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Nestlé wächst Anfang Jahr stärker als erwartet

Nestlé: Am stärksten wuchs die Region Nord- und Südamerika. Keystone

Der Lebensmittelskandal in Indien gepaart mit einer reduzierten Nachfrage drücken auf das Wachstum von Nestlé. Der Lebensmittelkonzern wuchs dennoch stärker als erwartet. Die Aktie liegt klar im Plus.

Veröffentlicht am 14.04.2016

Der weltgrösste Nahrungsmittel-Hersteller Nestlé ist im ersten Quartal 2016 stärker gewachsen als von Analysten erwartet. Vor allem das interne Wachstum überzeugte, während die Preiskomponente bescheiden blieb. Das Ergebnis wurde am Markt insgesamt gut aufgenommen, so dass die Aktie bis am Mittag einen deutlichen Anstieg verzeichnet.

Organisch legte Nestlé in der Periode von Januar bis März um 3,9 Prozent zu, wobei 3,0 Prozent auf Mengenwachstum (internes Realwachstum RIG) und lediglich 0,9 Prozent auf Preisanpassungen zurückzuführen waren. Letztere waren als Folge von Deflation in den Industrieländern und niedrigen Rohstoffpreisen wie erwartet tief. Es war sogar der tiefste Wert seit vielen Jahren, wie Finanzchef François-Xavier Roger am Donnerstag an einer Telefonkonferenz für Investoren darlegte.

In den meisten Geschäftsbereichen Marktanteile gewonnen

Der Gruppen-Umsatz blieb mit 20,9 Milliarden Franken mehr oder weniger unverändert, wobei der Wechselkurseffekt -2,8 Prozent und der Netto-Akquisitionseffekt -1,0 Prozent ausmachten. Mit den vorgelegten Zahlen wurden die Marktschätzungen für das organische Wachstum übertroffen, wobei vor allem die RIG-Komponente von Analysten tiefer prognostiziert worden war.

CEO Paul Bulcke zeigt sich in der Medienmitteilung denn auch soweit zufrieden: Wie erwartet habe die positive RIG-Dynamik in den ersten drei Monaten angehalten, bei allerdings schwächeren Preisanpassungen. «Wir gewannen in den meisten unserer Kategorien und Geschäftsbereiche Marktanteile», sagte er. Die stärksten Leistungen seien dabei in Europa, in Südostasien und in Afrika, sowie bei Nescafé, Nespresso und Haustier-Produkten erzielt worden.

Rückschlag in Indien

Das Wachstum war den Angaben zufolge breit abgestützt in allen Regionen und Kategorien. Die Industrieländer wuchsen insgesamt um 2,5 Prozent - bei einem RIG von 2,9 Prozent mussten allerdings die Preise im Durchschnitt um 0,4 Prozent gesenkt werden. Die Schwellenländer legten derweil um 5,6 Prozent zu mit einem RIG von 3,2 Prozent.

Am schwächsten unter den operativen Segmenten wuchs das Geschäft in der Zone Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika (AOA) mit lediglich 2,1 Prozent. Gedrückt wurde das Wachstum dort vor allem durch den letztjährigen Rückschlag in Indien mit den Maggi-Nudeln, der sich noch immer auswirkt. Und in China, wo Nestlé seit einiger Zeit gewisse Probleme hat, sei der Umsatz der Tochterfirma Yinlu (Erdnussmilch, Reisbrei) nach wie vor «herausfordernd», hiess es.

Ausblick bestätigt

Trotz der Probleme in gewissen Ländern und Segmenten hat Nestlé den Ausblick für das Gesamtjahr 2016 bestätigt. Der Konzern geht demnach von einem mit 2015 vergleichbaren organischem Wachstum (4,2 Prozent) aus und erwartet eine Verbesserung der Margen, des nachhaltigen Gewinns je Aktie bei konstanten Wechselkursen und der Kapitaleffizienz.

Um das Wachstum des Vorjahres zu erreichen, braucht Nestlé somit höhere Wachstumsraten in nächster Zeit. Wie CFO Roger am Telefonkonferenz frühere Aussagen bestätigte, erwartet Nestlé in der Tat in den nächsten Quartalen ein steigendes Momentum bzw. vor allem im zweiten Halbjahr höhere Wachstumsraten. Es gebe dafür mehrere Gründe, sagte der Finanzchef.

Nudeln verkaufen sich besser als erwartet

So habe etwa in Indien der Maggi-Nudeln-Verkaufsstopp erst im zweiten Quartal 2015 begonnen und somit das erste Quartal 2016 in Sachen Wachstumsrate noch stark negativ beeinflusst. Unterdessen sind die Nudeln aber wieder im Verkauf und laufen laut Management gar besser als erwartet, wenn auch das alte Verkaufsniveau noch nicht erreicht sei.

Ausserdem will das Management Preiserhöhungen in Ländern wie Brasilien oder auch Russland durchsetzen, was das organische Wachstum positiv beeinflussen würde. Zudem gab es verschiedene weitere Effekte, die das letztjährige Ergebnis beeinträchtigt hatten und dieses Jahr wegfallen sollten.

Dividenden-Abgang bereits wieder aufgeholt

Die Investoren zeigten sich denn auch angetan vom Ergebnis und verhalfen der Aktie zu einem deutlichen Plus. Gegen Mittag notiert das Papier 1,9 Prozent höher auf 72,55 Franken und hat damit den Dividendenabgang vom letzten Montag (2,25 Franken) bereits wieder wettgemacht. Analysten zeigten sich zumeist erleichtert, dass der Konzern nach ein paar Enttäuschungen die Erwartungen wieder einmal übertroffen hat.

(awp/cfr/ama)

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