Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat nach einem mässigen Halbjahr wieder etwas Fahrt aufgenommen. In den ersten neun Monaten 2017 stieg der Umsatz organisch um 2,6 Prozent. Mit einem Wachstum von 3,1 Prozent konnte sich Nestlé im dritten Quartal im Vergleich zu den Vorquartalen steigern. Damals hatte das Unternehmen organisch nur 2,3 Prozent beziehungsweise 2,4 Prozent zulegt.

In den ersten neun Monaten profitierte Nestlé vor allem von einer guten Entwicklung im zuletzt verhaltenen Geschäft in Europa. Dabei waren insbesondere Kaffee und Tierfutter die Wachstumstreiber, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Positiv wirkten sich zudem die steigende Nachfrage und höhere Preise in Asien aus. Das Wachstum in der Zone Nord- und Südamerika blieb dagegen gedämpft. Das organische Umsatzwachstum habe weiter von einem «im Branchenvergleich führenden» Volumenwachstum profitiert, schreibt Nestlé. Preisanpassungen seien derweil gering geblieben.

Geringerer Gesamtumsatz

Der Gesamtumsatz sank um 0,4 Prozent auf 65,3 Milliarden Franken. Dies sei auf einerseits auf Wechselkursveränderungen und andererseits insbesondere auf die Schaffung des Gemeinschaftsunternehmens Froneri für Glace und Tiefkühlkost zurückführen, schreibt Nestlé. Mit den vorgelegten Zahlen erfüllte das Unternehmen die Erwartungen von Analysten. Sie hatten das organische Wachstum bei 2,5 Prozent und den Umsatz bei 65,3 Milliarden Franken veranschlagt.

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Konzernchef Mark Schneider zeigte sich in der Mitteilung einigermassen zufrieden: «Unser Umsatz für die ersten neun Monate entspricht unseren im Juli kommunizierten Erwartungen.»

Anknüpfen an alte Zeiten

Von früheren Wachstumsraten um die fünf bis sechs Prozent ist der Nahrungsmittelriese aber nach wie vor weit entfernt. Viele Konsumenten setzen zunehmend auf frische Nahrungsmittel und machen einen Bogen um Fertigprodukte. Zu schaffen macht dem Konzern auch die niedrige Inflation, die Preiserhöhungen in vielen Märkten schwierig macht.

Um wieder an die alte Stärke anzuknüpfen, hat der neue Konzernchef dem Konzern einen Umbau verordnet. Der Deutsche will Wachstumsfelder wie Kaffee, Tiernahrung, Wasser und Säuglingsnahrung ausbauen - auch über Zukäufe. Zusätzliches Wachstum soll zudem im Gesundheitsbereich erzielt werden.

Kein Kommentar zu US-Süssigkeitengeschäft

Keinen Kommentar von Seiten von Nestlé gab es am Journalisten-Call zu einem möglichen Verkauf des US-Süssigkeitengeschäfts. Zuletzt waren unter anderem Hershey oder Ferrero als mögliche Käufer in den Medien genannt worden.

Finanzchef François-Xavier Roger sagte dazu lediglich, es bestehe eine gewisse Chance, dass ein Entscheid vor Ende Jahr fallen werde. Diese Schritte sollen helfen, den Umsatz bis 2020 wieder auf einen mittleren einstelligen Prozentbetrag zu steigern.

Aktie tiefer

Für das Gesamtjahr erwartet Nestlé ein organisches Wachstum auf dem Niveau der ersten neun Monate. Das laufende Sparprogramm werde allerdings die Renditen drücken, heisst es.

Die Aktien von Nestlé haben die Sitzung vom Donnerstag mit klar tieferen Kursen eröffnet, sich aber schnell wieder etwas erholt. Die Nestlé-Aktie notierte um 10.20 Uhr noch 0,7 Prozent tiefer bei 84,00 Franken, gestartet war sie mit einem Minus von rund 1 Prozent. Der Gesamtmarkt (SMI) büsst derweil gut 0,5 Prozent ein.

Markt erwartete höhere Wachstumszahlen

Dass die besser als erwartet ausgefallenen Wachstumszahlen nicht besser aufgenommen werden, erklärt die ZKB u.a. folgendermassen: Zuletzt hätten schon Givaudan und der Konkurrent Danone positiv überrascht, so dass der Markt insgeheim vermutlich noch höhere Wachstumszahlen erwartet habe. Ähnlich sieht man das beim Broker Helvea: Nestlé habe den Konsens nicht so deutlich übertroffen wie etwa Danone, heisst es dort.

Dass Nestlé aufgrund von zusätzlichen bzw. vorgezogenen Restrukturierungskosten in Höhe von 400 bis 500 Millionen Franken die Margenerwartung gesenkt hat, führt bei Analysten nicht zu Verstimmung, da der Gesamtbetrag der Kosten bis 2020 unverändert bleibe. Es dürfte dadurch zwar zu Gewinnsenkungen für 2017 führen, heisst es; auf der Stufe des bereinigten Gewinns sollten die Zahlen allerdings keinen Einfluss haben, kommentiert die ZKB. Das Gesamtbild ändere sich dadurch überhaupt nicht, so Helvea.

«Definitiv ein Übergangsjahr»

Für etwas Enttäuschung sorgt dagegen die Tatsache, dass Nestlé im vierten Quartal gemäss Ausblick wieder etwas weniger schnell wachsen dürfte als im dritten Jahresabschnitt. Der Ausblick impliziere ein schwächeres Wachstum trotz einfacherer Vergleichszahlen aus dem Vorjahr, heisst es bei der Bank Vontobel.

Sie bezeichnet in ihrem Kommentar 2017 für Nestlé als «definitiv ein Übergangsjahr». Da Amerika mit fast 30 Prozent Umsatzanteil keine Beschleunigung hinkriege, sei es für Nestlé sehr schwierig, das Wachstumsniveau insgesamt zu beschleunigen.

(sda/cfr/ise)