Die bessere Performance der Small und Mid Caps spiegelt primär die Tatsache, dass der gesamte Finanzsektor, also Banken, Versicherungen und andere Finanzdienstleister, besonders heftig von der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen ist. Noch vor zwei Jahren waren diese Titel sehr prominent im Swiss Market Index (SMI), dem eigentlichen Blue-Chip-Barometer, vertreten. Diese Sektoren spielen bei den Nebenwerten eine untergeordnete Rolle. Die dazugehörigen Titel, wie die Regionalbank-Holding Valiant und diverse Kantonalbanken sowie klassische Privatbanken, sind zudem von der Krise weniger stark tangiert. Sie sind aufgrund ihres Geschäftscharakters defensiver. Der Gewinnrückgang betrug im abgelaufenen Jahr 2008 bei den SMI-Gesellschaften immerhin 68%, während er bei den anderen Gesellschaften im SPI Schweiz nach Erhebung der ZKB-Analysten nur um 31% zurückging. Die Banken wiesen sogar Verluste aus, während die Versicherungen einen Gewinnschwund von rund 84% zu verkraften hatten. Entsprechend fallen die prognostizierten Gewinnzuwächse für den SMI mit 145% im laufenden Jahr und nochmals 11% im Jahr 2010 recht beeindruckend aus. Doch auch die kleineren und mittleren Gesellschaften dürfen auf Ertragssteigerungen von 15 respektive 16% hoffen.

Langfristig besser rentiert

Was spricht ausgerechnet jetzt und heute dafür, sein Portfolio in weniger liquide Nebenwerte zu diversifizieren? Während der SPI, der den gesamten Aktienmarkt Schweiz abdeckt, von Ende 1996 bis Ende 2008 eine Gesamtrendite (Total Return) von 5,1% pro Jahr aufwies, konnte mit Nebenwerten, wie sie der SPI Extra repräsentiert, immerhin über 9,3% pro Jahr erwirtschaftet werden. Über die Ursachen für diesen sogenannten Small-Cap-Effekt kann man nur spekulieren. Die gängigsten Erklärungsansätze billigen den kleineren Titeln eine Liquiditätsprämie zu oder aber eine bessere Diversifikation. Ins Feld geführt wird überdies die Tatsache, dass schnell wachsende und jüngere Unternehmen und Branchen mit grösserem unternehmerischem Risiko zu einer systematisch höheren Entschädigung für die Anleger führen.

Selbst aus Risikosicht sind private wie institutionelle Anleger gut beraten, sich eine Small- und Mid- Caps-Quote ins Aktienportfolio zu legen. Nur, wie gross soll diese sein? In Sachen Schwankungsrisiko (Volatilität) ist ein Portfolio von Nebenwerten sehr gut vergleichbar mit dem SPI, der zu gut 85% aus Blue Chips besteht. Aufgrund der langfristig höheren Rendite sollte die Nebenwertquote deutlich höher sein als ihr Kapitalisierungsanteil von 15% am Gesamtmarkt. Institutionelle Anleger haben sich diese Erkenntnis zunutze gemacht und in den vergangenen Jahren den Anteil von Nebenwerten in ihren Portfolios zulasten der Blue Chips deutlich erhöht. Wer bisher in ein reines Blue-Chip-Portfolio investiert hat, kann neben der Renditesteigerung auch auf einen gewissen Diversifikationseffekt zählen. Zumindest ist der Effekt deutlich höher, als wenn ein SMI-Portfolio durch den Zukauf von deutschen Dax-Werten auf eine breitere Basis gestellt wird. Sogar der MSCI-Weltindex weist mit einer Korrelation der Renditen zum SMI von 0,81 weniger ausgeprägte Diversifikationseigenschaften auf als der Zukauf von Nebenwerten, deren Renditen nur eine Korrelation von 0,78 zum SMI zeigen.

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Der richtige Moment

Mit diesen Argumenten ist aber immer noch nicht klar, ob der Zeitpunkt für Anlagen in Nebenwerte schon gekommen ist. In der Tat sprechen derzeit neben der prognostizierten Erholung der Unternehmensgewinne auch die Bewertungen für Anlagen in Aktien. Die Risikoprämie von Schweizer Aktien (siehe Grafik), gemessen als Gewinnrendite von Aktien im Vergleich zu den Renditen von Staatsobligationen, hat einen langjährigen Höchststand erreicht. Zudem liegen die Dividendenrenditen von Aktien mit rund 3,7% deutlich über dem Niveau von Renditen öffentlicher Anleihen, was in der Geschichte nur sehr selten der Fall war.

Wer in Small und Mid Caps investieren will, greift sinnvollerweise zu einem Anlagefonds, der sich auf Nebenwerte spezialisiert hat. Einzelanlagen sind aufgrund des hohen spezifischen Risikos und des erheblichen Selektionsaufwandes nicht zu empfehlen.