Wie kaum ein Zweiter verkörpert Urs Roth die grundsoliden Werte des hiesigen Bankenplatzes. Der CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung, der im September in Pension geht (siehe auch Seite 18), steht für Diskretion, Stabilität und Qualität. Unermüdlich verkündet er seit bald zehn Jahren die Tugenden des «Swiss Banking». Er setzte sich fürs Bankgeheimnis ein und verteidigte die Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und -betrug - selbst dann noch, als der Wind längst gedreht hatte und Washington, Brüssel, Berlin und Paris mit geballter Kraft die «Steueroase» Schweiz an den Pranger stellten.

Zwar konnte niemand das Ausmass der Gesetzesverstösse der UBS in den USA voraussagen, die die Schweiz in einen Rechtsstreit manövrierten - doch mangelte es nicht an Mahnern. So warnte Thomas Borer im März 2008 ausdrücklich davor, die internationale Kritik zu unterschätzen. «Es ist offensichtlich, dass eine grosse Lawine auf unser Land zukommt», sagte er. Seine Worte und sein Vorschlag, eine Taskforce zu bilden, blieben ungehört und wurden erst viel später umgesetzt, als der Finanzplatz mitten in der Krise steckte.

Und diese ist noch nicht ausgestanden: Der UBS-Steuerstreit schwelt weiter, die Forderung der EU nach dem automatischen Informationsaustausch liegt auf dem Tisch, der Wettbewerb der Finanzplätze ist in vollem Gang. Abwarten, Teetrinken, auf die Diplomatie und die Urtugenden des «Swiss Banking» hoffen reichen nicht mehr. Die Bankiervereinigung braucht Visionäre und weitsichtige Denker, die nicht nur die anstehenden Probleme angehen, sondern die nächste Krise bereits heute erkennen.

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