Bei der Umwandlung vom Foodmulti in einen Ernährungs-, Gesundheits- und Wellnesskonzern stand bei Nestlé die letzten Monate der junge Bereich Nestlé Nutrition mit der Übernahme von Medical Nutrition von Novartis im Fokus. An der Medienkonferenz zu den Neun-Monats-Zahlen nächsten Monat wird sich die Aufmerksamkeit auf die Business Unit Nestlé FoodServices richten, welche mit einem Umsatz von 6,9 Mrd Fr. (2006) jener von Nestlé Nutrition in 5,9 Mrd Fr. mit nichts nachsteht.
«Wir werden am 18. Oktober Nestlé Professional, die neue Dachmarke für den Bereich Food Services, genauer vorstellen», bestätigt Nestlé-Sprecher François-Xavier Perroud Recherchen der «Handelszeitung». Zu einem späteren Zeitpunkt sollen auch die genauen Ergebnisse der Sparte ausgewiesen werden, die Restaurants, Spitäler, Armeen und andere Grossgastgeber weltweit zu ihren Kunden zählt. Gemäss eigenen Angaben ist Nestlé weltweit Marktleader im Foodservice-Geschäft.

*2006 erstmals aufgetaucht*
Ohne grosse Beachtung zu finden, tauchte FoodServices im Geschäftsbericht 2006 erstmals im Führungs-Organigramm von Nestlé als strategische Business Unit auf. Deren Chef und Mitglied der Konzerleitung, der Kanadier Marc Caira, war vor einem Jahr zu Nestlé gestossen.
Finanzchef Paul Polman wies vor Monatsfrist auf einer Roadshow auf die Bedeutung von Nestlé FoodServices hin: «Wir haben FoodServices zu einem eigenen Geschäftsbereich gemacht, weil wir für dieses Segment ein ausserordentliches Wachstumspotenzial sehen.» Obwohl die Margen noch nicht ausgewiesen werden, dürfte Nestlé Professional wie Nutrition zu den Units und neuen Geschäften zählen, «welche 10% Umsatzwachstum und 20% Margen liefern sollen», wie Polman sagt.
«Ähnliche Andeutungen machte Konzernchef Peter Brabeck gegenüber der «Handelszeitung», als er erklärte, wieso Nestlé bis auf weiteres auf grössere Akquisitionen verzichte und sich auf die Weiterentwicklung eigener Ideen und Produkte konzentriere. «Wir haben eine Reihe neuer Geschäfte, von denen wir uns sehr viel versprechen», sagte er («Handelszeitung» Nr. 37 vom 12. September).

*Kampf um höhere Erträge*
FoodServices ist zwar bei den Gastronomen bekannter als bei den Konsumenten. Diese können aber Nestlé ebenfalls hinter der Kulisse erkennen, da die Gastrodienstleistungen und Konzeptlösungen mit den bekannten Nestlé-Marken wie Maggi, Thomy, Buitoni, Findus und Frisco erbracht werden.
Nestlé ist nicht der einzige Nahrungsmittelkonzern, der nicht mehr allein auf das Massengeschäft setzt, sondern sich auf die höhermargigen Bereiche konzentriert und diese mit Akquisitionen ausbaut. Bei Nestlé sind diese Geschäfte nach erfolgreicher Umsetzung der gross angelegten Kostensenkungs- und Effizienzprogramme denn auch der Schlüssel zu höheren Erträgen.
Die Goldgruben in der Foodindustrie werden bei Gesundheits- und Wellnessprodukten geortet. Doch nicht nur Nestlé, sondern auch die französische Danone, die britischniederländische Unilever und der US-Konzern Kraft Foods forschen an Lebensmitteln mit gesundheitlichem Zusatznutzen. Sie positionieren sich nicht mehr als Food-, sondern als Health- und Nutrition-Konzerne.
Obwohl Nestlé, am Umsatz gemessen, die Konkurrenz weit ab- hängt und Nestlé-Chef Brabeck einst sagte, «ohne Wachstum sind wir tot», ist die grösste Herausforderung für seinen Nachfolger die Margen-, nicht die Umsatzsteigerung. Hier ist Nestlé verbesserungsfähig. Konkurrentin Danones operative Marge (Ebit) liegt mit 14% im 1. Semester 2007 über jener von Nestlé mit 13,5% - die Marge von Nestlé Nutrition liegt mit 18,7% aber deutlich höher.
Seit der Übernahme von Medical Nutrition von Novartis Anfang Jahr ist Nestlé Weltmarktleader in medizinischer Ernährung. Das bringt Nestlé in eine gute Ausgangsposition: Dieser Bereich wird die Marge des Gesamtkonzern positiv beeinflussen.

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*Mehrertrag mit Dienstleistungen*
Um die Profitabilität nachhaltig zu steigern, braucht es aber mehr als eine Leaderposition bei Gesundheitsprodukten, auf die sich auch die Konkurrenz ausrichtet.Das neue Geschäft heisst Service: Eine konzerninterne Foodservice-Unit, die sich mit jener von Nestlé vergleichen lässt, hat keiner der Konkurrenten. Einzig Kraft Foods betreibt in Nordamerika unter weiteren Geschäften ein Foodservice-Segment von unbedeutender Grösse. Dabei liegt es nahe, dass ein Nahrungsmittelmulti Grossabnehmer in der Gastronomie nicht nur mit seinen Produkten beliefert, sondern einen Mehrertrag mit Dienstleistungen und Konzeptlösungen erzielt.