Nicht zuletzt durch die Werbeauftritte des US-Schauspielers George Clooney («What else?») hat sich die Nestlé-Tochter Nespresso mit ihren Kaffeekapseln einen edlen Ruf erschaffen können. Laut ist dagegen seit jeher die Kritik am geschlossenen System, das in den eigenen, lizenzierten Maschinen nur teure Originalkapseln zulässt.

In den vergangenen Monaten hat der Westschweizer Nahrungsmittelmulti bei Klagen gegen die Billigkonkurrenz vor Gericht einige Niederlagen einstecken müssen. Die wohl grösste Schlappe resultierte in Frankreich, als die Wettbewerbshörden Nespresso im April dazu zwangen, technische Details der Kaffeemaschinen an die Konkurrenz liefern zu müssen.

Grosshändler und Discounter gegen Nestlé

Auch in der Schweiz machen Drittanbieter Nestlé das Leben schwer: Nach den beiden Grosshändlern Coop und Migros sowie deren Tochter Denner lanciert im Mai 2013 auch der Discounter Aldi Schweiz den Preiskampf. Mit damals 29 Rappen unterbot man vor Jahresfrist die bisherigen Angebote von Denner (33 Rappen), Migros (38 Rappen) und Coop (39 Rappen).

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Zum Vergleich: Die Original-Nespresso-Kapseln kosten bis dato mindestens 50 Rappen – bei einigen Geschmacksrichtungen und Spezialkaffees kann dies bis zu 57 Rappen gehen.

In den vergangenen Tagen ist nun eine weitere Runde in dieser Preisschlacht eingeläutet worden: Nachdem Lidl Schweiz bei seinem Markteintritt die Billig-Kaffeekapsel mit einem Preisschild von 22 Rappen versah, holt Konkurrent Aldi nun zum neuerlichen Gegenschlag aus. Die 10er-Packung kostet 1.99 Franken – also pro Kapsel weniger als 20 Rappen. «Als Preisführer am Schweizer Markt verpflichten wir uns unseren Kunden gegenüber, die beste Qualität zu dauerhaft günstigen Preisenanbieten zu können», heisst es in der Mitteilung kurz und bündig.

Gelassenheit in Vevey

Bei Nestlé zeigt sich bislang keine Bewegung: Der Preis, der mittlerweile dem 2,5-fachen des aktuell günstigsten Angebots entspricht, wird in Vevey jeweils mit der höheren Qualität des Kaffee und dem Recyclingsystem für die Alukapseln gerechtfertigt.

Wieviel der Konzern mit Nespresso im Detail erwirtschaftet, wird nicht kommunziert: 2013 steuerte der Posten «Übrige», zu dem laut Fussnote im Geschäftsbericht auch hauptsächlich Nespresso gehört, 12,3 Milliarden Franken Umsatz (Konzern total: 92,2 Milliarden Franken) und knapp 2,2 Milliarden Franken Gewinn (Konzern: 14,0 Milliarden Franken) bei.