Nestlé baut sein Werk im mexikanischen Toluca zur weltweit grössten Fabrik für Instant-Kaffee aus. Vor allem in Europa und Brasilien sieht der Konzern noch Wachstumspotenzial. Er regt sich aber auch Kritik.

Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat in Mexiko die nach eigenen Angaben weltweit grösste Fabrik für löslichen Kaffee eröffnet. Das Unternehmen habe 130 Mio. US-Dollar investiert und die Produktionskapazität des Werks in der Stadt Toluca westlich von Mexiko-Stadt um 30 Prozent erweitert, sagte der Geschäftsführer von Nestlé Mexiko, Marcelo Melchior, zur Eröffnung.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Nachfrage steigt

Auf einer Fläche von 14 Hektar werde nun Kaffee für Mexiko und für den Export produziert, hiess es in einem Bericht auf dem Wirtschaftsportal CNN Expansión im Internet. Zwar sei in Mexiko der Markt gesättigt, in anderen Teilen der Welt steige die Nachfrage hingegen weiter, teilte Nestlé mit.

«In Mexiko werden jedes Jahr 200 Tassen Kaffee pro Kopf getrunken, in Europa und Brasilien sind es fast 600», zitierte die Zeitung «Reforma» den stellvertretenden Nestlé-Sprecher Mario Vera. «Die Binnennachfrage ist begrenzt, nicht aber der Export.»

Nestlé betreibt in Mexiko 14 Werke und hat rund 6500 Mitarbeiter. Bei der Eröffnung des erweiterten Werks am Freitag kündigte Melchior weitere Investitionen in die Infrastruktur an, nannte aber keine Einzelheiten.

Wichtig für Region

«Diese Investition ist sehr wichtig für uns», sagte der Gouverneur des Bundesstaats México, Eruviel Ávila Villegas. Der Ausbau des Werks habe 6000 indirekte Arbeitsplätze und 900 direkte Jobs geschaffen.

Toluca ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Neben Nestlé sind dort weitere internationale Konzerne wie Chrysler, General Motors, Henkel, Bosch und Bayer ansässig.

Kritik wegen Druckversuchen

Nestés Grossinvestition in Mexiko stösst allerdings auch auf Kritik: So heisst es in einer Mitteilung der Nichtregierungsorganisation «Erklärung von Bern», Nestlé übe auf die Kaffeebauern der Region massiven Druck aus, die für die Nescafé-Produktion besonders geeigneten Robusta-Bohnen anzubauen.

Der Wechsel vom hochwertigeren Arabica-Kaffee bringe für die Bauern allerdings Umsatzeinbussen mit sich, kritisiert die «Erklärung von Bern». Von Nestlé war dazu am Montag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

(chb/sda)