Nationale Suisse wandelt sich immer mehr zum Nischenversicherer. Ganz nach ihrem Motto «Die Kunst des Versicherns» fokussiert sich die Gesellschaft etwa auf die Kunstsparte. Aber auch andere Spezialversicherungsgebiete wie beispielsweise Transport, Reisen und technische Versicherungen werden forciert. «Diese Bereiche werden wir in den nächsten Jahren kraftvoll ausbauen», sagt Hans Künzle, CEO Nationale Suisse, gegenüber der «Handelszeitung». Die Zahlen sprechen für sich. Im 1. Halbjahr 2009 erzielte das Unternehmen in diesen Nischen ein Wachstum von 10,4%, während im gesamten Nichtlebenbereich die Prämieneinnahmen um 0,6% zurückgingen.

Diese Entwicklung wird auch nicht von der Rezession gebremst. «In Krisenzeiten steigt das Risikobewusstsein ganz allgemein, und dies bei fast allen Kunden», sagt Künzle. So beispielsweise in der Kunstversicherung. Der emotionale Wert eines Kunstgegenstandes kann zwar in keiner Weise versichert werden. «Es ist aber keineswegs so, dass Kunstliebhaber auf eine Kunstversicherung verzichten, nur weil der emotionale Wert im Vordergrund steht», sagt der CEO. So würden Kunstgegenstände nicht nur gegen Diebstahl, sondern auch gegen Beschädigungen versichert. Zudem sei Kunst für viele Personen eine finanzielle Anlage, womit eine Kunstversicherung als essenzielles Element zur Wertabsicherung dient.

Konkurrenzkampf

Aber auch die Nischenversicherungen bleiben von den Prämienschlachten nicht verschont. So werfen Versicherer auch in diesem Bereich mit Dumping-Angeboten um sich, um bei den schwierigen Marktverhältnissen und der damit verbundenen starren Marktverteilung neue Kunden zu akquirieren. Besonders in der Transportversicherung seien die Marktverhältnisse seit Jahren angespannt (siehe «Nachgefragt»). Aber auch in der Kunstversicherung herrscht teilweise reger Wettbewerb. «Die Prämienniveaus sind aber in aller Regel technisch vernünftig», sagt Künzle.

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Ein weiterer Grund für den Schritt der Nationale Suisse in Richtung Nischenversicherer dürfte auch das erschwerte Geschäft in der beruflichen Vorsorge (BVG) sein. Trennt sich Nationale Suisse gar von ihrem BVG-Geschäft? «Ein Lebensversicherer kann nur am Geschäft der beruflichen Vorsorge - also der 2. Säule - festhalten, wenn die ökonomischen Rahmenbedingungen genügend gut sind. Das heisst, dass das dem Geschäft zu hinterlegende Kapital genügend verzinst werden kann», erklärt Künzle.

Dies hänge aber vor allem von den politischen Rahmenbedingungen ab. So können die privaten Lebensversicherer in der Schweiz nur dann in diesem Geschäft tätig bleiben, wenn es ermöglicht wird, die Mindestverzinsung unter Einrechnung der Kosten zu erwirtschaften und wenn der Rentenumwandlungssatz der stetig alternden Bevölkerung Rechnung trägt. Es bestehe zunehmend die Gefahr einer «stillen Verstaatlichung» der 2. Säule. «Eine Verstaatlichung ist mit der freiheitlichen und liberalen Schweiz nicht vereinbar und wird letztlich zu einer teureren, ?veradministrierten? 2. Säule führen», sagt der CEO.

Trübe Zukunft

Trotz des schwierigen Marktumfeldes blickt der CEO positiv den kommenden Quartalsabschlüssen der Versicherungen entgegen. «Ich rechne damit, dass die Ergebnisse der meisten Assekuranzen nach oben zeigen werden», sagt Künzle. So werde die schweizerische Versicherungsbranche gestärkt aus der Krise hervorgehen.

In Sicherheit wiegen dürfen sich die Versicherer aber nicht. Längerfristig zeigt sich der Nationale-Suisse-CEO nur verhalten positiv. So würden die Marktbedingungen erschwert bleiben und die Versicherer weiterhin auf die Probe stellen - nicht zuletzt auch Nationale Suisse. «Wenn die Rezession längerfristig anhält, werden auch wir mit weniger Prämien und einer höheren Schadenbelastung zu rechnen haben», sagt Künzle.

 

NACHGEFRAGT
«Wir werden unsere Ziele erreichen»

Hans Künzle ist CEO der Nationale Suisse, Basel.

Vor einiger Zeit haben Sie sich darüber beklagt, dass die Versicherer im Nichtlebenbereich mit Dumping-Preisen um sich werfen. Hat sich die Situation entspannt?

Hans Künzle: Nein, in gewissen Branchen besteht nach wie vor ein grosser Preisdruck. Einzig im Motorfahrzeugversicherungsgeschäft ist eine gewisse Beruhigung spürbar. Wir gehen aber davon aus, dass es nicht zu einer grundsätzlichen Entspannung kommen wird.

Das sind keine rosige Aussichten. Was unternehmen Sie dagegen?

Künzle: Wir verzichten auf Dumping-Preise. Unser Ziel ist es, durch eine adäquate Preissetzung nachhaltig gute Geschäfte zu akquirieren und den Kunden entsprechende Preise und Dienstleistungen zu offerieren.

Wie gestalten sich die Preise in Ihren Spezialgebieten, beispielsweise in der Transport- und Kunstversicherung?

Künzle: In der Transportversicherung sind die Marktverhältnisse seit Jahren angespannt. Weil es im Kunstversicherungsmarkt ab und zu auch Kapazitätsengpässe bei den anderen Erstversicherern und den Rückversicherern gibt, ist der Kunstversicherungsmarkt zwar ebenfalls kompetitiv, aber die Prämienniveaus sind in aller Regel technisch vernünftig.

Wie stark wurde die Transport- versicherung von der Rezession getroffen?

Künzle: In der Transportversicherung spüren wir durchaus die Rezession. Wenn zum Beispiel in Spanien über ein Drittel der Lastwagen stillstehen, hat dies Auswirkungen auf das Prämienvolumen.

Werden Sie dennoch Ihre für 2009 gesteckten Ziele erreichen können?

Künzle: Ja, wir werden unsere gesetzten Wachstumsziele für 2009 weitgehend erreichen.

Die Rezession fördert den Versicherungsbetrug. Welche Sparte ist davon besonders betroffen?

Künzle: Tendenzen zu Missbräuchen bestehen vor allem im Unfall- und Krankentaggeldgeschäft, wo es teilweise eine Flucht der Kunden in Krankheit und Unfälle statt in die Arbeitslosigkeit gibt.

Nun werden die Quartalszahlen der Versicherungen bekannt. Was erwarten Sie für Ergebnisse?

Künzle: In der Schweiz haben bisher alle Versicherer der Finanzkrise mit Erfolg getrotzt. Anders als im Jahr 2002 haben wir alle Verbesserungen im Risikomanagement vorgenommen und unsere Kapitalanlagen weit besser verwaltet. Dazu kommt, dass die Umsätze im Versicherungsgeschäft eher stabil sind. Daher rechne ich damit, dass die Ergebnisse der meisten Assekuranzen nach oben zeigen werden.