Grace Mugabe greift Nestlé an. Vergangenes Jahr lancierte die Frau des ewigen Staatspräsidenten Robert Mugabe eine eigene Linie an Milchprodukten. Sie werden nun in den Regalen der grössten Supermarktkette Simbabwes verkauft – gleich neben den Produkten des Schweizer Nahrungsmittelriesen. Später will Frau Mugabe auch Glacé, Fruchtsäfte und Joghurt verkaufen. «Ich tue es für meinen Mann», sagte Grace Mugabe einmal in der lokalen Presse.

Hinter dem Schritt der Präsidentengattin steckt nicht alleine wirtschaftliches Kalkül. Sie will damit auch direkt Nestlé eins auswischen. Denn die Schweizer weigern sich, Milch von Mugabes Farm abzunehmen. Die früheren weissen Eigentümer wurden nämlich während den Wirren im Jahr 2003 von ihrem Land vertrieben und mussten den Familienbetrieb für einen Spottpreis an die Frau des Präsidenten abgeben. Das will Nestlé nicht unterstützen.

Einen Vorschlag eingereicht...

Die Regierung setzte Nestlé deshalb wiederholt unter Druck. Sie forderte die Schweizer auf, Milch von Mugabes Foyle Farm zu beziehen. 2009 nahm die Polizei gar zwei Manager kurzzeitig in Gewahrsam. Daraufhin schloss der Konzern seine Fabrik in Simbabwe für drei Wochen.

Nestlé ist aber nicht nur indirekt unter Druck. Die Regierung lancierte 2011 auch ein Programm zur Indigenisierung von ausländischen Unternehmen. Firmen mit einem Umsatz von mehr als 500'000 Dollar müssen zu 51 Prozent von simabwischen Aktionären beherrscht werden. So will es das Gesetz. «Nestlé Simbabwe reichte am 9. Dezember 2011 seinen Indigenisation Implementation Plan ein, der die jüngsten Entwicklungen bei den Vorschriften berücksichtigt», erklärt Nestlé-Sprecher Philippe Aeschlimann gegenüber handelszeitung.ch. Mit diesem Plan bringe man das «starke Engagement zur Unterstützung der einheimischen Landwirtschaft und Produktion» zum Ausdruck.

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... aber bislang keine Antwort erhalten

Eine Antwort erhielt Nestlé aber bis heute nicht. «Wir bleiben offen für einen Dialog mit den zuständigen Behörden, wie wir unsere Expertise der Gemeinschaft von Simbabwe am besten zur Verfügung stellen und zugleich die Nachhaltigkeit unserer Geschäftstätigkeit im Land gewährleisten können», so Aeschlimann. Die Gefahr einer Teilenteignung ist jedenfalls nicht gebannt.

Immer wieder warnte die Regierung in Harare ausländische Konzerne vor drastischen Konsequenzen, sollten sie den Vorschriften nicht nachkommen. «Trotz guter Geschäfte bleibt die Indigenisierungs-Initiative ein Damoklesschwert» sagte denn auch Analyst Moses Moyo dem Portal Bizcommunity. Nestlé müsse das Problem endlich lösen, wenn der Konzern im Land bleiben wolle.

Weitere Investitionen in Harare

Das will Nestlé. Letztes Jahr investierte der Konzern aus Vevey trotz aller Schwierigkeiten umgerechnet 13 Millionen Franken im Land. Die Investitionen flossen in neue Büros und ein neues Labor in Harare. «Wir blicken auf eine langjährige Präsenz in Simbabwe zurück. In diesen über 50 Jahren haben wir in eine Fabrik investiert und Stellen geschaffen», so der Nestlé-Sprecher. Offenbar laufen die Geschäfte gut. Aeschlimann: «Wir können jedoch eine gesund wachsende Nachfrage nach unseren Produkten verzeichnen, was unsere Investition notwendig machte».