1. Home
  2. Unternehmen
  3. Nestlé-Chef: «Global ist nicht mehr so cool»

Trend
Nestlé-Chef: «Global ist nicht mehr so cool»

Millenials bereiten Nestlé-Chef Mark Schneider Kopfzerbrechen: Wichtig sind ihnen gesunde und regionale Produkte. Am Investorentag offenbart der CEO, wie er mit Nestlé diese Nachfrage bedienen möchte.

Der neue Nestlé-Konzernchef Mark Schneider sieht sich von den Millenial-Konsumenten herausgefordert. Die Millenials seien sogar bereit für Getränke und Lebensmittel mehr zu zahlen, das habe es noch nie gegeben.

Die neuen Konsumtrends der Millenials seien so wichtig, weil sie einerseits bald die Höhe ihrer Kaufkraft erreichten, sagte Mark Schneider am Dienstag an der Nestlé-Investorenkonferenz in London. Andererseits werde auch der Rest der Bevölkerung diesen Trends folgen.

«Alles mit Gesundheit wichtiger»

«Alles, was mit Gesundheit zu tun hat, ist den Millenials viel wichtiger als früheren Generationen», so Schneider. Ihr Bewusstsein und ihre Kenntnisse seien nicht zuletzt dank Google viel stärker. Zudem gälten bei Millenials globale Produkte nicht mehr als cool - anders als seine Generation, die für alles Neue aus den USA offen gewesen sei. Eine grosse Herausforderung für den globalen Nahrungsmittelkonzern.

Als Millenials wird jene Generation bezeichnet, die zur Jahrtausendwende ins Arbeitsleben eingetreten ist. Die Angaben für die Geburtsjahrgänge schwanken, wobei die extremsten Eckdaten bei 1976 und 2004 angesetzt sind, wobei die meisten Definitionen ab 1980 ansetzen.

Sympathie für Produkt

«Das Interesse der Millenials richtet sich vermehrt auf regionale Produkte», führt Schneider aus. Für Millenials sei die Sympathie gegenüber dem Produkt wichtig.

Nestlé will sein mittelfristiges Wachstumsziel von 4 bis 6 Prozent jährlich mit Fokus auf solche von Millienials begehrten gesunden, schnell wachsenden Produkte erzielen. Wachstumsaussichten von gesunden Produkten sind laut Schneider 1,8 Mal höher als bei Herkömmlichen, die Profitabilität sei um das 1,5-fache erhöht.

Erstmals Margenziel gesetzt

Zur Steigerung der Profitabilität soll das Portfolio weiter gestrählt werden, so Schneider. Der beabsichtigte Verkauf des US-Süsswarengeschäft sei schon bekannt. Nestlé wolle die Kosten in den USA bis 2020 um 350 bis 450 Millionen Franken senken, hiess es auf der Investorenkonferenz.

Der Nestlé-Konzernchef hat ausserdem erstmals ein Margenziel gesetzt. Damit erfüllt er Wünsche von wichtigen Investoren – allen voran Dan Loeb vom Hedge Fund Third Point. Lag die operative Gewinnmarge (Ebit) 2016 noch bei 15,3 Prozent, will Schneider bis 2020 Margen zwischen 17,5 und 18,5 Prozent erzielen.

Opfer in der Schweiz

In der Schweiz hat das Fitnessprogramm bereits Opfer gefordert. So wurde am Montag bekannt, dass das Nestlé- und R&R-Gemeinschaftsunternehmen Froneri in seinen Fabriken in Goldach (SG) und Rorschach (SG) rund 55 Arbeitsplätze abbauen will. Ende August hatte die Nestlé-Tochter Skin Health die Schliessung der Produktion in Egerkingen (SO) mit 190 Angestellten bekannt gegeben.

Investitionen in profitable Wachstumsgeschäfte dagegen wurden kürzlich mit der US Café-Boutique Blue Bottle Coffee, der vegetarischen Sweet Earth und der E-Commerce Firma Freshly bereits getätigt. Weitere stehen laut Schneider an.

Aktienrückkauf beschleunigt

«Bei der Porfoliobereinigung geht es uns nicht nur darum, die Ecken zu polieren», fügte Schneider hinzu. Das Volumen der Portfolioanpassungen soll bis 10 Prozent des Gesamtumsatzes betragen.

Den Forderungen der Investoren entgegen kommt Schneider ausserdem beim Aktienrückkaufprogramm: Nestlé gab im Juni bekannt, dass während der nächsten drei Jahre zusätzliche 20 Milliarden Franken für Fusionen, Übernahmen und für Aktienrückkäufe bereitgestellt werden.

Nun will Nestlé die Rückkäufe beschleunigen, indem diese gleichmässig auf die drei Jahre verteilt werden und nicht nur vor allem auf die Jahre 2019 und 2020.

Festhalten an L'Oreal-Beteiligung

Von der Investoren-Forderung, die 23-Prozent Beteiligung am französischen Kosmetikkonzern L'Oréal zu verkaufen, wollte Schneider indes nichts wissen. Die L'Oréal-Beteiligung habe nichts verwässert. Weiter: «Wir wollen an der L’Oréal-Beteiligung nichts ändern.»

Der Finanzmarkt reagierte positiv auf die Neuigkeiten. Die Nestlé-Aktien erhöhten sich am Mittag um 1,4 Prozent.

(sda/cfr/jfr/me)

Anzeige