THOMAS JORDAN. Die Nationalbank (SNB) verfolge die Entwicklung bei den Schweizer Grossbanken «sehr wachsam», sagt Direktoriumsmitglied Thomas Jordan im Interview mit der «Handelszeitung». «Die hohen Abschreiber sind kein gutes Zeichen für die vorgenommene Risikoeinschätzung.» Es genüge nicht, dass sich die Banken nur auf Ratinggesellschaften und Risikomodelle verliessen, erklärt Jordan.

«Die Banken sollten nur Geschäfte tätigen, die sie wirklich verstehen.» Die Institute müssten sich so positionieren, dass sie auch in schwierigen Zeiten Zugang zu Liquidität haben. Einen Liquiditätsengpass schliesst Jordan nicht aus. Dann würde die SNB erneut Geld in den Markt pumpen.

Mehr notleidende Hypotheken

Nach Einschätzung Jordans muss man davon ausgehen, dass die US-Immobilienkrise noch weit bis ins Jahr 2008 andauere. «Weiter sinkende Preise bei den Häusern und die schlechte Bonität vieler Hauseigentümer sowie die Neufestsetzung der Hypozinsen führen dazu, dass noch mehr Hypotheken in den USA notleidend werden.» Dies trage dazu bei, dass sich der Dollar weiter abschwäche. «Im Moment spricht wenig dafür, dass der Dollar in absehbarer Zeit massiv stärker wird.»

Folgen nicht unterschätzen

Die Turbulenzen werden nicht spurlos an der Weltwirtschaft vorbeigehen. «Wenn die US-Krise zu einer Abkühlung der Weltwirtschaft führt, tangiert dies auch die Schweiz, da wir stark von Exporten abhängig sind.» Ein starker Rückgang der Aktivitäten im Finanzsektor würde sich zusätzlich negativ auf die Schweiz auswirken. Ein negativer Einfluss auf die Konsumentenstimmung sei möglich. «Die Konjunktur dürfte sich nach dem sehr guten Jahr 2007 im nächsten Jahr auf das Potenzialwachstum von rund 2% verlangsamen.» Die Schocks an den Finanzmärkten würden Risiken nach unten beinhalten. «Die Unsicherheit über den zukünftigen geldpolitischen Kurs ist grösser geworden.» Das dreiköpfige SNB-Direktorium habe eine Reihe von Turbulenzen bewältigen müssen. Dies sei gut gelungen, zieht er nach sechs Monaten im Amt Bilanz. «Aber wir müssen weiterhin auf der Hut sein. Die Geldpolitik wird in den nächsten Monaten zunehmend anspruchsvoll werden.»

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