamten Gewinn beitragen, sind diese grossen Konzerne auch nicht sehr interessant für Investoren, die von den langfristigen Chancen dieser noch jungen Technologie profitieren wollen. «Das Besondere an der Nanotechnologie ist, dass sie in sehr unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden kann und sehr wahrscheinlich auch gewisse Techniken obsolet machen wird», sagt Maria Custer, Analystin bei der Credit Suisse. Neben dem Gebiet Materialien kommt die Nanotechnologie vor allem in den Sektoren Energie, Elektronik und Gesundheit zur Anwendung, wobei Custer kurz- bis mittelfristig im Bereich Energie das grösste Potenzial sieht. Den nächsten grösseren Durchbruch erhofft man sich in der Solarenergie. Dank Nanotechnologie soll die Effizienz der Solarzellen deutlich gesteigert werden. «In zwei bis drei Jahren wird es so weit sein», schätzt Custer. Besonders interessant sei etwa die Firma Energy Conversion Devices (ECD), die eine Vorreiterrolle bei flexiblen Dünnschichtzellen einnimmt.

Relativ rasche Fortschritte erwartet die Analystin auch im Bereich Elektronik. Dort stelle sich aber die Frage, ob die Neuerungen auch tatsächlich revolutionär sein werden. Anders im Bereich Healthcare: «Im Gesundheitswesen glaube ich persönlich, dass die Innovationen revolutionär sein werden, es wird aber wegen der langwierigen Zulassungsverfahren noch eine Weile dauern.»

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Bei einem Investment in Nanotechnologie sollte der Anleger ohnehin einen relativ langen Anlagehorizont haben. Zudem muss er sich bewusst sein, dass vor allem Titel von Start-up-Unternehmen grossen Kursschwankungen unterworfen sind.

Für einen durchschnittlich risikofreudigen Anleger eignen sich Nanotech-Titel deshalb nur zur Diversifikation des Portefeuilles. «Ich würde nur einen kleinen Prozentsatz in Nanotechnologie investieren», rät Custer.

Im Jahr 2003 haben hohe Erwartungen an die Technologie zu einer Boomphase geführt. Da die Gewinne der Unternehmen irgendwann nicht mehr mit den immer grösseren Hoffnungen Schritt halten konnten, folgte die Korrektur auf dem Fusse. Im letzten Jahr bewegten sich die Titel seitwärts und scheinen nun wieder vernünftig bewertet. «Von einer Bubble sind wir weit entfernt», betont Custer.


Nur wenige Anlageprodukte

Wer breiter in Nanotechnologie investieren will, dem stehen vorerst nur wenige Anlagemöglichkeiten offen. Der Nanotechnologie-Fonds von Activest, lange Zeit der einzige Themenfonds in der Schweiz, wurde mittlerweile in einen breiteren Technologiefonds umgewandelt. Die Credit Suisse hat allerdings kürzlich den ersten Nanotechnologie-Index der Schweiz lanciert, der den gesamten Markt abbildet. Über die letzten fünf Jahre hätte sich der Credit Suisse Global Nanotechnology Index mit einer durchschnittlichen Jahresperformance von rund 14% besser als der US-Technologie-Index Nasdaq entwickelt.

«Die ersten Zertifikate auf diesen Index werden wir später in
diesem Jahr noch ausgeben», erklärt Trading Strategist Miroslav Durana. An der SWX Swiss Exchange wird bislang erst ein Nanotechnologie-Zertifikat gehandelt. Der Basket der Zürcher Kantonalbank nimmt mehrheitlich an der Entwicklung von jungen Unternehmen teil.