Der neue Präsident des Institute for Management Development (IMD) in Lausanne hat nach dem überraschenden Rücktritt seines Vorgängers John Wells dessen Amt per 1. Juni 2010 ad interim übernommen - für maximal 18 Monate. Ob es bei einer Übergangslösung bleibt oder ob sich Dominique V. Turpin danach in den Kreis der möglichen Kandidaten aufstellen lässt, ist derzeit noch offen. Mit dem 53-jährigen Franzosen, der soeben auch Schweizer Staatsbürger wurde, zog wieder ein Wissenschaftler in das Präsidialbüro auf einem der schönsten Campus in Europa ein.

Vor fast drei Monaten haben Sie John Wells als Interimspräsident quasi über Nacht abgelöst. Was war passiert?

Dominique V. Turpin: John Wells hat beschlossen, sich aus diversen Gründen als Präsident zurückzuziehen. Für einen solchen Fall hat das IMD vorgesorgt und einen Prozess in Gang gesetzt. Das Executive Committee des IMD Foundation Board unter dem Vorsitz von Peter Wuffli betraute mich ad interim mit dieser Aufgabe.

Was können Sie ad interim bewegen?

Turpin: Natürlich kann ich auch etwas bewegen. Ich arbeite sehr eng mit einem Aufsichtsteam des Executive Committee zusammen sowie mit unseren Partnern, mit dem IMD Foundation Board, mit der Fakultät und mit den Mitarbeitern - dies mit dem gemeinsamen Ziel: Wir wollen Management-Talente entwickeln, um die dringenden Veränderungen in der Wirtschaft bewältigen zu können.

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Ist in Krisenzeiten ein MBA die richtige Antwort - oder braucht es nicht neue Inhalte, die auf die fundamentalen Veränderungen Antworten geben?

Turpin: MBA-Programme sollten eine Mischung sein - bestehend wie bisher aus Grundlagenfächern wie Rechnungswesen, Finanzen, Marketing, Strategien, oder Volkswirtschaft. Genauso wichtig ist die Tatsache, dass das Business dringend Innovationen braucht, weil sich die Umwelt ständig weiterentwickelt.

Sollte man Themen wie Change Management, Nachhaltigkeit oder Ethik als Bestandteil ins Programm integrieren oder als separates Modul führen?

Turpin: Wir machen beides: Kurzseminare, um spezielle aktuelle Themen zu diskutieren, aber wir integrieren sie auch direkt ins Programm, wenn es sich aus einer realen Business-Situation ergibt. Beispielsweise haben wir beim MBA im August eine Woche für Change Management and Execution eingebaut. Danach folgte ein zweitägiger Workshop über Umweltprobleme sowie Nachhaltigkeit. Wir diskutieren mit unserer Leadership-Gruppe über Ethik anhand spezieller Cases wie im Programm.

Eine der Antworten des IMD auf die Veränderungen in der Welt ist das Programm für Senior Managers: One Planet Leaders, das Sie gemeinsam mit dem WWF durchführen. Was ist Ihr Ziel?

Turpin: One Planet Leaders ist Teil unseres offenen Programmangebots. Wir sind stolz, dass wir dazu beitragen können, die Grenzen der Executive Education aufzubrechen. Deshalb treiben wir das Executive and Leadership Development stark voran. Viele Führungspersönlichkeiten sind von der Notwendigkeit überzeugt, auf die Herausforderung antworten zu müssen - aber sie wissen nicht wie.

Welche Pläne haben Sie mit der Fakultät?

Turpin: Die Entwicklung unserer Fakultät ist ein Schlüsselfaktor. Nur die allerbesten Mitglieder sind in der Lage, je nach akademischem Ausweis und praktischer Erfahrung, uns dabei zu helfen, die Kundenbedürfnisse anzusprechen.

Welche Entwicklungschancen sehen Sie noch bei IMD? Wo ist die Limite?

Turpin: Im Oktober jährt sich zum zweiten Mal der Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise, die die ganze Welt erschütterte. Wir müssen damit fortfahren, Teil der Lösung zu sein - und nicht nur Beobachter und Analysten. Unseren Kunden müssen wir Horizonte öffnen für eine grenzenlose Sicht auf die Welt.