Nestlé (Aktienkurs) hat die milliardenschwere Übernahme des chinesischen Süsswarenherstellers Hsu Fu Chi angekündigt. Gemäss einem Partnerschaftsabkommen werde Nestlé 60 Prozent des chinesischen Unternehmens kaufen und Hsu Fu Chi noch 40 Prozent halten, teilte Nestlé in der Nacht zum Montag mit.

Der bisherige CEO von Hsu Fu Chi, Hsu Chen, werde seine Position auch in der Partnerschaft behalten, schreibt das Waadtländer Unternehmen weiter. Die von Nestlé zu zahlende Gesamtsumme zum Erwerb der 60 Prozent an Hsu Fu Chi beträgt rund 1,4 Milliarden Franken.

In einem ersten Schritt will Nestlé die unabhängigen Aktionäre der an der Börse von Singapur kotierten Firma auskaufen. Nestlé offeriert ihnen 4,35 Singapur-Dollar pro Aktie in bar. Dies entspreche einer Prämie von 24,7 Prozent zum Durchschnittskurs der letzten 180 Tage, erklärte Nestlé.

In den letzten Tagen hat der Kurs bereits kräftig zugelegt, nachdem Gerüchte über Gespräche von Nestlé und Hsu Fu Chi aufgekommen waren und die Unternehmen schliesslich Verhandlungen bestätigten. Am Montag gewann die Hsu-Fu-Chi-Aktie 10 Prozent auf 4,40 Singapur-Dollar. Sie notierte damit leicht über dem Offertpreis, einige Anleger spekulieren offenbar auf eine Nachbesserung.

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Mehr Präsenz im chinesischen Markt

Gemäss Nestlé besteht nicht die Absicht, grosse Änderungen am Geschäft vorzunehmen oder Arbeitsplätze abzubauen. Mit der Übernahme solle Hsu Fu Chi allerdings von der Börse Singapur genommen werden. «Diese Partnerschaft wird unsere Präsenz in China in grossem Masse stärken», wird Nestlé-CEO Paul Bulcke in der Mitteilung zitiert.

Die Süsswaren von Hsu Fu Chi seien auf den Geschmack und die Gewohnheiten der chinesischen Konsumenten zugeschnitten. Sie ergänzten die Produktpalette von Nestlé in China, die kulinarische Produkte, löslichen Kaffee, Flaschenwasser, Milchpulver und Produkte für das Gastgewerbe umfasst.

Die Transaktion ist laut Mitteilung noch abhängig von der Zustimmung der zuständigen chinesischen Behörden sowie anderen an das «Scheme of Arrangement» geknüpften Bedingungen.

Erdnusssnacks und Gummibärchen

Der Marktwert von Hsu Fu Chi liegt bei 2,6 Milliarden US-Dollar. Der in Dongguan in Chinas südlicher Guangdong Provinz beheimatete Süsswarenhersteller produziert mit 16'000 Angestellten in vier Fabriken Bonbons, Kekse, Erdnusssnacks, Gummibärchen und das traditionelle chinesische Sachima-Gebäck.

Das Unternehmen mit erzielte 2010 einen Umsatz von 669 Millionen Franken. Die Betriebsgewinn-Marge (Ebit-Marge) betrug 17,3 Prozent, wie Nestlé am Montag mitteilte.

Nestlé ist seit über zwanzig Jahren in China präsent und betreibt heute 23 Fabriken, zwei Forschungs-Zentren und beschäftigt 14'000 Angestellte. 2010 erwirtschaftete Nestlé in der Region China 2,79 Milliarden Franken Umsatz, 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil am weltweiten Umsatz lag aber erst bei 2,5 Prozent.

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Kopie des Yinlu-Deals

Im April hat der Konzern bereits einen deckungsgleich zu Hsu Fu Chi eingefädelten Expansionsschritt in der Volksrepublik angekündigt: Nestlé will am Erdnussmilch- und Reisporridge-Hersteller Yinlu ebenfalls 60 Prozent übernehmen. Das Familienunternehmen erzielte 2010 nach Nestlé-Angaben einen Umsatz von 750 Millionen Franken. Auch hier bleibt die bisherige Firmenleitung im Amt.

(cms/rcv/sda)