Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé will unter der Führung des seit Anfang Jahr amtierenden Konzernchefs Mark Schneider deutlich profitabler werden. Vom Umsatz sollen bis 2020 zwischen 17,5 und 18,5 Prozent als operativer Gewinn übrig bleiben. 2016 betrug diese operative Ergebnismarge 16,0 Prozent. Dafür will der Konzern seine Kostendisziplin steigern – sprich sparen, wie Nestlé am Dienstag anlässlich seines Investorentags in London mitteilte.

Einen Vorgeschmack darauf geben etwa zwei vor Kurzem angekündigte Sparmassnahmen in der Schweiz: Am Montag wurde bekannt, dass das Nestlé- und R&R-Gemeinschaftsunternehmen Froneri, in seinen Fabriken in Goldach und Rorschach am Bodensee Stellen abbauen will. In den Fabriken, in denen Glacé- und Tiefkühlprodukte der Marken Frisco, Findus und Mövenpick hergestellt werden, sollen 55 Arbeitsplätze wegfallen.

Abbau in der Schweiz

Ende August hatte bereits die Nestlé-Tochter Skin Health einen Abbau in der Schweiz bekannt gegeben. Die Produktion im solothurnischen Egerkingen soll geschlossen und ins Ausland verlagert werden. 190 Mitarbeitern der einstigen Spirig-Fabrik droht die Kündigung.

Weiter will Nestlé seinen strategischen Fokus auf Nahrung und Getränke beibehalten, zusätzliches Wachstum soll zudem im Gesundheitsbereich (Consumer Healthcare) erzielt werden. Bis 2020 will der Konzern mit mittleren einstelligen Raten wachsen.

Aktie sinkt

Mit dem neuen Ergebnisziel orientiert sich Nestlé an wichtigen Wettbewerbern: Unilever mit Marken wie Knorr oder Dove strebt bis 2020 eine Rendite von 20 Prozent an, der Joghurthersteller Danone über 16 Prozent. Die Zielvorgabe von Nestlé erscheint nach Ansicht von Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy «nicht überambitioniert». Viele Investoren dürften dies aber dennoch als Bestätigung der bisherigen Strategie sehen. Die Nestle-Aktie legte zunächst um bis zu 1 Prozent zu und drehte anschliessend ins Minus.

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Einige Experten hatten zuvor vor einer zu ehrgeizigen Gewinnvorgabe gewarnt. Denn Nestlé muss investieren, um sich gegen die wachsende Konkurrenz durch kleinere lokale Anbieter zu wappnen und schlecht laufende Bereiche auf Vordermann zu bringen. Dem Konzern machen die veränderten Ernährungsgewohnheiten der Konsumenten zu schaffen, die vorstärkt auf frische Nahrungsmittel setzen.

Druck von Loeb

Verstärkt wird der Druck durch den Einstieg eines rebellischen Investors vor einigen Monaten: Die von Daniel Loeb geführte Investmentfirma Third Point hatte zu Beginn des Sommers mit Forderungen nach einem Aktienrückkauf, höheren Gewinnen und einem teilweisen Firmenumbau für Schlagzeilen gesorgt.

Daraufhin hatte Nestlé im Juni für die nächsten drei Jahre ein Aktienrückkaufprogramm für bis zu 20 Milliarden Franken angekündigt. Dieses solle nun gleichmässig auf drei Jahre verteilt werden und nicht mehr wie zuvor geplant schwerpunktmässig ab 2019 stattfinden. Ebenso setzt Nestle weiterhin auf Zukäufe. Konkrete Ankündigungen dazu gab es vorerst nicht.

(sda/ise/mbü)