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Narasimhans Nagelprobe

Narasimhan
Vas Narasimhan: Seit Februar offiziell Konzernchef von Novartis.Quelle: Keystone

Novartis-Chefjurist Felix Ehrat tritt wegen der Affäre um Trump-Anwalt Cohen zurück. Das zeigt: Narasimhan macht ernst mit dem Kulturwandel.

Kommentar  
Von Seraina Gross
am 16.05.2018

Die Affäre um die 1,2-Millionen-Dollar-Zahlung an die Scheinfirma Essential Consultants von Donald Trumps Anwalt Michael Cohen hat personelle Konsequenzen. Novartis-Chefjurist Felix Ehrat tritt per 1. Juni zurück.

Als Mitunterzeichner mit dem damaligen Konzernchef Joe Jimenez übernehme er «mit diesem Entscheid persönlich Verantwortung, um die öffentliche Debatte darüber zu beenden», wird er in einer Mitteilung von heute Morgen zitiert. Der Vertrag sei ein «Irrtum» gewesen – «obwohl juristisch nicht zu beanstanden».

Das ist ein starker und notwendiger Schritt. Der neue Konzernchef Vas Narasimhan ist mit dem Versprechen angetreten, den Basler Pharmakonzern zu einem «der am meisten respektierten Unternehmen» zu machen. Jetzt macht er ernst damit.

Dass das wichtig ist, zeigen die zahlreichen Rechtsfälle der vergangenen Jahre, ein Image, das dem Unternehmen nicht mehr gerecht wurde, und – zuletzt – die gefährliche Nähe zu einem Anwalt, der im Zentrum einer Affäre steht, an der sich das Schicksal der Präsidentschaft von Donald Trump entscheiden könnte: Der Zahlung eines Schweigegeldes über 130'000 Dollar an eine Pornodarstellerin für eine angebliche Affäre mit dem Präsidenten im Jahr 2006. 

Für den neuen Konzernchef geht es bei der Affäre um die Zahlung an Cohen deshalb um mehr als um die zweifellos wichtige Frage, wer an dieser unappetlichen Geschichte «schuld» ist. Für ihn geht es um eine Bewährungsprobe; darum, wer innerhalb seiner 125'000 Mann und Frau grossen Organisation gestärkt aus dieser Affäre hervor gehen wird: Die Vertreter der alten Jimenez-Schule, wonach gesetzliche Spielräume möglichst  auszuschöpfen sind? Oder diejenigen, die sich an ethischen Standards orientieren und sich dafür notfalls auch innerhalb der Hierarchie querlegen?  

Auch die personelle Nachfolge von Felix Ehrat ist ein starkes Zeichen. Nachfolgerin des scheidenden Ehrat wird Ethikchefin Shannon Thyme Klinger. Ihre Funktion war bereits ein erstes Mal aufgewertet worden, als ihr Portfolio als Compliance-Chefin im Frühling um das Thema Risiken erweitert wurde und als sie bei Narasimhans erster grosser Bereinigung der Geschäftsleitung als vollwertiges Mitglied in die Geschäftsleitung aufgenommen wurde. Nun übernimmt sie auch noch die Rolle des General Counsel ­– ein Signal, dass Ethik und Recht bei Novartis nicht als Widerspruch zu verstehen sind, sondern ins gleiche Kapitel fallen.    

 

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