Die Turbulenzen an den internationalen Börsen sind am ausserbörslichen Aktienmarkt nahezu spurlos vorbeigezogen. «Die Volumen sind im Vergleich zum Vormonat etwas zurückgegangen, und es wurden kleinere Abschlüsse getätigt», erklärt Rolf Bigler, Leiter Aktienhandel Schweiz bei der Berner Kantonalbank BEKB. Das wars dann aber auch schon. Ansonsten ist es im sogenannten OTC-Markt (Over The Counter) weitgehend ruhig geblieben.

Trägere OTC-Werte

Diese Trägheit erstaunt nicht. Da im ausserbörslichen Aktienmarkt hauptsächlich Unternehmen mit einer starken regionalen Ausrichtung vertreten sind, wirken sich globale Einflüsse weniger stark auf den Geschäftsgang der Gesellschaften aus. Hinzu kommt, dass die Anleger in diesem Segment einen verstärkten Fokus auf die Substanz einer Firma legen und ihr Investment, zum Teil aus persönlichen Gründen, als langfristiges Engagement verstehen. «Der OTC-Markt eignet sich als Alternative zur Börse», weiss Bigler. Sofern die Unsicherheiten an den Weltmärkten anhalten, dürfte das Interesse an den ausserbörslichen Werten daher weiter zunehmen. Dabei geraten insbesondere defensive Papiere mit einer ansprechenden Liquidität verstärkt in den Fokus der Anleger.

Warmer Winter senkt Gasumsatz

Zu diesen gehören die Aktien des Erdgasversorgers Holdigaz. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2005 haben die Titel um über 40% zugelegt. Die Waadtländer Gasgesellschaft profitierte von den steigenden Ölpreisen, die zahlreiche Konsumenten zum Umstieg auf Gas bewogen haben. Wenig Freude bereitet Holdigaz indes der warme Winter 06/07. «Wir erwarten einen Umsatzrückgang um 15%», gibt der VR-Delegierte Philippe Petitpierre Auskunft. Die Marge, die aufgrund der Gaspreiserhöhung unter Druck stand, sowie das konsolidierte Ergebnis für das Geschäftsjahr 06/07 werden dennoch im Rahmen des Vorjahres ausfallen. Die Tochterfirmen (Sanitär/Heizung) dürften ihre Profitabilität steigern. Mitte April ist schliesslich die Akquisition einer neuen Gesellschaft vorgesehen. «Durch diesen Zukauf wird die Gruppe Umsatz und Cashflow um rund 25% steigern», so Petitpierre.

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Zahlen auf Vorjahresniveau

Wie Holdigaz sind auch die Wasserwerke Zug in der Gasversorgung tätig. Darüber hinaus hat der Zuger Versorger weitere Standbeine in den Tätigkeitsgebieten Wasser, Strom sowie Telekom. Ende März werden die Wasserwerke die Resultate für das Geschäftsjahr 2006 präsentieren. «Die Zahlen werden im Rahmen des Vorjahres ausfallen», lässt sich René Arnold, CFO des Unternehmens, entlocken. Die Aktien der Wasserwerke Zug stiegen bei regelmässigen Umsätzen innert Jahresfrist um knapp 12%.
Ebenfalls um über 10% haben die Papiere des Emmentaler Kabelnetzbetreibers Medianet innerhalb des letzten Jahres zugelegt. Als regionaler Anbieter von TV- und Internet-Dienstleistungen konkurrenziert das Unternehmen mit Cablecom und Bluewin. «Wir haben durch Bluewin-TV keine Abonnementrückgänge festgestellt», erklärt VR-Präsident Alfred Flückiger. Dies mag daran liegen, dass die Gesellschaft ihren Kunden schon heute rund 140 digitale Stationen anbietet, ohne dafür Zusatzkosten zu verlangen.

Planzahlen übertroffen

Im Geschäftsjahr 2006 wurden laut Flückiger die Planzahlen von 6,35 Mio Fr. Umsatz und einem Cashflow von 2,75 Mio Fr. leicht übertroffen. Dies ermöglicht es der Firma, ihre Bankschulden zu reduzieren und den Aktionären eine um 0,2% höhere Ausschüttung zu gewähren. Bislang noch ohne Erfolg blieb dagegen die Übernahme eines kleineren Netzbetreibers in der Region. Ein Investor muss sich daher vorerst mit einem langsamen Wachstum begnügen. Fantasie bleibt aber nach wie vor in dem Titel, schliesslich könnte Medianet ja auch selber zu einem Übernahmekandidaten werden.